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Maske auf. Auch auf der Bank Foto: dpa
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Niederlage gegen Spanien Viele gute Nachrichten und einige schlechte – ein Tag der deutschen Handballer bei der EM

Die deutschen Handballer erleben derzeit einen ungewohnten Alltag bei der Europameisterschaft. Corona und ein zu starker Gegner machen dem DHB-Team zu schaffen.


Der Tag startet für Paul Drux entspannt zwischen 8 und 9 Uhr morgens. Langsam wach werden, frisch machen. Dann ab in den Speiseraum. Mal sehen, was der mitgebrachte Koch so zusammengestellt hat. Unterwegs kommen ihm ein paar Mannschaftskameraden aus dem deutschen Team entgegen – gar nicht so einfach zu erkennen die Jungs mit der Maske auf. Viel mehr als ein kurzes „Hallo“ gibt es aber nicht. Das Frühstück muss auf dem Zimmer verzehrt werden.

Es sind komische Zeiten. Allein die Morgenroutine erinnert mehr an eine Zwangsunterbringung als an die aufgelockerten Bilder, die sonst aus dem Teamhotel während eines Turniers übermittelt wurden. Tischtennis oder Darten? Gecancelt. Kartenspielen? Nur digital. Selbst die Besprechungen finden online statt. 

Aber dafür ist der Kopf noch gar nicht bereit. Erst einmal wieder raus aus dem Zimmer, hin zum PCR-testen. Nach den vielen Infektionen im Team ist da schon ein gewisses Magengrummeln dabei. Ja klar, es sind alle geboostert. Doch was heißt das heut zu Tage schon? Nach nun schon zwölf Fällen wurde das Team geerdet. 

Drux hatte das Virus erst Anfang Dezember, fühlt sich etwas sicherer. So oder so musste er nicht lange überlegen, als die DHB-Auswahl anfragte, ob er nicht einen Platz im infektionsgebeutelten Kader einnehmen wolle. Sachen gepackt und los.

Am Montagabend saß er noch mit dem Nachbarsjungen beim Spielen zusammen, Dienstagmittag schlug er schon in Bratislava auf. Nur wenige Stunden vor dem entscheidenden Spiel gegen Polen, das letztlich so fulminant mit 30:23 gewonnen werden konnte. Viel Einsatzzeit hatte Drux nicht, aber zur Not hätte er sich auch ins Tor gestellt, um zu helfen.

Und nun sitzt er da auf seinem Zimmer. Wartet auf die Ergebnisse des nächsten Corona-Tests, schaut nebenher ein paar Videos, um sich auf das Spiel gegen Spanien vorzubereiten. Allein anstatt im Kreise der Mannschaft. Wenn die Partie denn stattfindet. Der Verband hat einen Antrag zur Verlegung bei der Europäischen Handball Föderation (EHF) eingereicht, auch über einen Rückzug aus dem Turnier wurde nachgedacht. Aber Drux will spielen, sonst wäre er ja nicht angereist. Zumal die Option eines Rückzugs aufgrund der bis zu siebenstelligen Regresszahlungen und einer ausgeschlossenen Teilnahme für die nächsten zwei Turniere undenkbar ist. Dann wäre der DHB finanziell desolat und die 2024 geplante Heim-EM könnte man auch vergessen.

Christoph Steinert bekam gut eine halbe Stunde vor Anpfiff die Nachricht, dass er doch spielen darf Foto: dpa Vergrößern
Christoph Steinert bekam gut eine halbe Stunde vor Anpfiff die Nachricht, dass er doch spielen darf © dpa

Dann endlich: keine neuen Fälle. Drux atmet tief durch – wie wahrscheinlich alle anderen auch, die die Nachricht gerade im Gruppenchat gelesen haben. Jetzt aber Tasche schnappen und mit dem Bus in die Halle. Endlich Körperkontakt, endlich den Ball in die Hand nehmen. Endlich das machen, wofür er da ist.

In der Kabine sieht er die neuesten Nachkommer Tobias Reichmann, Lukas Stutzke und David Schmidt. Mit manchen hier hat er kaum ein Wort gewechselt. Daniel Rebmann ist auch dabei. Glück gehabt. Da kann Drux sein Angebot als zweiter Torhüter hinter Johannes Bitter zurückziehen.

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Christoph Steinert ist auch da. Was? Sein Test wurde nach einem schwach positiven Befund am Donnerstag nach anschließenden negativen Resultaten umgewertet. Dafür fehlt sicherheitshalber Co-Trainer Erik Wudtke, dessen Ergebnisse unklar waren. Auch bei Spanien zwei Fälle. Was für eine Aufregung schon wieder vor dem Spiel.

Nach Anpfiff zählt das alles nicht mehr. Lange sieht es gut aus gegen den Titelverteidiger. Drux und Co. hauen sich rein, dennoch reicht es nur für ein 22:29(12:14).

Mit einer gewissen Frustration im Gepäck geht zurück ins Hotel, zurück aufs Zimmer, zurück in die Isolation. Wieder wird getestet. Einen kurzen Abstecher macht Drux noch zum Physiotherapeuten, das Knie und die anderen Wehwehchen brauchen etwas Aufmerksamkeit. Aber das war es dann mit Kontakten. 

Essen gibt es wieder auf dem Einzelzimmer, dazu vielleicht noch eine Serie oder Dokumentation. Und dann ist der Tag auch schon wieder vorbei, gehen die Lichter aus bevor das Ganze vor dem Spiel gegen Norwegen (20.30 Uhr/ ZDF) erneut beginnt.

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