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Vertrauen rechtfertigt. Nach seinem überzeugenden Auftritt in den Relegationsspielen gegen den HSV startet Oliver Christensen als Nummer eins in die neue Saison. Foto: IMAGO/Jan Huebner
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Neues Haltbarkeitsdatum Oliver Christensen wird bei Hertha BSC die Nummer eins

Oliver Christensen musste bis zur Relegation warten, bis er sich bei den Profis von Hertha BSC zeigen durfte. Jetzt soll er die neue Nummer eins werden.

Stefan Ortega hat sich entschieden. Der Torhüter von Arminia Bielefeld weiß inzwischen, für welchen Klub er in der kommenden Saison spielen wird. Nur kundgetan hat er seine Entscheidung noch nicht. Hertha BSC, so viel ist sicher, wird es nicht sein

Ortega, dessen Vertrag beim Absteiger aus der Fußball-Bundesliga ausläuft, ist in den vergangenen Wochen bei vielen Vereinen als möglicher Zugang gehandelt worden, zuletzt auch bei Hertha BSC. Und bei Hertha sind viele Torhüter als mögliche Zugänge gehandelt worden, nicht nur Ortega.

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Das liegt daran, dass die Situation auf der Torhüterposition bei den Berlinern ein wenig undurchsichtig wirkt – erst recht nachdem Alexander Schwolow für ein Jahr an Schalke 04 verliehen worden ist. Sucht Hertha jetzt noch eine neue Nummer eins? Oder gilt das Augenmerk eher einem ambitionierten Ersatzmann? Und was wird aus Rune Jarstein, der aus gesundheitlichen Gründen seit mehr als einem Jahr nicht mehr hat spielen können.

Die Wirklichkeit ist womöglich gar nicht so kompliziert, wie sie in diesen Wochen der stetig aufkochenden Transfergerüchte scheinen mag. „Wir können das ganz offen sagen: Wir sehen Oliver Christensen schon in der Favoritenrolle, dass er die Nummer eins bekleidet“, hat Fredi Bobic, der Geschäftsführer Sport des Berliner Bundesligisten, bei der Vorstellung des neuen Cheftrainers Sandro Schwarz gesagt. „Da haben wir alle ein sehr gutes Gefühl.“ Die Aussage, Hertha suche eine neue Nummer eins, habe es von ihm jedenfalls nicht gegeben, erklärte Bobic, die werde es auch nicht geben.

Zwei Talente in der Hinterhand

Auch hinter Christensen, 23, sieht Bobic Hertha gut aufgestellt. Mit dem vom VfL Bochum verpflichteten Tjark Ernst, 19, sowie dem 17 Jahre alten Robert Kwasigroch aus der eigenen U 19 gehören der Trainingsgruppe Torhüter auch in der neuen Saison wieder zwei junge Keeper mit Perspektive an. Und Rune Jarstein wird keineswegs, wie zuletzt kolportiert, in den nächsten Tagen seinen Vertrag auflösen. Der 37 Jahre alte Norweger ist als erfahrener Backup für die Rolle als Nummer zwei hinter Christensen vorgesehen. Zumindest bis zum Beweis des Gegenteils.

„Bei Rune wird das Entscheidende sein: Ist er fit? Und kann er einer sein, der den jungen Spielern Halt gibt?“, fragt Bobic. „Wenn er das kann, ist er herzlich eingeladen.“ Jarstein hat sich im Frühjahr 2021 mit dem Coronavirus infiziert. In der Folge litt er an einer Herzmuskelentzündung, anschließend machte ihm eine Knieverletzung zu schaffen.

Erst am Ende der vorigen Saison kehrte der Norweger bei Hertha ins Mannschaftstraining zurück. Eine echte Option war er nach der langen Pause allerdings noch nicht. Sollte sich in der Vorbereitung herausstellen, dass Jarstein das auch weiterhin nicht sein kann, müsste Hertha laut Bobic noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden.

Zu der an Irrungen und Wirrungen nicht armen Spielzeit 2021/22 haben Herthas Torhüter ein besonders dickes Kapitel beigesteuert. Gleich drei Torhüter kamen – inklusive Relegation – zum Einsatz. „Das hat zu der Saison gepasst“, sagt Bobic.

Christensen kam als potenzielle Nummer eins

Genau wie die Geschichte von Marcel Lotka, der im Sommer als vermeintliche Nummer fünf ins Rennen ging, sich dann aber mit so guten Leistungen in den Vordergrund spielte, dass er die realistische Chance gehabt hätte, Herthas neuer Stammtorhüter zu werden. Doch Lotka hatte sich schon im Herbst, lange vor seinem Bundesligadebüt, für einen Wechsel zu Borussia Dortmund entschieden.

Dass nun Oliver Christensen die Rolle als Nummer eins zugedacht ist, mag gewagt erscheinen. Aber genau deshalb hat Hertha ihn vor einem Jahr für immerhin drei Millionen Euro verpflichtet. Christensen, der sogar einmal für Dänemarks A-Nationalmannschaft zum Einsatz gekommen ist, war nicht als Mann für die Ersatzbank geholt worden, sondern als Herausforderer für Alexander Schwolow.

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„Der junge Däne“, wie Trainer Felix Magath ihn einmal genannt hat, als ihm offenbar Christensens Name nicht einfiel, musste lange warten, ehe er sich zeigen durfte. Als Christensen Anfang des Jahres in der Bundesliga hätte debütieren können, weil Schwolow wegen einer Coronainfektion ausfiel, war er ebenfalls verletzt. Ausgerechnet in der Relegation gegen den Hamburger SV, unter dem denkbar größten Druck, kam er dann erstmals für Herthas Profis zum Einsatz.

Im Hinspiel hatte Christensen wenig zu tun, trotzdem wurde er durch eine verunglückte Flanke des Hamburgers Ludovit Reis bezwungen – Hertha verlor 0:1. „Der Torwart hat heute keinen Fehler gemacht“, sagte Magath anschließend. „An ihm lag es nicht.“ Diese Deutung stützten auch Experten, die sich explizit mit dem Torwartspiel beschäftigen. Den krummen Ball von Reis zu halten, das wäre die ganz hohe Torwartschule gewesen.

Tatsächlich waren es die positiven Eindrücke aus der Relegation, vor allem aus dem Rückspiel in Hamburg, die Herthas sportliche Führung in ihrer Einschätzung von Christensen bestärkt haben. „Sehr ordentlich“ erlebte Bobic den jungen Torhüter, „da hat man einiges von ihm gesehen“. Christensen hielt gegen den HSV, was zu halten war. Vor allem strahlte er in diesem Alles-oder-nichts-Spiel eine große innere Ruhe aus. Mit dieser Eigenschaft ist man bei Hertha BSC ganz sicher nicht an der falschen Adresse.

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