Die Frauen des Berliner HC starten mit einem neuen Trainer in die Rückrunde. Foto: imago/Beautiful Sports
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Neuer Trainer beim Berliner Hockey-Club Urgestein beerbt Legenden

Die Frauen des Berliner Hockey-Clubs starten in die Rückrunde. Dabei müssen sie mit einem unvorbereiteten Trainerwechsel zurechtkommen.

Die Anfrage kam „ein bisschen kurzfristig“, sagt Floris Völkner, viel Zeit blieb ihm nicht, um eine Entscheidung zu treffen. Aber vielleicht war es sogar ganz gut, dass er „nicht so groß nachdenken“ konnte: darüber, ob das jetzt wirklich eine gute Idee ist, nach sechs Jahren fast ohne jede Erfahrung als Trainer mal eben einen Hockey-Bundesligisten zu übernehmen. Floris Völkner hat ja gesagt. Am Donnerstag vor einer Woche hat er zum ersten Mal mit den Frauen des Berliner Hockey-Clubs trainiert, schon an diesem Sonntag steht er gemeinsam mit Moritz Ebeling an der Seitenlinie: Dann startet das Team mit einem Heimspiel gegen Harvestehude in die Rückrunde der Feldhockey-Bundesliga (14 Uhr).

„Es wirkt wie ein rigider Bruch“, sagt Malte Kutscha, der Bundesligawart des BHC. Das war es auch. Bis Mitte März wurde die Mannschaft noch von den BHC-Legenden Florian und Natascha Keller trainiert. Doch nachdem der Klub ihnen mitgeteilt hatte, dass die Zusammenarbeit nach der Saison enden solle, entschlossen sie sich dazu, lieber sofort aufzuhören. „Darauf waren wir überhaupt nicht vorbereitet“, sagt Kutscha.

Keller und Keller, die beide als Spieler Olympiagold gewonnen haben, hatten das Team vor ziemlich genau drei Jahren übernommen. Seitdem landete es in der Bundesliga auf den Plätzen sieben, acht und sechs. Vor dem Start der Rückrunde belegt der BHC mit 17 Punkten aus 14 Spielen Platz sieben. Die Qualifikation für die Endrunde dürfte schwierig werden. „Wir haben Florian und Natascha Keller viel zu verdanken“, sagt Kutscha. „Sie haben sehr gute Arbeit geleistet.“

Allerdings gab es zuletzt wohl auch Vorbehalte aus dem Team. Florian Keller war zusätzlich zu seinem Job beim BHC auch Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft und dadurch oft unterwegs. „Das spielt eine große Rolle“, sagt Kutscha. „Vielleicht haben wir das auch falsch eingeschätzt.“

Floris Völkner, 42, soll die Saison jetzt zu einem erfolgreichen Ende führen – und dem Verein damit die Zeit verschaffen, einen neuen Coach zu suchen, der dann im Sommer anfangen kann. Zuerst aber musste sich Völkner auf den aktuellen Stand bringen, viele Videos anschauen und mit Kollegen sprechen, um sich über die Entwicklung des Hockeysports in den vergangenen Jahren zu informieren. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo hat er seine Karriere als Trainer bereits 2013 beendet und sich seitdem auf seinen Beruf konzentriert. „Ideal ist das jetzt nicht“, sagt er über die ungewöhnliche Situation, „aber ich bin guter Dinge, dass wir das Beste rausholen.“

Floris Völkner, 42, ist der neue Trainer bei den Frauen des Berliner Hockey-Clubs. Foto: Promo Vergrößern
Floris Völkner, 42, ist der neue Trainer bei den Frauen des Berliner Hockey-Clubs. © Promo

Völkner ist ebenfalls Ur-BHCer. Mit sechs hat er bei den Zehlendorfern mit dem Hockey angefangen und sie seitdem nie verlassen. Auch deshalb war er für Malte Kutscha „einer der ersten Kandidaten“ für den Trainerposten: „Er hat eine gute Ansprache und einen leistungsorientierten Anspruch.“ Angesichts der schwierigen Situation sei das „eine recht ideale Lösung“. In der Saison 2012/13, der einzigen unter Floris Völkner, gewannen die Frauen des BHC nicht nur den Meistertitel in der Halle, sondern auch auf dem Feld. Es sind bis heute die letzten Meisterschaften für den Klub.

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