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Beim Vendee Globe segelte Boris Hermann in 80 Tagen um die Welt. Foto: IMAGO / PanoramiC
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Neue Partner, neues Boot Boris Hermann setzt sich große Ziele

Der deutsche Extremsegler kann für die nächsten fünf Jahre planen. Eine neue Imoca-Yacht ist bereits in Bau und soll bis zum Ocean Race fertig werden.

Vom Vendée Globe Rennen kehrte Boris Herrmann als Darling der Segelwelt zurück. Allseits gefeiert für seine Leistung, die ihm den fünften Rang eingebracht hatte. Bewundert für sein sympathisches Auftreten und seine Offenheit, mit der er über die zurückliegenden Strapazen sprach und Menschen weit über die Segelszene hinaus zu erreichen vermochte. Aber er stand auch vor dem wirtschaftlichen Nichts. Sein Boot, das bei einer Kollision mit einem Trawler kurz vor dem Ziel ramponiert worden war, musste aufwendig repariert, ein Foil ersetzt werden. Das würde viel Geld kosten und sämtliche Reserven aufbrauchen.

Aus seinen Wünschen machte der Segler aus Hamburg keinen Hehl. Wenn er wieder antreten wollte beim Vendée Globe, müsste das mit einem Neubau geschehen, denn diesmal würde es nicht reichen, nur dabei gewesen zu sein und sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Außerdem wäre die Teilnahme am Ocean Race ideal – dem Nachfolgerennen des einstigen Whitbread Round The World Race –, das in acht Etappen um den Globus führt und erstmals auch Imoca-Yachten mit vierköpfiger Crew zulässt. Genug zu tun, gebe es also. 

Ocean Race als großes Ziel

Am Mittwoch hat der Segler aus Hamburg nun seine Pläne konkretisiert. So hat er weitere Sponsoren gefunden, die ihn die nächsten fünf Jahre unterstützen und die für einen Neubau nötigen Ressourcen mitbringen. Neben den fünf alten Partnern aus der Speditions- und Schifffahrtsbranche sind die Zürich Versicherung sowie das deutsche Technologie-Unternehmen Schütz dabei. „Es gibt nicht viele andere Projekte im Segelsport mit einer solchen Perspektive derzeit“, sagt Herrmann.

Die Geldgeber hätten sich gerade rechtzeitig entschlossen, damit ein neues Boot im Sommer 2022 fertig sein kann. Ende Mai würden die ersten Teile gefertigt, zwölf Monate dauere die Fertigstellung üblicherweise. Damit rückt Herrmanns Teilnahme am Ocean Race in greifbare Nähe. Mit einem werftneuen Schiff dürfte er auch hier zum engeren Favoritenkreis zählen. 

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Für den Riss verantwortlich ist das renommierte Designbüro VPLP, das schon Herrmanns „Seaexplorer“ entworfen hat und der Szene seit zehn Jahren entscheidende Impulse gibt. Sieben der neun Yachten, die seit 2012 aufs Podium des Vendée Globe segelten, stammen aus der Feder des VPLP-Büros. Auch alle sonstigen technischen Partner sind Herrmann durch langjährige Zusammenarbeit vertraut. „Wann hat man schon mal die Möglichkeit, ein leeres Blatt Papier zu nehmen, um ein Boot auf der Grundlage eigener Ideen zu entwickeln“, freut sich Herrmann.

Herausgekommen ist ein Gefährt mit extrem kurzem Vordersteven, der auf der Rumpfunterseite in eine massive Rippe übergeht. So bleibt der Bug selbst schmal und spitz, wird jedoch durch eine voluminöse Struktur unterfangen, die für Auftrieb sorgt.

Der neue Entwurf soll ein Problem beheben, das dem Solosegler im Südmeer zu schaffen gemacht hatte. Dort musste er die Geschwindigkeit oft drosseln, weil sich der Bug in den hohen, mitlaufenden Wellen festzubohren drohte. Mit diesem Effekt des „Unterschneidens“ hatten alle Teilnehmer zu kämpfen, einige jedoch weniger als andere, und am wenigsten Armel Trippon, dessen „L’Occitaine“ mit ihrem breiten Wulstbug am besten über die Wellen hinwegzugleiten schien. So radikal wird Herrmanns Allround-Racer nicht werden. Er sagt: „Wenn wir ein gutes Boot bauen, wird es besser bei allen Rennen sein.“

Umweltgedanke im Extremsport

Da Herrmann mit seiner akribischen Vorbereitung gute Erfahrungen gemacht hat und im Vorfeld seiner Vendée-Globe-Premiere mehr Meilen mit der „Seaexplorer“ zurückgelegt hatte, als beim Rennen selbst auf ihn zukamen, will er auch jetzt wieder intensive Fehlersuche betreiben. Ein Klassiker wie das Ocean Race kommt da gerade recht, um im Südmeer schon mal die Probe aufs Exempel zu machen. Sollte das Design bei dem achtmonatigen Belastungstest nicht halten, was es am Rechner verspricht, bliebe genug Zeit, um Anpassungen vorzunehmen. 

„Wenn der Austausch mit Spezialisten ein linearer Prozess wäre, hätten wir alle dieselben Boote“, erzählt Herrmann bei der virtuellen Pressekonferenz am Mittwoch. So sei es aber nicht. Stattdessen habe er in wenigen Wochen Entscheidungen fällen müssen, die Auswirkungen auf die nächsten fünf Jahre haben werden. „Das ist sehr stressig“, meint er. 

Zur finanziellen Ausstattung der Kampagne gehört auch, dass Hermanns Frau Birte ihr Bildungsprogramm fortsetzen und Kinder auf den Etappen des Ocean Race mit der Bedeutung der Weltmeere für das Klima vertraut machen kann. Wie Herrmanns Team überhaupt ständig nach neuen Wegen suche, den Umweltgedanken in diesen technologischen Extremsport hineinzutragen. Sei es durch umweltverträgliche Kompositmaterialien oder durch weniger Flugmeilen. 

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