Treffende Argumente. Seitdem Marcel Müller wieder spielen kann, läuft es gut für die Kölner Haie. Dem gebürtigen Berliner, der einst bei den Preussen mit dem Eishockeyspielen begann, gelangen vier Tore in 14 Spielen. Foto: Osnapix/Imago
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Nächster Gegner der Eisbären Berlin Es müllert wieder bei den Kölner Haien

Die Karriere von Marcel Müller schien schon beendet zu sein – doch nun spielt der gebürtige Berliner mit den Kölner Haien groß auf.

Eine herzige Szene war am vergangenen Sonntag auf dem Eis der Kölner Arena zu bewundern: Haie-Stürmer Marcel Müller, 31, schnappte sich seinen Sohn Theo, knapp drei, der den Papa am Rand der Bande angestrahlt hatte. Mit dem Blondschopf auf dem Arm drehte Malla, wie ihn alle nennen, nach dem 4:1-Sieg des KEC gegen Iserlohn eine Runde über das Eis, Müller Senior und Junior lächelten dabei um die Wette.

Es war ein Bild, in dem sich der Aufschwung der Kölner Mannschaft widerspiegelt. Nach einem schwachen Start in die Saison 2019/20 der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat sich der KEC nicht nur stabilisiert, sondern in eine Spitzenmannschaft verwandelt. In allen Spielen im November punkteten die Haie, zuletzt feierten sie vier Siege in Serie, darunter ein 4:1 in prestigereichen rheinischen Derby in Düsseldorf.

Was ist also mit den Haien passiert, die am Anfang der Spielzeit von zehn Partien acht verloren? „Wir spielen mit viel Selbstvertrauen“, meint der gebürtige Berliner Müller, „wir machen das, was der Trainer sagt. Wir spielen defensiv sehr gut, vorne kommt das Glück langsam auf unsere Seite. Es läuft in allen Bereichen des Spiels besser.“ Der Anfang war schwer für die Haie, da die Kölner Profis einerseits das System ihres neuen Coaches Mike Stewart, der von den Augsburger Panthern kam, hatten lernen müssen.

Andererseits wurde die Mannschaft, deren Kader nicht besonders tief ist, von Verletzungspech geplagt. Stammgoalie Gustaf Wesslau fiel aus, Stürmer Jason Bast, auch die Verteidiger Dominik Tiffels und Jakub Kindl, die inzwischen allesamt wieder dabei sind.

Kapitän Moritz Müller, der Ende September einen Innenbandriss im Knie erlitt, soll am Freitag sein Comeback geben, wenn die Haie um 19.30 Uhr in der Arena am Ostbahnhof zum zweiten Mal in dieser Saison bei den Eisbären antreten. Damit werden die Kölner zum ersten Mal in dieser Spielzeit komplett sein.

Das Knie merkt Marcel Müller immer noch

Besonders viel Freude bereitet ihnen die gelungene Rückkehr Marcel Müllers nach dessen schwerer Knieverletzung. In seinen bisherigen 14 Saisonspielen schoss er vier Tore und gab vier Vorlagen. „Es ist ein schönes Geschenk für uns“, sagt Stewart. „Innerhalb von zwei Wochen hat er Fortschritte ohne Ende gemacht. Es hätte auch sein können, dass er erst im Februar wieder spielen kann. Wir waren uns nicht sicher.“

Müller hat die schwerste Zeit seiner Profikarriere hinter sich, die 2005 bei den Eisbären begann. Die Haie verpflichteten den Torjäger, der bereits von 2008 bis 2010 und 2013 bis 2014 in Köln gespielt hatte, im Frühjahr 2018 von den Krefeld Pinguinen. Wegen eines Knorpelschadens im linken Knie, den Müller sich Ende April 2018 in einem Länderspiel gegen Frankreich zuzog, konnte er anderthalb Jahre kein Eishockey spielen. Das Knie wurde operiert, der Knorpel erfolgreich neu aufgebaut.

Im Reha-Training entzündete sich jedoch die Patellasehne. Bei Belastungen schwoll das Knie regelmäßig an, Müller verkrampfte und verzagte, es erschien zwischenzeitlich fraglich, ob er jemals wieder Eishockey würde spielen können. Doch er gab nicht auf. Inzwischen ist der 1,94 Meter große und gut 100 Kilogramm schwere Angreifer wieder eine Wucht auf dem Eis. Und das, obwohl er nicht ganz frei von Beschwerden ist, er berichtet: „Ich merke das Knie immer noch, das wird wohl auch immer so sein.“

Müller ist der einzige Berliner, der in der NHL spielte

Müller ist der erste und einzige für die Nationalmannschaft spielberechtigte gebürtige Berliner, der je in der National Hockey League (NHL) spielte, und zwar 2010/11 in drei Partien für die Toronto Maple Leafs. Er stürmt in Köln in einer rasanten Reihe: Seine Kollegen sind der flinke Kreativ-Center Jon Matsumoto und der schnelle Flügelstürmer Freddie Tiffels. „Freddie hat ein gutes Auge und kann die Scheibe perfekt behaupten. Jon gewinnt viele Bullys, das macht es einfacher, Angriffe zu inszenieren“, erklärt Müller. Und was ist sein Part? „Ich laufe ein bisschen nebenher und halte ab und zu meine Kelle in die Schüsse.“ Gegen Iserlohn gelangen Müller zwei Tore, zum Sieg in Düsseldorf steuerte die Reihe sechs Scorerpunkte bei.

Der kleine Theo Müller hatte großen Einfluss darauf, dass sein Vater in der langen Reha nicht aufgab. „Ich wollte unbedingt, dass mich meine Kinder auf dem Eis spielen sehen“, erzählt Müller, außerdem Vater der sechs Monate alten Fina. „In Krefeld hat Theo noch nicht realisiert, was mein Job ist. Jetzt sagt er: Papa hat ein Tor geschossen. Das macht mich wirklich stolz.“

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