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Eine Woche bevor die Nationalspieler für die EM abgestellt werden sollen, sind noch wichtige Spiele geplant. Foto: imago/Laci Perenyi
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Nach Spielabsagen in der Zweiten Liga Profifußball droht wegen Corona-Quarantäne Terminnot

Wie kommt der Fußball durch die Pandemie? Es braucht noch mehr Disziplin als bisher. Sonst droht im Hinblick auf Liga und EM Ungemach.

Je näher das Saisonende rückt und je angespannter die Corona-Lage wieder wird, desto größer das Zittern im Profifußball. Die Deutsche Fußball Liga und der ganze Betrieb könnte in größte Schwierigkeiten geraten, die Saison wie geplant abzuwickeln. Die DFL setzte am Donnerstag erst einmal jeweils zwei Zweitliga-Partien von Karlsruhe und Sandhausen ab, da sich beide Teams nach Corona-Fällen in eine 14-tägige häusliche Isolation begeben mussten.

Dem KSC droht sogar ein Nachspiel: Der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe, Ulrich Wagner, erklärte im SWR die Entscheidung der Behörde so: „Es war relativ einfach zu sagen, dass es Termine gegeben hat, an denen das ganze Team teilgenommen hat - und auch in einer Form, in der man sagen muss: ohne Schutz.“

Den Vereinen drohen härtere Strafen

Die DFL hatte die 36 Profiklubs längst noch einmal zur strikten Einhaltung der Regeln aufgefordert und diese Woche verpflichtende Trainingslager-Quarantänen für alle Mannschaft ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Verstöße wie die von Borussia Dortmund, deren Profis im Mannschaftsbus ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz gefeiert hatten, bestrafte die DFL bisher mit Geldbußen.

Bei nachweislich massivem Fehlverhalten und wenn es keine Nachholspielmöglichkeiten gibt, könnte die DFL nach dpa-Informationen auch ganz andere Bandagen anlegen - und die ausgefallenen Partien theoretisch zuungunsten des Vereins werten.

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Denn bei weiteren Spielabsagen würde die Terminnot immer größer. Nach dem Saisonende folgt ab dem 24. Mai die Woche mit Relegationsspielen und den Europapokal-Finals, ehe am 31. Mai die Abstellungspflicht für die EM (11. Juni bis 11. Juli) beginnt.

Diskussionen um EM-Standort München

Immer schwieriger wird die Zuschauerfrage bei der Europameisterschaft: Die spanische Stadt Bilbao droht als Spielort wegzufallen. Angesichts der Bedingungen der Regionalregierung des Baskenlandes seien Spiele vor Publikum in Bilbao undenkbar, teilte der spanische Verband RFEF mit. Die sieben Forderungen der Behörden seien bis Juni „unmöglich zu erfüllen“, hieß es.

Offen ist, ob die Europäische Fußball-Union darauf bestehen wird, dass EM-Spiele an den geplanten zwölf Spielorten vor Fans stattfinden müssen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte am Mittwoch bei Sky gesagt, man müsse sich ansehen, wie die Gesundheitssituation aussehe. „Wenn es die Situation erlaubt, erwarten wir Zuschauer“, betonte er.

EM-Spiele in München hält UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nach einem Treffen mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) auch unter den schwierigen Bedingungen für möglich. „Und ich bin mir auch sicher, dass der Ministerpräsident bemüht ist, dass die EM hier stattfinden wird“, sagte der Slowene.

„Im Moment kann ich mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen mit großartigen Zuschauerzahlen zu operieren, es dauert ja nicht mehr lange“, sagte Söder wiederum im Interview der RTL/ntv-Redaktion. Wegen der Infektionslage in Deutschland sind derzeit aber keine Sportveranstaltungen mit Fans erlaubt.

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Hygiene-Experte Florian Kainzinger hält Spiele in München mit begrenzter Besucherzahl für möglich. „Wir werden keinen Einstieg von Null auf Hundert finden. Vorausgesetzt wir haben zu diesem Zeitpunkt keine drohende Überlastung unserer Krankenhäuser, wäre es ein sinnvoller Ansatz bei den EM-Zuschauern, sich erstmal auf lokales Publikum zu begrenzen und keinen Global-Tourismus auszulösen. So ähnlich wie das Tokio bei den Olympischen Spielen machen will“, sagte der Gesundheitsökonom am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der 38-Jährige ist Mitglied der „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb im Profifußball“, war beim Hygienekonzept für die Basketball-Bundesliga federführend und koordiniert eine Initiative der großen deutschen Sportverbände und Kulturveranstalter zur Rückkehr von Zuschauern. „Es geht unter anderem um die Frage: Können Geimpfte auch ohne Tests rein - was ich sehr unterstütze. Dazu kommt ja, dass wir bis Sommer nochmal etwa 20 bis 30 weitere Prozent in der Bevölkerung geimpft haben werden“, sagte Kainzinger weiter.

München hatte mitgeteilt, „weiterhin mit verschiedenen Szenarien, was mögliche Zuschauer im Stadion betrifft“, zu planen. Im Stadion des FC Bayern sollen die drei Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Weltmeister Frankreich (15. Juni), Europameister Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sowie ein Viertelfinale (2. Juli) ausgerichtet werden. (dpa)

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