Der Berliner AK (r. Abu Bakarr Kargbo) spielt seit sieben Jahren in der Regionalliga. Foto: imago/Matthias Koch
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Nach rechtsextremen Ausschreitungen Sorgen beim Berliner AK wegen Spiel in Chemnitz bleiben

Der Moabiter Fußball-Regionalligist denkt aufgrund der rechten Ausschreitungen weiter über eine Absage des Spiels beim Chemnitzer FC nach.

Die erste Reaktion hat Mehmet Ali Han gefreut, an seinem mulmigen Gefühl hat sich aber nichts geändert. Der Präsident des Fußball-Regionalligisten Berliner AK hatte am Mittwoch eine Mitteilung veröffentlicht, in der er Befürchtungen um die Sicherheit beim Auswärtsspiel seiner Mannschaft am 15. September gegen den Chemnitzer FC ausdrückt und sogar eine Absage erwägt. Das Echo darauf ist geteilt: Einige werfen Han vor, mehr als zwei Wochen vor dem Spiel sei es übertrieben, auf diese Weise an die Öffentlichkeit zu gehen. Andere können seine Ängste nachvollziehen. Ein Verantwortlicher des Chemnitzer FC meldete sich noch am Mittwoch bei Han und lud ihn zu einem persönlichen Gespräch ein. „Solange die Lage in Chemnitz so ist, werde ich aber nicht hinfahren“, sagt Han.

Wie viele Menschen hat der Berliner Bauunternehmer mit türkischen Wurzeln die Ausschreitungen in Chemnitz mit Sorge wahrgenommen. Seit in der Nacht zu Sonntag ein Mann bei einer Messerattacke tödlich verletzt wurde, gab es mehrere ausländerfeindliche Übergriffe. Die Polizei wirkte teilweise überfordert, rechte Parolen wurden gebrüllt, der Hitlergruß gezeigt. Tatverdächtig sind ein Syrer und ein Iraker. „Mein Beileid gilt dem Getöteten, aber dass Hooligans und Rechtsradikale Jagd auf Ausländer machen, ist schrecklich“, sagt Han.

Beim Berliner AK spielen seit Jahren Fußballer mit Wurzeln in verschiedenen Ländern, von 2006 bis 2011 hieß der Verein Berlin Ankaraspor Külübü. Bei Auswärtsspielen seien rechte Anfeindungen immer wieder vorgekommen, sagt Han. „Wir wurden als Schwarzköpfe bezeichnet, mit Bier übergossen.“ So schlimm wie bei Türkiyemspor in den Neunziger Jahren war es nicht, zuletzt hat Han aber eine Verschlechterung der Situation wahrgenommen. „Durch die AfD und die Özil-Debatte ist das wieder hochgekommen“, sagt Han. In die Politik wolle er sich nicht einmischen, lediglich auf die Bedenken aufmerksam machen. „Jetzt liegt der Ball bei den anderen.“

Das Gesicht des BAK. Mehmet Ali Han hat in Moabit seit Jahren das Sagen. Foto: imago/Matthias Koch Vergrößern
Das Gesicht des BAK. Mehmet Ali Han hat in Moabit seit Jahren das Sagen. © imago/Matthias Koch

NOFV stufte Spiel als "bedingt störanfällig" ein

Besonders brisant wird die Situation durch die Nähe zwischen Teilen der CFC-Anhänger und den rechten Demonstranten. Die Ultra-Gruppierung „Kaotic Chemnitz“, gegen die schon vor Jahren ein Stadionverbot verhängt worden war, hatte zu den Unruhen aufgerufen. Auch unter den gewalttätigen Demonstranten waren Fans vertreten. Der Klub und die „Fanszene Chemnitz“ haben sich von den Ausschreitungen distanziert.

Han fordert angesichts der „Ausnahmesituation“ ein adäquates Sicherheitskonzept. Bei Auswärtsspielen des BAK sei eigentlich nie ein besonderes Polizeiaufkommen nötig gewesen, sagt der Präsident. Auf die aktuelle Situation müssten die Behörden aber reagieren. Neben dem Chemnitzer FC hat sich auch der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) beim BAK gemeldet. In einer E-Mail heißt es: „Für die Heimspiele des CFC liegt ein umfangreiches und mit allen Verantwortungsträgern abgestimmtes Sicherheitskonzept vor.“ Es sei gängige Praxis, dass die aktuelle Situation in die Risikobewertung einfließe. Bisher sei das Spiel als „bedingt störanfällig“ eingestuft worden.

Han hat die Reaktionen zur Kenntnis genommen, für eine Entscheidung, ob der BAK in Chemnitz antritt, sei es – auch mit Blick auf die für die kommenden Tage angekündigten rechten Demonstrationen – aber noch zu früh. Auf eine Sache haben sie sich im Vorstand aber bereits geeinigt. „Wenn das Spiel stattfindet und wir werden rassistisch beleidigt, brechen wir ab.“

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