Traurig schlichen die Fußballer von RB Leipzig vom Rasen. Foto: REUTERS
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Nach Niederlage gegen Paris Saint-Germain Die Leipzig-Basher können aufatmen

RB Leipzigs Niederlage ist ein Sieg für die Fußball-Folkloristen. Dabei ist die Abneigung heuchlerisch. Ein Kommentar.

Hierzulande sah so mancher Fußball-Folklorist schon die Dämmerung heranbrechen (wenn sie nicht schon längst da ist). RB Leipzig fehlte nur noch ein Sieg zum Einzug in das Finale der Champions League. Am Dienstagabend konnten besagte Traditionalisten aufatmen: Die Sachsen verloren 0:3 gegen die Starkicker von Paris Saint-Germain. Das disziplinierte, aber am Dienstag sehr fehlerhafte Kollektiv war chancenlos gegen die Lust von Neymar oder Kylian Mbappé.

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Die Pariser Ausnahmespieler werden im Übrigen zu großen Teilen finanziert vom Emirat Katar, das durch das Investment ein bisschen Image dazukaufen willen. Das Engagement aus Katar ist in diesem Zusammenhang nicht unwichtig, weil die Leipzig-Basher in den vergangenen Tagen nicht müde wurden zu erzählen, wie verkommen das Konstrukt RB doch sei. Erdacht und in die Wege gebracht, nur um die Brausemarke bekannter zu machen. Eine reine Kommerz-Geburt, dieser „Verein“.

Das alles stimmt wohl und nicht viel sympathischer macht RB, dass der Brausechef Dietrich Mateschitz in der Vergangenheit immer wieder durch rechtspopulistische Äußerungen aufgefallen ist. Die Fußball-Folkloristen verkennen aber, dass sich RB in einem Umfeld bewegt, dass – genau – durch und durch kommerzialisiert ist.

Und damit sind nicht nur Klubs wie Paris Saint-Germain oder Manchester City gemeint. Sondern auch der FC Bayern (zu dessen Sponsoren etwa Qatar Airways zählt), Hertha BSC (Windhorst!) oder sogar der vermeintlich kleine 1. FC Union (Aroundtown SA). Dass der Leipziger Fußballklub direkt aus einem Unternehmen hervorgegangen ist, geschenkt. Es macht die meisten anderen Klubs, die ihre Profiabteilungen in Kapitalgesellschaften ausgegliedert haben, nicht ehrlicher.

Der Fußball hat sich schon lange, bevor RB auf der Bildfläche erschienen ist, verkauft. Und das an Geldgeber, die mitunter deutlich kritischer zu sehen sind als jener der Leipziger. Es ist heuchlerisch, in RB Leipzig hierzulande den großen Feind des Fußballs zu sehen. Wer es dennoch tut, der lebt in seiner eigenen, kleinen Fußballwelt. Aber nicht in der Fußballrealität.

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