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Will seinen Vertrag in Liverpool erfüllen: Jürgen Klopp. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
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Update Nach Löw-Rücktritt Jürgen Klopp sagt Bundestrainer-Job ab

Jogi Löw wird seine Tätigkeit als Bundestrainer nach der Europameisterschaft in diesem Sommer beenden. Ein erster möglicher Nachfolger hat bereits abgesagt.

Joachim Löw gibt sein Amt als Bundestrainer nach der EM im Sommer auf. Der 61-Jährige werde seinen ursprünglich bis zur WM 2022 laufenden Vertrag unmittelbar mit Abschluss des Turniers auf eigenen Wunsch beenden, teilte der Deutsche Fußball-Bund am Dienstag mit.

Der DFB habe dem zugestimmt, hieß es weiter. „Ich gehe diesen Schritt ganz bewusst, voller Stolz und mit riesiger Dankbarkeit, gleichzeitig aber weiterhin mit einer ungebrochen großen Motivation, was das bevorstehende EM-Turnier angeht“, wurde Löw in der Mitteilung zitiert.

Löw hatte das Amt nach der Weltmeisterschaft 2006 übernommen. Zuvor war er zwei Jahre lang Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gewesen. „Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Joachim Löw. Der DFB weiß, was er an Jogi hat, er ist einer der größten Trainer im Weltfußball“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller.

Löw habe den deutschen Fußball über Jahre hinweg wie kaum ein anderer geprägt. „Dass er uns frühzeitig über seine Entscheidung informiert hat, ist hoch anständig. Er lässt uns als DFB somit die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen“, sagte Keller.

Seit dem Debakel bei der WM 2018 in Russland, als die DFB-Auswahl als Titelverteidiger bereits in der Vorrunde scheiterte, stand Löw in der Kritik. Zuletzt wurde nach dem 0:6 in Spanien im Herbst des Vorjahres erneut heftig über eine vorzeitige Ablösung des Bundestrainers debattiert. Erst nach klärenden Gesprächen mit der DFB-Spitze durfte Löw weitermachen.

Jogi Löw und Bastian Schweinsteiger liegen sich nach dem Gewinn der WM 2014 in den Armen. Foto: dpa Vergrößern
Jogi Löw und Bastian Schweinsteiger liegen sich nach dem Gewinn der WM 2014 in den Armen. © dpa

Löws größter Erfolg in seiner bisher knapp 15 Jahre dauernden Tätigkeit als Cheftrainer war der Gewinn des Weltmeistertitels im Jahr 2014.

„Dankbar bin und bleibe ich gegenüber dem DFB, der mir und der Mannschaft immer ein optimales Arbeitsumfeld bereitet hat“, sagte Löw. Für die EM verspüre er „weiterhin den unbedingten Willen sowie große Energie und Ehrgeiz“. Bei dem um ein Jahr verschobenen Turnier trifft die Nationalmannschaft in der Gruppenphase im Juni in München zunächst auf Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und Außenseiter Ungarn.

Jürgen Klopp sagt ab

Am Mittwochabend spielt Jürgen Klopps FC Liverpool in der Champions League gegen RB Leipzig. In einer Pressekonferenz im Vorfeld des Spiels antwortet er auf die Frage zu einer möglichen Löw-Nachfolge.

„Ich wurde gefragt, ob ich zur Verfügung stehe. Ich habe mich nicht selbst ins Spiel gebracht, Nein, ich werde nicht als möglicher Nachfolger zur Verfügung stehen. Warum? Ich hab noch einen 3-Jahres-Vertrag in Liverpool. Man unterschreibt Verträge und daran versuche ich mich zu halten“, stellt Klopp klar.

Stimmen und Reaktionen zum Ende der Ära Löw

„Joachim Löw und ich haben fast 17 Jahre lang eng zusammengearbeitet. Wir durften gemeinsam so viel erleben und auch zusammen durchstehen“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Unter Löw „stand die Nationalmannschaft wieder für Spielfreude und attraktiven Offensivfußball, diese Mannschaft und ihre Spieler haben sich unglaublich mit ihm entwickelt“. Der frühere Nationalspieler, der zunächst als Manager des DFB-Teams fungiert hatte, bedauerte Löws Entscheidung. „Persönlich werden wir verbunden bleiben“, sagte Bierhoff. Für den EM-Sommer verbinde beide „weiterhin ein großes gemeinsames Ziel“.

Die DFB-Mitteilung kam am Dienstag völlig überraschend. „Das ist eine traurige Nachricht, aber noch ist er im Amt“, sagte RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann, der am Mittwoch in der Champions League gegen Jürgen Klopps FC Liverpool spielt. Löw habe einen großen Einfluss auf den deutschen Fußball und „eine Epoche geprägt mit Titeln und einer Entwicklung“, sagte Nagelsmann. „Es wird hoffentlich ein glorreicher Abschluss.“

Hoffenheims Manager Alexander Rosen hat „großen Respekt“ vor der Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, nach der Fußball-EM im Sommer aufzuhören. „Jogi Löw hat eine Ära geprägt, die als eine der erfolgreichsten Phasen in die Geschichte der Nationalmannschaft und des deutschen Fußballs eingegangen ist“, sagte der Sportchef des Fußball-Bundesligisten am Dienstag. Er wünsche Löw und dem deutschen Fußball „eine erfolgreiche EM als Abschluss.“

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Arminia Bielefelds Coach Frank Kramer hat die Arbeit von Bundestrainer Joachim Löw gewürdigt. „Der Jogi ist ein absoluter Fußball-Experte“, sagte der frühere DFB-Jugendtrainer am Dienstag. „Das ist jemand, der einen überragenden Job gemacht hat. Alles andere verbietet sich. Ich habe das erleben dürfen.“ Die frühere Zusammenarbeit mit Löw bewertete Kramer als „hervorragend“.

In der jüngsten Zeit habe es bei der Nationalmannschaft einen großen Umbruch gegeben. „Man sollte so fair sein, diese Arbeit über so viele Jahre auf diesem Topniveau anzuerkennen“, sagte Kramer, der zwischen 2016 und 2019 beim DFB die U18, U19 und U20 betreut hatte.

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat die Verdienste des scheidenden Fußball-Bundestrainers Joachim Löw hervorgehoben. „Löw hat in seiner Zeit als Bundestrainer Großartiges für den deutschen Fußball geleistet“, sagte Watzke am Dienstag in einer Reaktion auf Löws Ankündigung, im Sommer nach der Europameisterschaft als Bundestrainer aufzuhören.

„Joachim Löws Entscheidung verdient viel Respekt, weil es sich um eine Entscheidung der eigenen Stärke handelt“, befand Watzke und rief „alle im deutschen Fußball“ dazu auf, „ihren Teil beizutragen, um Joachim Löw im Sommer jenen großen Abschluss zu ermöglichen, den er verdient.“

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Oliver Bierhoff, Andreas Köpke, Joachim Löw und Hansi Flick mit dem WM-Pokal auf der Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin. © imago images/Laci Perenyi

Mögliche Löw-Nachfolger

Als möglicher Nachfolger wird Klopp (53) gehandelt, der mit den Reds in der Premier League tief in der sportlichen Krise steckt. Der frühere BVB-Trainer hatte zuletzt immer auf seinen bis 2024 laufenden Vertrag in Liverpool verwiesen. Auch der Name des früheren Leipziger Trainers Ralf Rangnick (62) wurde in der Diskussion nach dem Spanien-Spiel genannt.

Eine interne, aber derzeit eher unwahrscheinliche Lösung, wäre die Beförderung von Löws derzeitigem Co-Trainer Marcus Sorg (55). Auch beim DFB bereits angestellt ist U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz (58), der mit den DFB-Junioren zunächst noch bei der Nachwuchs-EM im Einsatz ist. (dpa, AFP)

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