Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Sportfan: Frank Steffel. Foto: imago sportfotodienst
© imago sportfotodienst

Möglicher Hertha-Präsident kämpft um Zustimmung Die Fans muss Frank Steffel noch für sich gewinnen

Frank Steffel will Hertha-Präsident werden. Das kommt nicht überall gut an. Immerhin: Aufsichtsratsvorsitzender Brüggemann glaubt an ihn.

Es ist nicht so, dass Klaus Brüggemann naiv und blauäugig wäre. Natürlich weiß er, dass Frank Steffel polarisiert. Und selbst wenn er es bisher nicht gewusst haben sollte, dann hätte er es spätestens am Montag erfahren, als ihn die Nachricht eines Freundes erreichte. „Oh, Gott“, schrieb er, nachdem bekannt geworden war, dass Frank Steffel für das Amt des Präsidenten von Hertha BSC kandidieren wird.

Steffel als Präsident des Berliner Fußball-Bundesligisten und Nachfolger von Werner Gegenbauer – das ist die Idee von Klaus Brüggemann, der seit knapp zwei Wochen neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Klubs ist. Brüggemann kennt sehr wohl die Schwächen des Kandidaten, der 2001 für die CDU vergeblich zur Wahl als Regierender Bürgermeister von Berlin angetreten ist; der sich im Bundestag vor einigen Jahren wenig differenzierend über die Ultra-Kultur geäußert hat und dem zudem 2019 der Doktortitel aberkannt wurde. Trotzdem hält Herthas Aufsichtsratschef den 56 Jahre alten Steffel für den richtigen Mann an der Spitze des Klubs.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen:leute.tagesspiegel.de]

„Alle rufen nach einem Neuanfang. Mit Steffel würde man einen Neuanfang bekommen“, sagt Brüggemann dem Tagesspiegel. „Sein Wirken als Politiker interessiert mich nicht. Mich interessieren seine Vita als Unternehmer und seine Erfolgsgeschichte mit den Füchsen. Frank Steffel kennt Verein, und er kennt das Business. Er hätte den Charakter und die Durchsetzungskraft, um Hertha in die richtigen Bahnen zu lenken.“

Sollte Steffel gewählt werden, würde er seinen Posten bei den Füchsen aufgeben

Seit Montag ist Steffel, der Präsident des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, offiziell Kandidat, nachdem er die durch die Satzung erforderliche Zustimmung des Aufsichtsrats bekommen hat. Genau wie der frühere Ultra Kay Bernstein sowie Michael Baumgärtner und Marvin Brumme. Ingmar Pering, Mitglied im Präsidium, hat am Montag ebenfalls seine Kandidatur angekündigt, bisher ist er aber noch nicht offiziell zur Wahl vorgeschlagen worden.

Das gilt (Stand Dienstagmittag) auch für die beiden anderen Präsidiumsmitglieder, die für das Amt des Vizepräsidenten kandidieren (Fabian Drescher) beziehungsweise kandidieren sollen (Peer Mock-Stümer). Bis Samstag, 23.59 Uhr, also exakt eine Woche vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung (26. Juni, ab elf Uhr, City-Cube), besteht dazu noch Gelegenheit. Für die drei (bis maximal fünf) vakanten Posten im Präsidium bewerben sich rund 20 Kandidatinnen und Kandidaten. Noch immer hält sich das Gerücht, dass Torsten-Jörn Klein, der Vorgänger von Brüggemann als Aufsichtsratsvorsitzender, bei der Präsidentenwahl antritt, obwohl er das bei der Mitgliederversammlung Ende Mai ausgeschlossen hat.

Frank Steffel, bis 2021 für die CDU im Bundestag, hat sich inzwischen bei Twitter zu seiner Kandidatur geäußert. „Das gemeinsame Ziel muss es sein, Präsidium, Aufsichtsrat und Geschäftsführung auf eine gemeinsame Strategie festzulegen, Streit zu beenden und Herthas großartige Jugendarbeit stärker zur Identifikation in der Region Berlin-Brandenburg zu nutzen“, schrieb er dort. „Alle Nebengeräusche und Eitelkeiten lenken vom entscheidenden Ziel nur ab: Stabilität und sportlicher Erfolg für die nächsten Jahre!“

Steffel kann auf seine Erfahrung als Präsident der Füchse verweisen. Seit 17 Jahren ist er im Amt. Diesen Posten würde er aufgeben, sollte er bei Hertha gewählt werden. Für ihn sei das eine schwierige Entscheidung, schrieb er bei Twitter, „aber das Gespräch mit dem neuen Aufsichtsrat stimmt mich sehr zuversichtlich für die Zukunft von Hertha BSC!“

Für Brüggemann wäre Steffel der Kandidat, der den Verein befrieden und die Gräben, die in den vergangenen Wochen und Monaten aufgerissen worden sind, wieder zuschütten kann. In den sozialen Medien stößt seine Idee jedoch eher auf Ablehnung als auf Zustimmung.

Bei der Suche nach einem möglichen Konsenskandidaten hat Brüggemann eine Liste mit prominenten Mitgliedern des Klubs durchforstet. Dabei ist er auf Steffels Name gestoßen. Eine persönliche Beziehung habe er zu ihm nicht, erklärt er. Am Wochenende hat er sich erstmals mit Steffel getroffen und sich mit ihm unterhalten. „Ich fänd’s gut, und ich steh voll dahinter“, sagt Brüggemann. Dass es kein Selbstläufer werden wird, das weiß er allerdings auch.

Zur Startseite