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Auch das zweite Spiel in der CHL ging für die Eisbären verloren. Nach dem 1:6 gegen Tappara Tampere unterlagen die Berliner Skelleftea AIK mit 3:5. Foto: imago images/Eibner
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Mit Vorbereitung im Wettbewerb kommt man nicht weit Warum deutsche Teams beim CHL-Start enttäuscht haben

Nicht nur die Eisbären haben zum Start der Champions League Probleme. Woran es liegt, dass die deutschen Klubs in den ersten Spielen oft hinterherlaufen.

Am Montagmorgen hatten die Eisbären eine erfreuliche Kunde parat. Jetzt ist amtlich, dass 6450 Zuschauende bei den Heimspielen des Berliner Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in die Arena am Ostbahnhof dürfen. Das heißt sogar, dass nicht nur die Dauerkartenbesitzer:innen die Spiele sehen werden, sondern auch sogar noch um die rund 2000 Menschen mehr.

Für Spiele in der Champions Hockey League (CHL) gilt diese unter dem Signet „bis auf Weiteres“ laufende Erlaubnis wohl auch. Allerdings haben die Eisbären da nach Stand der Dinge nur noch ein Heimspiel und zwar am 5. Oktober – und wer weiß, was dann überhaupt noch erlaubt ist. Die Entwicklung des ansteigenden Zahlen was das Corona-Infektionsgeschehens betrifft, machen eine Vorhersage derzeit schwierig.

Andere Zahlen lassen sich da leichter interpretieren. Das ist das Schöne oder aus Sicht der Eisbären in diesem Fall auch Traurige am Sport: Nach zwei Heimspielen in der CHL, vor jeweils 2000 Zuschauenden, hat sich das Thema Europapokal für den Deutschen Meister womöglich schon erledigt, die K.o.-Runde wird nach dem letzten Gruppenspiel der Berliner gegen Lugano vermutlich ohne die Eisbären stattfinden.

Ein 1:6 gegen Tappara Tampere am Freitag und ein 3:5 gegen Skelleftea AIK am Sonntag haben die Chancen der Berliner geschmälert, mit diesen Gegnern können sie eben noch nicht mithalten. Was, wie Peter John Lee, ihr langjähriger Manager und Sportdirektor und heutiger Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, auch daran liegt, „dass diese Gegner aus Finnland und Schweden schon viel länger in der Vorbereitung sind als wir. Das konnte man sehen“. Und das sei schon immer so gewesen. „In den Testspielen vor der DEL-Saison haben wir gerade gegen die Schweden früher schon oft blöd ausgesehen.“

Keine gute Champions-League-Ausbeute der deutschen Teams

Wer die Champions League noch als Teil der Vorbereitung begreift, wird sicher nicht weit kommen: Drei Siege und fünf Niederlagen lautete die Gesamtbilanz der vier deutschen Teilnehmer an dem Startwochenende, was sich wenig gut liest, zumal in den zwei Siegen Erfolge gegen ein britisches (Mannheim gewann 5:0 in Cardiff) und ein dänisches Team drin waren (München siegte 5:1 in Vojens).

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Das mit dem von Lee angesprochenen Vorbereitungsvorsprung stimmt – was den Trainingsbeginn betrifft. Aber Skelleftea hatte nur drei Testspiele vor dem CHL-Start (die Eisbären hatten vier) und rutschte dann zum Auftakt der CHL auch böse in der Schweiz in Lugano in der Schweiz aus (1:5). Allerdings spielen auch die Schweizer Teams in der CHL seit Jahren besser mit als die Klubs aus der DEL.

Nun ist es tatsächlich so, dass bei den Klubs der DEL die Fluktuation an Personal vor einer Saison sehr groß ist. Zumindest gibt es da im Regelfall viele Spieler, oft aus dem Ausland, die sich erst mal akklimatisieren müssen. So sagt die Form eines Teams im August noch weniger darüber aus, was in den Monaten danach passieren kann – und über das, was am Saisonende im April passieren kann, schon gar nicht.

Aber es ist eben doch eine Frage der Klasse, die schwedische Liga ist immer noch viel besser aufgestellt als die deutsche Liga. Weil es viel mehr starke einheimische junge Spieler gibt, von denen auch viele aus der Struktur ihres Vereins kommen, das Spielsystem schon verinnerlicht haben und dann mit 18 Jahren oder früher ihre Chance bekommen und die dann unter Druck nützen müssen. Sonst rückt ein Jahr später der nächste 18-Jährige auf ihren Platz.

In Schweden setzen sie eben mehr auf ihre die Qualität einheimischer Spieler, Skelleftea hat vier ausländische Profis im Kader, darunter mit Stefan Loibl und Tom Kühnhackl sogar zwei Deutsche. Bei den Eisbären sind es zehn Spieler, die das Eishockeyspielen nicht in Deutschland gelernt haben, das heißt, Qualität wird halt aus der Ferne geholt.

DEL wird im Ausland auch schon mal als "Beer League" bezeichnet

Wenn nun Serge Aubin wie nach der Niederlage gegen Skelleftea davon sprach, dass seine Mannschaft „zu viele individuelle Fehler gemacht“ habe und dass nun „daran gearbeitet werden muss“, illustriert das natürlich den unterschiedlichen Stand in der Vorbereitung auf die eigene Saison zwischen einem deutschen und einem schwedischen Team.

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Noch hat es die DEL mit ihren Klubs nicht geschafft, in der Champions League ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Von einer Finalteilnahme von RB München im Jahr 2018 mal abgesehen. Dass die Eisbären einst den Vorgänger-Wettbewerb „European Trophy“ gewannen, heißt heute nur international noch wenig.

Mancher Eishockeyexperte in den nordischen Eishockeyhochländern Finnland und Schweden nennt die deutsche Liga immer noch mal naserümpfend eine „Beer League“. Wobei Robert Ohlson, der Trainer von Skelleftea, dies am Sonntag natürlich nicht gemacht hat. „Das Spiel hätte in beide Richtungen gehen können“, sagte Ohlson sogar.

Für die Eisbären geht es nun darum, am Freitag in Tampere und am Sonntag in Skelleftea zu belegen, dass sie als Meister der DEL doch ein wenig mehr können als am zurückliegenden Wochenende gezeigt. Denn ansonsten ist die Aussage, die Serge Aubin vor Beginn der CHL zum Besten gab, wenig wert. „Ich denke, dass die deutschen Teams zuletzt gezeigt haben, dass wir mit jedem mithalten können“, hatte der Trainer der Eisbären vor dem ersten Wochenende der CHL behauptet. Besser wäre es. Will ja keiner, dass ein paar Eishockey-Spaßvögel in Nordeuropa über die DEL ihre „Bierliga“-Witzchen reißen.

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