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Update Medaillen-Tag im Segeln Silber und Bronze für deutsche Teams

Am Dienstag wurde es aus deutscher Sicht gleich in drei Klassen spannend. Das Ergebnis: Einmal Silber, zweimal Bronze.

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Versilberte Chance. Sie starteten auf Rang drei ins entscheidnende Medal Race vor Enoshima, dann schafften es Susann Beucke und Tina Lutz (v. li.) sich sogar noch um eine Medaillenfarbe zu verbessern. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa Vergrößern
Versilberte Chance. Sie starteten auf Rang drei ins entscheidnende Medal Race vor Enoshima, dann schafften es Susann Beucke und Tina Lutz (v. li.) sich sogar noch um eine Medaillenfarbe zu verbessern. © Gregorio Borgia/AP/dpa

Beim Zieldurchgang verloren Tina Lutz und Susann Beucke zum ersten Mal kurz die Orientierung. Sie blickten sich nach der Konkurrenz um, und es war schwer auszumachen, wie viele Plätze sie auf die Spitzenreiter gutgemacht hatten. Irgendjemand muss es den Deutschen dann gesagt haben. Jubel.

In keiner anderen Segeldisziplin waren die Ausgangsbedingungen vor dem letzten entscheidenden Rennen so spannend wie bei den 49er-Frauen. Lutz und Beucke waren auf einem Bronze-Rang in das finale Rennen gestartet, das wegen des fehlenden Windes am Vortag hatte verschoben werden müssen. Etwas früher als gewöhnlich, nämlich mittags Ortszeit, ging es auf die Bahn vor Enoshima, der markanten, mit dem Festland durch einen schmalen Damm verbundenen Felseninsel. Wobei die drei führenden Teams aus den Niederlanden (70 Punkte), Brasilien (70) und Deutschland (73) nur gerade so viel voneinander trennte, dass die beste Crew auch Gold erringen würde.

Aber in einen Dreikampf durfte sich das Führungstrio auch nicht verstricken, da Spanien (77) und Großbritannien (81) das Klassement durch ein gutes Abschneiden gehörig durcheinanderwirbeln konnten. Lutz und Beucke stellte diese Situation vor dasselbe Dilemma wie ihre Teamkameraden Eric Heil und Thomas Plössel in Rio fünf Jahre zuvor. Auch sie wussten als damalige Silber-Aspiranten nicht, ob sie verteidigen oder angreifen sollten – und so vermasselten sie die Chance.

Über Chancen nachzudenken, kann gefährlich sein. Vor allem wenn man alle seine Sinne braucht, um auf etwas so Tückisches wie die sich allmählich sammelnde Nachmittagsbrise zu reagieren. Zweimal hatte das Duo Lutz/Beucke vergeblich um ein Olympiaticket gekämpft, segelt seit 14 Jahren auf Top-Niveau, aber was heißt das schon, wenn man nicht davon leben kann. Und den Triumph wollte es sich jetzt nicht von den deutlich jüngeren Spitzenreitern aus den Niederlanden und auch nicht von Stars wie den Goldmedaillen-Gewinnerinnen Martine Grael und Kahena Kunze aus Brasilien oder der spanischen Weltmeisterin Tamara Echegoyen aus Spanien nehmen lassen.

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Der Start ging glatt. Während die Brasilianerinnen ihr Glück auf der rechten Bahnseite suchten und damit ihren guten Riecher bewiesen, setzten sich Lutz/Beucke auf der anderen Seite in der Führungsgruppe fest. Die erste Bahnmarke sah alle Favoriten weit vorn, an der Medaillenfolge hatte sich zu diesem Zeitpunkt nichts geändert.

Doch am Leetor ließen sich die Niederländerinnen nach Außen drängen und verloren ihre gute Position. Am Ende sollten sie erst auf Rang neun ins Ziel gelangen, womit sie auf den Bronze-Rang zurückfielen. Lutz und Beucke sicherten sich mit einem soliden Rennen und dem fünften Platz die Silbermedaille.

Gleich darauf ging es für Eric Heil und Thomas Plössel im 49er der Herren an den Start. Für sie sah die Aufgabe einfach aus, denn zu verlieren hatten sie nichts.

Starkes Finale. Erik Heil und Thomas Plössel wahrten ihre Medaillen-Chancen, indem sie sich im Medal Race einen Kampf um die Führung mit den Briten boten, die Gold errangen. Foto: REUTERS/Carlos Barria Vergrößern
Starkes Finale. Erik Heil und Thomas Plössel wahrten ihre Medaillen-Chancen, indem sie sich im Medal Race einen Kampf um die Führung mit den Briten boten, die Gold errangen. © REUTERS/Carlos Barria

Als Viertplatzierte lagen sie zehn Punkte hinter einer möglichen Silber und Bronze-Medaille, mussten also mindestens fünf Boote zwischen sich und ihre Trainingspartner aus Spanien Diego Botin und Lago Lopez Marra sowie die punktgleichen Briten Dylan Fletcher und Stuart Bithell lassen – da würde es schon äußerst schlecht für die Konkurrenz laufen müssen, damit dieser Fall eintrat. Zumal auch die Dänen Jonas Warrer und Jakob Precht Jensen ein Wörtchen mitzureden hatten, die ebenfalls mit 66 Punkte auf der Lauer lagen.

Dass die Goldmedaille dem Traumduo Peter Burling und Blair Tuke noch zu entreißen wäre, die zwar auch nur vier Punkte Vorsprung hatten, durfte nicht erwartet werden. Obwohl sie längst nicht mehr so dominant aufgetreten waren, wie man es von ihnen vor ihrer Verteidigung des America’s Cup Anfang dieses Jahres gewohnt war. Nur eines der zwölf Ausscheidungsrennen hatten sie zuvor gewonnen.

Mit einem guten Start fuhren Heil/Plössel in die Spitzengruppe, wobei das Feld sehr eng zusammenblieb. Die erste Luvtonne rundeten sie als Zweite, übernahmen auf der zweiten Kreuz die Führung, aber die Briten blieben stark, hielten auf dem Vorwindkurs dagegen, immerhin ging es für die jetzt um Gold, denn die Neuseeländer lagen nur an dritter Position.

Die Deutschen brauchten einen Patzer ihrer spanischen Freunde, und tatsächlich kamen die als Siebte ins Ziel. Die Briten holten Gold mit einem ersten, hauchdünn erkämpften ersten Platz vor den Deutschen, die nicht mal eine Viertel Bootslänge im Ziel zurücklagen. Trotzdem reichte es abermals für die Bronze-Medaille, die das Duo bereits in Rio gewonnen hatte.

Vorne dabei. Philipp Buhl kam im Laser auf den fünften Rang. Foto: REUTERS Vergrößern
Vorne dabei. Philipp Buhl kam im Laser auf den fünften Rang. © REUTERS

Bereits am Sonntag hatte der deutsche Laser-Weltmeister Philipp Buhl sich mit einem dritten Platz im Medal Race aus Tokio verabschiedet. Sein insgesamt fünfter Rang entspricht nicht den Hoffnungen, die er sich selbst als amtierender Weltmeistere gemacht hatte. Bei seinem Titelgewinn in Australien hatte er den Lokalmatador Matt Waern noch besiegen können, diesmal segelte der Australier in einer Klasse für sich, ging unbedroht als führender ins letzte Rennen. Buhl dagegen hangelte lange an Plätzen im Mittelfeld entlang, vor allem der dritte Renntag war ein Albtraum, der in weit zurückwarf. Erst gegen Ende der Rennserie zahlten sich seine physische Stärke und sein mentales Durchhaltevermögen aus. Mit einem Sieg im zehnten Rennen qualifizierte sich der Sonthofener fürs Medal Race der besten zehn Segler.

Den letzten Auftritt ging er gut an, fuhr bei gutem Speed weit auf die linke Seite raus, verfolgt von Robert Scheidt, dem mehrfachen Medaillengewinner aus Brasilien, der aber nicht mehr an frühere Erfolge anzuknüpfen vermochte. Da zeigte der 32-Jährige sein ganzes Können. Allerdings war das auch bei Waern der Fall, der vom siebten Rang auf die ersten Kreuz bis an die Spitze zu segeln vermochte.

Ebenfalls eine phänomenal gute Rennserie hatten das Mixed Team Paul Kohlhof und Alica Stuhlemmer in der Nacra17-Klasse hingelegt, bevor es am Dienstag um die Medaillen ging. Die Deutschen lagen mit einem komfortablen Vorsprung auf Bronze-Rang, während Ruggero Tita und Caterina Banti aus Italien ihr Gold praktisch sicher hatten, zu stark hatten sich die Weltranglisten-Ersten in Japan präsentiert.

Nach verpatztem Start mussten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer um ihre Medaille fürchten. Erkämpften sich dann aber routiniert Bronze zurück. Foto: REUTERS Vergrößern
Nach verpatztem Start mussten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer um ihre Medaille fürchten. Erkämpften sich dann aber routiniert Bronze zurück. © REUTERS

Dass der 26-jährige Kohlhoff, der in Rio im Mittelfeld gelandet war, nun so weit vorne sein würde, ist durchaus eine Überraschung. Denn selten waren er und seine 20-jährige Vorschoterin zuletzt bei großen Wettkämpfen unter den Top-Ten zu finden gewesen. Nach einer Hirnblutung Ende 2017 brauchte Kohlhoff einige Zeit, um an sein vormaliges Niveau wieder heranzukommen. Nun sind er und seine Powerfrau zum richtigen Zeitpunkt auf der Höhe ihres Könnens.

Die Nacra-Katamarane sind mit Foils bestückt, was sie zu fliegenden Hochgeschwindigkeits-Racern macht. Doch sie können auch wie ein Teppich im Meer treiben. Das erlebten die Deutschen im denkbar ungünstigsten Moment. Am Start. Den vergeigten sie und mussten einen Strafkringel drehen, weil sie sich von ihren Gegnern nicht frei gehalten hatten. So gingen sie als Letzte auf die Strecke.

Das australische Paar Jason Waterhouse und Lisa Darmanin, zu dem der Abstand nur sieben Punkte betrug, lag nach der ersten Kreuz auf Rang vier, hatte den Deutschen die Bronze-Medaille also abgenommen. In dem Bemühen, das Schlusslicht loszuwerden, kämpften sich die Deutschen voran. Auf dem letzten Vorwindkurs holten sie die Australier sogar wieder ein und gingen als achte über die Linie. So holten die beiden die dritte Medaille für Deutschland. Ein Ergebnis, das der Segel-Olympiamannschaft zuletzt in Sidney vor 21 Jahren gelungen ist.

Ein Mann und das Meer. Giles Scott verlängert die Reihe für die Briten mit seinem Gold im Finn. Foto: REUTERS Vergrößern
Ein Mann und das Meer. Giles Scott verlängert die Reihe für die Briten mit seinem Gold im Finn. © REUTERS

Zwischendurch stand die Entscheidung im Finn Dinghy an, das trotz seiner glorreichen Geschichte zum letzten Mal bei Olympia dabei sein wird. Giles Scott hatte die Chance, die seit Jahrzehnten ungebrochene Dominanz der Briten in dieser Klasse noch einmal zu bestätigen, nachdem er selbst in Rio Gold geholt hatte. Sein Vorsprung auf den Welt- und Europameister aus Ungarn Zsombor Berecz betrug immerhin neun Punkte.

Doch ein vermeintlicher Fehlstart des Favoriten katapultierte den Ungar auf einen Goldrang. Scott hatte Mühe, sich wieder an das Feld heranzukämpfen. Nach der ersten Kreuz lag er auf Rang sieben. Und bei der Güte an Qualität unter den zehn Teilnehmern und dem wenigen Wind, würde der geringste Fehler entscheiden. Wenige Meter vor der letzten Tonnenrundung lag Scott an fünfter Position und der Ungar führte. Das würde gerade so reichen. Doch lagen in dem Pulk fünf Boote mehr oder weniger gleichauf, was bei der Umfahrung eines Hindernisses immer zu Tumult führt.

So kam es dann auch, doch Scott nutzte eine Lücke, die sich ihm bot, um den vierten Rang zu ergattern. Damit war er sicher und unendlich erleichtert, wie seine Reaktion zeigte. Bronze holte der Spanier Joan Cardona Mendez.

Damit verabschiedet sich der Finn als eines der traditionsreichsten Boote für schwere, große Segler aus dem olympischen Wettbewerb. Männer wie Scott mit einer Körpergröße von über 1,80 Meter und mehr als 80 Kilo Gewicht wird es nicht mehr geben. Die Regattabahnen bei den Spielen von Paris gehören nun den Leichtgewichten, den Frauen und den Paaren.

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