Tottenhams Jan Vertonghen verletzte sich im Champions-League-Halbfinale am Kopf, wurde von den Ärzten aber zurück auf den Platz geschickt. Foto: Mike Egerton/dpa
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Maßnahmen gegen Kopfverletzungen Der Fußball braucht unabhängige Ärzte

Der DFB will Profifußballer mit verpflichtenden Untersuchungen besser vor Hirnschäden schützen. Das ist richtig, geht aber noch nicht weit genug. Ein Kommentar.

Professionelle Sportler gehören zu den medizinisch am intensivsten betreuten Arbeitnehmern. Vor und während der Saison werden Blut, Organe und Bewegungsapparat begutachtet, jeder Verein hat eigene Mediziner und Physiotherapeuten. Da ist es durchaus verwunderlich, dass regelmäßige Untersuchungen des Gehirns im deutschen Profifußball erst zur kommenden Spielzeit verpflichtend werden, wie die „Bild am Sonntag“ aus einem Brief des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an die Klubs der Ersten und Zweiten Liga berichtet. Dies ist eine richtige Maßnahme, sie geht aber noch nicht weit genug.

Die langfristigen und teilweise sogar tödlichen Schäden durch Kopfverletzungen werden im Fußball immer noch unterschätzt. Im Halbfinale der Champions League kehrte Tottenhams Jan Vertonghen nach einem heftigen Zusammenstoß und kurzer Behandlungspause auf das Spielfeld zurück, nur um wenige Sekunden später vom Rasen zu stolpern und sich zu übergeben. Die Mannschaftsärzte hatten ihm zuvor die Freigabe erteilt. Ähnlich sah es bei Nationalspieler Christoph Kramer im WM-Finale 2014 aus.

Der American Football ist da schon weiter. Nach zahlreichen Studien haben selbst Funktionäre der US-Profiliga NFL einen Zusammenhang zwischen der Sportart und traumabedingten Hirnschäden eingeräumt. Als Folge gilt seit Jahren das sogenannte „Concussion Protocol“. Es sieht vor, dass Spieler beim Verdacht auf eine Kopfverletzung erst nach einer Reihe standardisierter Tests zurück ins Spiel dürfen.

Der entscheidende Unterschied zum Fußball ist, dass die Freigabe in der NFL nicht nur durch die Mediziner des Vereins erfolgen darf, sondern immer auch ein unabhängiger Neurologe Teil des Ärzteteams ist. Das sollte auch im Fußball zur Pflicht werden. Denn langfristige Beeinträchtigungen lassen sich vor allem dann verhindern, wenn Gehirnerschütterungen sofort erkannt werden – und nicht erst mögliche Folgeschäden bei der Routine-Untersuchung vor dem Beginn der nächsten Saison.

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