Hertha BSC testete im Trainingslager unter anderem gegen Dukla Prag. Foto: dpa
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Manager Preetz zieht Fazit Hertha BSC: Ideale Bedingungen - und ein Stimmungsdämpfer

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Das erste Trainingslager ist vorbei. Beim Bundesligisten herrscht weitgehend Zufriedenheit. Allerdings sorgt eine Verletzung für Sorgenfalten.

Dampferfahrten haben bei Hertha BSC eine gewisse Tradition. Jeder Fan kennt die Gründungssaga des heutigen Fußball-Bundesligisten, der seinen Namen am 25. Juli 1892 von einem Fahrgastschiff namens Hertha erhielt; zum großen Jubiläum wurde das gute Stück 2017 schließlich unter regem öffentlichen Interesse zurück nach Berlin verschifft.
Fast auf den Tag genau 126 Jahre später ist diese Tradition nun gewissermaßen fortgesetzt worden, wenngleich in weit weniger staatstragendem Rahmen. Zum Abschluss des ersten von zwei Trainingslagern hat Manager Michael Preetz auf das hauseigene Boot des Mannschaftshotels geladen, in dem Herthas Profis sieben Tage lang residierten. Gut eine Stunde schippert der Dampfer über den Ruppiner See, die Sonne knallt, das Wasser rauscht, Vögel fliegen vorbei, Häppchen werden gereicht – angenehme Bedingungen, um vor der Rückkehr nach Berlin ein wenig grundsätzlicher zu werden und ein erstes Zwischenfazit nach drei Wochen Vorbereitung zu ziehen.
„Schöner als hier geht es eigentlich nicht“, sagt Preetz, „vielleicht sollte man dem Tourismus-Verband mal sagen, dass man das Land gar nicht verlassen muss, wenn man solche Orte findet.“ Herthas Manager und – viel wichtiger – die Berliner Profis haben ihre Zeit im Brandenburger Norden genossen, sofern man das von einem ausgewiesenen Lauftrainingslager behaupten kann. „Wir hatten wirklich ideale Bedingungen“, sagt Preetz. Und auch seine sportliche Bilanz fällt durchweg positiv aus. „Die Mannschaft hat nach einer langen Pause schnell Fahrt aufgenommen und auf einem sehr, sehr hohen Level trainiert, es gab keinen Leistungsabfall.“ Lediglich die schwere Verletzung des mittlerweile an der Lunge operierten Stürmers Davie Selke hat die Stimmung ein wenig getrübt. Auf Herthas Transfertätigkeit in den nächsten Wochen habe Selkes Ausfall allerdings keine Auswirkungen, betont der Manager.

Bewegung auf dem Transfermarkt erwartet

Zumindest im Sturm sieht Preetz die Mannschaft konkurrenzfähig aufgestellt. Für andere Positionen gilt das nur bedingt. Obwohl Ondrej Duda, in den vergangenen beiden Jahren eines der Sorgenkinder von Trainer Pal Dardai, in Neuruppin einen sehr guten und fleißigen Eindruck hinterlassen hat, fahnden die Entscheidungsträger weiterhin nach einem torgefährlichen, perspektivisch wertvollen Mittelfeldspieler; Fabian Lustenberger und Per Skjelbred gehen bekanntlich in ihr letztes Vertragsjahr, ihre Zukunft ist noch nicht abschließend geklärt. „Erfahrungsgemäß ist es so, dass nach Großereignissen wie einer Fußball-WM richtig Bewegung auf dem Transfermarkt ist“, sagt Preetz. „Wir begleiten dieses Treiben und werden sicher auch zum Abschluss kommen, wenn wir die für uns richtige Personalie herausgearbeitet haben.“
Auf der anderen, der abgebenden Seite könnte in den nächsten Tagen und Wochen ebenso viel Bewegung reinkommen. Nach Marvin Plattenhardts Auftritt bei der Weltmeisterschaft in Russland gilt es als einigermaßen wahrscheinlich, dass Angebote für den Linksverteidiger eingehen werden. „Marvin hat durch seine Nominierung für die Nationalmannschaft eine andere Bühne betreten und Aufmerksamkeit auf sich gezogen“, sagt Preetz. Wie der Verein damit umgeht? „So wie immer in den letzten Jahren“, antwortet der Manager. „Wenn es seitens des Spielers den Wunsch nach Veränderung gibt und es für alle Seiten passt, werden wir uns mit der Personalie beschäftigen – und wenn nicht, dann eben nicht.“
Preetz“ Gelassenheit hängt nicht zuletzt mit dem großen Pool talentierter Jungprofis zusammen, die es aus der Nachwuchsakademie in den (erweiterten) Profikader geschafft haben; nach Neuruppin reiste Dardai mit insgesamt 33 Spielern, so vielen wie nie zuvor unter seiner Verantwortung. In Maximilian Mittelstädt etwa stünde ein potenzieller Plattenhardt-Ersatz in der Warteschlange. Überhaupt ist Mittelstädt ein Sinnbild für den Kurs, den der Verein eingeschlagen hat und fortzusetzen gedenkt. Hertha war für viele Spieler ein Art Sprungbrett, nicht unbedingt zu einem anderen Verein, sondern um sich als Bundesligaspieler zu etablieren. „Talente fördern und Stammspieler fordern“, sagt Preetz, „das soll auch die Überschrift für die kommende Saison werden.“ Eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung dieses Plans spielt weiterhin die von Ante Covic trainierte U23, sie fungiert gewissermaßen als Auffangbecken für die sechs Spieler, die Dardai nach dem ersten Trainingslager temporär aussortiert hat: Maximilian Pronitschew, Florian Krebs, Nikos Zografakis, Maurice Covic, Florian Baak und Sinan Kurt.

"Die Jungs sind alle ungeduldig"

„Die Jungs sind natürlich alle ungeduldig und wollen alle morgen Profis werden“, sagt Preetz. Trotzdem rät er ihnen zu Geduld: „Die Chance für den einzelnen Spieler, am Ende bei den Profis zu landen, ist in Berlin deutlich größer als bei vielen anderen Klubs.“ Mittlerweile bemerke er immer wieder, dass sich diese Erkenntnis weit über die Berliner Stadtgrenzen herumgesprochen habe. „Wir kommen langsam in die Situation, dass wir auswählen können, wen wir haben wollen und wen nicht“, sagt Preetz, „daran wäre vor ein paar Jahren nicht zu denken gewesen.“

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