Hertha und der Trainer Jürgen Klinsmann - diese Verbindung hielt nicht lange. Foto: Soeren Stache/dpa
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Machtkampf bei Hertha BSC Wer Jürgen Klinsmann kennt, weiß, worauf er sich einlässt

Jürgen Klinsmann hat die Widerstände bei Hertha unterschätzt. Doch auch der Klub hat einige katastrophale Fehleinschätzungen begangen. Ein Kommentar.

Wer Jürgen Klinsmanns Weg kennt, musste wissen, worauf er sich einlässt. Kaum installiert, begannen die Diskussionen über ihn, wurde gebremst, er der Unvernunft bezichtigt. Tatsache ist: Klinsmann ist Premier League, so versteht er sich, das ist sein Maßstab. Und sie arbeiteten halt bei Hertha nicht alle im gleichen Tempo, nicht im gleichen Sichtfeld. Obwohl von Anfang an klar war, dass genau das notwendig sein würde: Einigkeit und ein gemeinsames Verständnis davon, wie das Ziel „Big City Club“ zu erreichen sein würde. Oder war das gar nie das Ziel?

Klinsmann rauschte – ja, in der ihm eigenen, sehr forschen Art – durch den Verein und wollte alles auf den Kopf stellen. Er wollte Vertrauen für seinen Weg und hat es nicht bekommen. Jetzt zeigt sich, dass die Hürden höher und die Widerstände größer waren, als von ihm erwartet.

Obwohl sie durchaus erwartbar waren, wie Klinsmann aus eigener Anschauung hätte wissen können. Wer deutsche Klubs kennt, dazu die Hertha und ihre Geschichte, weiß das. Undementiert sagt er zum Abschied: „Ich hatte ja nicht einmal eine schriftliche Vertrags-Vereinbarung für diese Saison. Das zog sich seit zehn Wochen hin.“ Da zeigt sich die Diskrepanz. Man kam nicht zusammen. So oder so nicht.

Der Machtkampf ist ernst - und der Abstiegskampf droht

Der Trainer-Projektleiter hatte einen mündlichen Vertrag, er wollte aber einen schriftlichen. Nicht unbillig, das Ansinnen. Immerhin geht es um viel Geld, dazu Rechte, Pflichten, Zuständigkeiten. Klinsmann wollte gleich noch länger abschließen – Hertha aber wollte, dass er erst einmal sportlich liefert. Der Ton wurde rau. Da hätte Preetz Klinsmann bei einer weiteren Niederlage ja auch noch entlassen können. Was für eine Demütigung wäre das gewesen.

Der Arbeitsnachweis von Hertha für diese Saison: einige katastrophale Fehleinschätzungen. Die Kaderzusammenstellung, die Ernennung Ante Covics und jetzt (je nach Sichtweise) entweder die Bestellung oder das Rausekeln Klinsmanns.

Und nun? Nichts ist ausgeschlossen. Auch eine Restauration nicht. Zsolt Petry ist schon zurück. Und vielleicht wird noch ein alter Trainer recycelt. Vielleicht Markus Babbel, gerade bei Sydney Wanderers gegangen? Nein, der war zwar eine von Preetz' Trainer-Entdeckungen, aber das kommt dann doch nicht infrage.

Klinsmann sitzt – bisher jedenfalls noch – im Aufsichtsrat, er kann sich also weiter äußern. Ernst ist der Machtkampf, wie auch die Notwendigkeit einer klaren gemeinsamen Linie. Sonst wird Hertha Abstiegskandidat. Paderborn holt gerade viele Punkte.

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