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Obenauf. Bei einem Sieg am Samstag im Spitzenspiel gegen Waiblingen können die Spreefüxxe um Lynn Molenaar mit dem Tabellenführer gleichziehen. Foto: Uwe Koch/Imago
© Uwe Koch/Imago

Lynn Molenaar glänzt bei den Spreefüxxen Aufstiegskampf statt Power Point

Die niederländische Handballerin verpasste die vergangene Saison mit einem Kreuzbandriss und widmete sich ihrem Studium. Nun will sie in die Bundesliga.

Lynn Molenaar freut sich ungemein auf das bevorstehende Spiel am Wochenende. Nachdem die Handballerin knapp ein Jahr aufgrund eines Kreuzbandrisses aussetzen musste, feierte sie in diesem Jahr endlich ihr Comeback bei den Spreefüxxen. Wobei Comeback nicht ganz das richtige Wort ist, denn ihr erstes offizielles Spiel bestritt die Niederländerin erst mit Saisonbeginn Anfang September – und genießt seitdem jedes Training und jedes Spiel umso mehr.

„Es ist wahnsinnig schön, endlich hier spielen zu können“, sagt die 23-Jährige. Als Molenaar im Sommer 2020 vom norwegischen Erstligisten Molde HK nach Berlin wechselte, durchkreuzte nicht nur die Corona-Pandemie ihre Pläne bei den Spreefüxxen, sondern gleichermaßen ein gerissenes Kreuzband. „Das war natürlich sehr hart. Ich bin hierhergekommen, um Handball zu spielen. Und dann ging das nicht und ich wusste nicht so richtig, etwas mit mir anzufangen“, blickt die Rückraum-Spielerin zurück.

Letztlich teilte sie die ungewohnt zahlreiche freie Zeit zwischen Berlin und ihrer Heimat auf. Sie lernte die Stadt kennen, traf sich mit Freunden und Familie und versuchte viele Freiräume abseits ihrer Rehabilitation zu schaffen, um den Kopf frei zu bekommen und nicht stetig an den Sport denken zu müssen. Dabei half auch ihr Fernstudium der Fächer Kommunikation und Mediendesign, dem sich Molenaar mehr denn je widmen konnte. „Mehr als gewollt“, merkt sie heute an, denn natürlich hätte die Handballerin wesentlich lieber den Ball in der Hand gehabt und aufs Tor geworfen, als hinter dem Rechner Power Point Präsentationen und ähnliches zu verinnerlichen.

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„Ich wusste, dass es schwer wird, aber nicht, dass es so schwer wird. Dieser Moment, wenn man realisiert, dass man nicht das tun kann, was man liebt und das auch noch eine Weile so weiter geht, ist sehr hart“, sagt die junge Sportlerin. Doch Molenaar kämpfte sich Stück für Stück zurück und feierte nach 329 Tagen ihre Rückkehr auf das Handballfeld.

Von daher ist diese Saison für sie in gewisser Hinsicht genauso wie für die drei ebenfalls aus den Niederlanden stammenden Verpflichtungen Lisa Vlug, Iva van der Linden und Djazzmin Trabelsi ein Neuanfang bei den Spreefüxxen, wenngleich Molenaar natürlich einen Vorteil bezüglich des Wissens um das Team und die Stadt hat. „Aber die drei finden sich gut ein. Es ist auch schön, wieder etwas mehr Niederländisch sprechen zu können. Manchmal bin ich nach Hause gefahren und wusste schon gar nicht mehr richtig, wie ich reden soll“, scherzt Molenaar, die sich mit Trabelsi und der fünften Niederländerin im Team, Bo Dekker, eine Wohnung teilt, während Vlug und van der Linden zusammen in einer WG wohnen.

Am Samstag spielen die Spreefüxxe im Spitzenspiel gegen Tabellenführer Waiblingen

Da ist es nur verständlich, dass die Oranje-Connection nicht nur auf dem Spielfeld gut gepflegt wird und darüber hinaus schon einmal auf E-Scootern zusammen die Stadt erkundet wird. Mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf dem Plan, aber ebenso dem Weg zur Halle und anderen notwendigen Adressen für die Teamkolleginnen. „Als ich hier ankam, war alles zu. Umso schöner ist es jetzt, das wirkliche Berlin zu erleben“, sagt Molenaar, die nach ihren zwei Jahren am Nordufer des Molde-Fjords, in einer Stadt mit nur knapp 32 000 Einwohnern, schnell in Berlin heimisch geworden ist.

Sportlich findet sich Molenaar ebenfalls immer besser zurecht. Nach langsamem Herantasten zu Beginn der Saison konnte die Rechtshänderin in den letzten drei Spielen 22 Tore beisteuern – und wenn es nach ihr geht, dürfte es gerne so weiter gehen. Besonders, da die Spreefüxxe an diesem Samstag den Tabellenführer aus Waiblingen in der Sömmeringhalle (19.30 Uhr) empfangen.

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„Das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns. Waiblingen hat bisher einen guten Lauf und noch nicht verloren. Aber wir sind genauso gut drauf und wenn wir unsere Stärken umsetzen, werden wir auch gewinnen“, sagt Molenaar und meint mit Stärken vor allem ein temporeiches Spiel. Aus einer aufmerksamen Abwehr heraus wollen die Berlinerinnen ins Gegenstoßspiel kommen und über die Flügel punkten, aber genauso die schnelle Mitte forcieren.

Und da liegt auch die Stärke von Lynn Molenaar. Schließlich ist es eine Philosophie, die sie aus Skandinavien bestens kennt und mit der sie ihre Trainerin Susann Müller überzeugen konnte. „Ich glaube, wir machen da momentan viele Fortschritte“, sagt die 1,76 Meter große Schützin. Ein Plus sei dabei das aktuell gesteigerte Selbstvertrauen der Spielerinnen. Mit nur einer Niederlage stehen die Spreefüxxe momentan auf Platz zwei in der Zweitliga-Tabelle und konnten die vergangenen drei Liga-Spiele siegreich gestalten. Ein Ausrufezeichen war dabei die letzte Begegnung beim TV Aldekerk 07, die mit 39:24 gewonnen wurde. „Das hat uns noch einmal extrem gepusht“, sagt Molenaar.

Das Team sei im Vergleich zur vergangen Saison reifer geworden und individuell gestärkt. „Jeder glaubt noch etwas mehr an sich. Wir haben das Selbstbewusstsein zu sagen, dass wir erfolgreich sein können, und haben darüber hinaus einfach Spaß beim Spielen“, sagt sie. Und diesen Spaß will Lynn Molenaar mit den Spreefüxxen am Wochenende wieder aufs Parkett bringen – wenn möglich mit zwei Punkten für ihr Team.

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