Jürgen Klopp und Thomas Tuchel im April 2016. Foto: Bernd Thissen/dpa
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Liverpool gegen PSG Klopp gegen Tuchel: Nichts zu sagen, viel zu verlieren

In der Champions League treffen der FC Liverpool und Paris Saint-Germain aufeinander. Vor dem Spiel gehören die Schlagzeilen Klopp. Eine Kolumne

Jürgen Klopp hat schon ein Auge für das, was da südlich des Ärmelkanals passiert. Auf die Arbeit des Kollegen Thomas Tuchel. Die beiden kennen sich lange genug und sind einander nicht in herzlicher Zuneigung verbunden. Der Fußballlehrer Tuchel hat den Fußballlehrer Klopp in Mainz beerbt und auch bei Borussia Dortmund. Keine leichte Aufgabe, denn der emotionale Klopp hat noch überall ein von Abschiedsschmerz gezeichnetes Publikum hinterlassen. Der von sich selbst sehr angetane Tuchel mag nichts so wenig wie den Vergleich mit Kollegen, so er denn ungünstig für ihn ausfällt.

Am Dienstagabend treffen sich die beiden zum ersten Mal in der Champions League. Thomas Tuchel gastiert mit Paris Saint-Germain bei Jürgen Klopps FC Liverpool. Neureicher Emporkömmling besucht alten Fußball-Adel. Vor dem Duell an der Anfield Road hat Klopp gar nicht so dezent darauf verwiesen, „dass wir in den beiden härtesten Wettbewerben der Welt spielen“, in Premier und Champions League. Für PSG hält sich die Belastung im Alltag der international zweitklassigen Ligue 1 in Grenzen. Während Liverpool sich am Wochenende zu einem 2:1-Sieg im Spitzenspiel bei Tottenham Hotspur mühte, spazierten die Pariser zu einem 4:0 gegen AS Saint-Etienne. Und das ohne die Weltstars Neymar und Kylian Mbappé, wie Klopp spitz anmerkte, „PSG kann seine Spieler in der Liga offensichtlich schonen“. Klingt gut, stimmt aber nicht ganz. Der Brasilianer Neymar durfte sich ein wenig ausruhen. Der Franzose Mbappé fehlte wegen einer Sperre, die er für eine Tätlichkeit aus dem Spiel vor zwei Wochen in Nimes absitzen muss.

Klopp und Tuchel halten sich zurück mit Statements über den jeweils anderen. Da gebe es nichts zu sagen, alles schon mal dagewesen, zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Auch auf der internationalen Bühne, damals allerdings auf der längst nicht so hell ausgeleuchteten der Europa League. Im Frühjahr 2016 führte das Los im Viertelfinale den FC Liverpool und Borussia Dortmund zusammen. Das war ein Jahr, nachdem Klopp in Dortmund seinen Abschied bekannt gegeben und ein halbes Jahr nach dem Ruf aus Liverpool, dem er nicht widerstehen mochte.

Die Schlagzeilen gehörten mal wieder Klopp

Auf einmal schien es niemanden mehr zu interessieren, wie schnell Tuchel den Dortmunder Stil modernisiert hatte, weg von der Reduktion auf hohes Gegenpressing und hin zum mehrfachen Wechsel der taktischen Ausrichtung innerhalb eines Spiels. Nach der Auslosung ging es nur noch um den Rahmen der Feierlichkeiten zur Begrüßung des verlorenen Hasardeurs von der Seitenlinie. Darum, ob die Fans beider Klubs vor dem Anpfiff gemeinsam „You'll never walk alone“ singen würden. Und kaum noch um Fußball. Vergeblich wies Tuchel darauf hin, es sei für ihn nicht neu, „Jürgen bei seinem alten Klub zu empfangen. Es ist schon das sechste Mal, wir haben darin Routine.“ Die Schlagzeilen gehörten mal wieder Klopp und seiner schönen Antwort auf die Frage, wie schwer ihm die Rückkehr falle: „Es ist besser, hier zu sein als in Nordkorea.“

Das Spiel im Westfalenstadion endete dann auch eher unbefriedigend für den BVB mit einem 1:1. Tuchel kritisierte seine Mannschaft als „zu verkrampft, zu verbissen“. Ob denn der Hype über Klopps Rückkehr seine Spieler gehemmt habe? „Kann schon sein.“

Noch unangenehmer wurde es für Tuchel und seine Mannschaft beim Rückspiel an der Anfield Road. 3:1 führten die Dortmunder schon und mussten sich in der Nachspielzeit noch 3:4 geschlagen geben. Jürgen Klopp hüpfte mal wieder wie vom Wahnsinn getrieben über den Rasen und herzte jeden, der sich ihm in den Weg stellte. Thomas Tuchel sprach von der großen Leere, die er empfinde, mitten in diesem überfüllten Fußballstadion. Die Begeisterung hatte über die Taktik triumphiert, die spielerisch schwächere Mannschaft die bessere besiegt. Etwas Schlimmeres kann sich der Perfektionist Tuchel kaum vorstellen. Am Dienstag Abend kommt er mit PSG zu einer Revanche, die außer ihm kein anderer Pariser so empfinden dürfte.

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