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Kai Häfner fand gegen Frankreich immer wieder seine Lücken Foto: dpa
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Letztes Spiel vor der EM Generalprobe geglückt – deutsche Handballer besiegen Olympiasieger Frankreich

Im letzten Testspiel vor der am Donnerstag beginnenden Europameisterschaft gewinnt Deutschland mit 35:34 gegen Frankreich.

Hier ein Schubser von der Seite, dort ein Schlag ins Gesicht – Kai Häfner musste ganz schön einstecken. Gestört hat es Rückraumspieler wenig. Wieder und wieder kämpfte sich der Melsunger zum Tor durch, leistete mit seinen acht Toren einen wichtigen Beitrag zum 35:34(14:18)-Sieg der deutschen Handball-Nationalmannschaft am Sonntagabend gegen Frankreich.

Dass es gegen den Olympiasieger und Rekord-Weltmeister kein Spaziergang werden würde, war Häfner und Co. schon vor Anpfiff bewusst gewesen. Doch dafür schlug sich die DHB-Auswahl mehr als gut. Gegen die durch Verletzungen und Corona-Infektionen geschwächten Franzosen konnte die Partie bis zur 20. Minute ausgeglichen gestaltet werden, dann aber zeigte das immer noch hochkarätig besetze Team von Guillaume Gille seine individuelle Klasse und zog bis zur Halbzeit auf vier Tore davon.

Nicht zuletzt, weil das deutsche Spiel durch den Ausfall von Mittelmann Philipp Weber einen Bruch erlitt, nachdem dieser mit einer Schulterblessur ausgewechselt werden musste. Trotzdem wurde deutlich, welche Fortschritte die DHB-Auswahl in den wenigen Tagen der Vorbereitung gemacht hatte. Anders als noch im Test gegen die Schweiz, der am Freitag mit 30:26 gewonnen werden konnte, war das Angriffsspiel flüssiger und breiter angelegt. 

Gleichermaßen gab es jedoch erneut Phasen, in denen der Ball zu leicht hergegeben wurde, sei es durch Passfehler oder vorschnelle Abschlüsse. Für die Franzosen war das eine willkommene Einladung, vor allem, da die Deutschen den Rückzug teils verschleppten und so einfache Gegentore hinnehmen mussten. Eine andere Schwäche zeichnete sich in der Defensive ab. Erwartungsgemäß fehlte es hier noch an der Feinabstimmung, wobei allerdings im Zentrum zu viele Räume geboten wurden. Um wie von Bundestrainer Alfred Gislason gefordert, das Tempospiel zu forcieren und dadurch den teils schwerfällige Positionsangriff auszugleichen, benötigt es hier eine weitere Steigerung vor der am Donnerstag beginnenden Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei.

Häfner macht den Unterschied

Mit einem starken Andreas Wolff im Tor aber eben auch einem durchschlagenden Kai Häfner konnten die Männer mit dem Adler auf der Brust das Spiel in der zweiten Halbzeit indes drehen. Nach dem Ausfall von Weber, der an dem Abend nicht mehr eingreifen konnte, nahm Häfner die Spielführung in die Hand, bestach durch seine Zweikampfqualitäten und war von der gegnerischen Abwehr kaum regelkonform zu halten. Er war es auch, der in der 45. Minute den Ausgleich erzielte, bevor sein Teamkollege Julius Kühn das 27:26 markierte und die Mannschaft erstmals in Führung brachte. Eine Führung die trotz vieler Wechsel – aber genauso dank einiger Nachlässigkeiten auf französischer Seite – bis zum Abpfiff erhalten bleiben sollte. Von einem Team, dessen Großteil des Kaders die internationale Erfahrung fehlt und das in der aktuellen Konstellation nur wenig Zeit verbracht hat, hatte das kaum jemand erwartet.

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Teamgeist. Die junge deutsche Mannschaft setzt vor allem auf den Gemeinschaftssinn Foto: dpa Vergrößern
Teamgeist. Die junge deutsche Mannschaft setzt vor allem auf den Gemeinschaftssinn © dpa

„Man hat gesehen, dass wir den Kampf annehmen müssen, sonst haben wir keine Chance“, sagte Kai Häfner nach Spielende. „Wir müssen alles auf die Platte legen, was wir haben.“Im Turnier werden die kleinen Fehler sicherlich härter bestraft als an diesem Testspielabend. Betrachtet man die Entwicklung der Mannschaft, wird es allerdings interessant zu sehen sein, wie der Weg bei der Europameisterschaft weiter geht.

„Wir sind unberechenbar. Da ist alles möglich“, hatte Torhüter Till Klimpke bereits nach dem Testspiel-Erfolg gegen die Schweiz am Freitag verlauten lassen. Ein Statement, dass von seinem Mannschaftskollegen Timo Kastening zwar bestätigt aber gleichermaßen in seine Relationen eingeordnet wurde. „Ja, natürlich ist alles möglich. Das heißt aber auch, dass wir schon in der Vorrunde rausfliegen können“, sagte der Rechtsaußen. „Deswegen sollten wir auf dem Boden bleiben, die Vorrunde ernst nehmen und dann können wir weiter schauen.“

Mit großen Zielsetzungen hält sich die Auswahl in diesem Jahr zurück. Dahingehend waren die zuletzt enttäuschende Ergebnisse zu lehrreich, ist der personelle Umbruch im Team zu vehement. Mit Andreas Wolff, Julius Kühn, Simon Ernst und Kai Häfner sind nur vier Akteure aus dem Europameisterkader von 2016 aktuell aktiv und genau sie werden es wohl sein, auf die es im Laufe der EM ankommen wird, um Führungsrollen auszufüllen. Damals gelang es mit einem ebenfalls sehr frisch zusammengestellten Team über Kampfgeist und Gemeinschaftssinn individuelle Makel auszumerzen und den Titel zu gewinnen. 

Doch ein solches Auskommen ist weit entfernt. Zunächst richtet sich der Fokus auf die Vorrundenspiele in Bratislava, wo die Nationalmannschaft auf Belarus (14.1.), Österreich (16.1.) und Polen (18.1.) trifft und mindestens Gruppenzweiter werden muss, um die Hauptrunde zu erreichen. Genügend Selbstbewusstsein dürfte das Team dafür in den vergangenen Tagen haben. Der Rest wird sich zeigen.

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