Lena Goeßling, 33, vom VfL Wolfsburg hat 104 Länderspiele bestritten. Foto: dpa
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Lena Goeßling im Interview "Deutschlands Fans sind ja immer ein bisschen Eventfans"

Fußball-Nationalspielerin Lena Goeßling über das Vorbild Handball, die anstehende WM und die neue Bundestrainerin.

Frau Goeßling, zur Zeit bereiten Sie sich mit der Nationalmannschaft auf die WM in Frankreich vor. Bundespräsident Frank- Walter Steinmeier hat Sie im Trainingslager besucht. Was hat er Ihnen mitgegeben?

Er hat uns viel Glück gewünscht, uns gebeten, dass wir weit kommen und Deutschland gut repräsentieren. Es war für uns eine große Ehre. Steinmeier hat einen mega sympathischen Eindruck gemacht und war sehr offen. Wir haben uns ein bisschen ausgetauscht darüber, wie sein Leben und wie unser Leben ist. Es war schon sehr interessant, wie viel er reist.

Wie nehmen Sie die WM-Stimmung in Deutschland wahr?

Für den letzten Test gegen Chile in Regensburg haben wir knapp 10 000 Karten verkauft, das ist schon mal ein gutes Zeichen. Den Leuten ist bewusst, dass es zur WM geht.

Was braucht es, damit eine Euphorie um Ihr Team entsteht?

Je weiter man kommt, desto mehr Aufmerksamkeit hat man. Deutschlands Fans sind ja immer ein bisschen Eventfans. Das sieht man auch bei den Handballern. In der Liga ist die Aufmerksamkeit bei denen auch nicht so groß, aber bei einem Turnier ist auf einmal die ganze Nation handballverrückt.

Sie haben schon an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen, sind aber 2011 im Viertelfinale und 2015 im Halbfinale ausgeschieden. Was gibt Ihnen Zuversicht, dass es dieses Mal anders wird?

Bei uns ist eine Entwicklung zu sehen. Wir sind eine junge Mannschaft und haben trotzdem Erfahrung. Wir können mit Leichtigkeit ins Turnier gehen, weil drumherum viel neu ist. Das könnte uns beflügeln. In so einem Turnier muss aber alles zusammenpassen. Und man braucht das Quäntchen Glück.

Die Männer-Nationalmannschaft ist 2018 schon in der Vorrunde ausgeschieden. Haben Sie Angst, dass es Ihnen ähnlich geht?

Nein, wenn wir mit dieser Angst zur WM fahren, werden wir früh ausscheiden. Wir müssen selbstbewusst ins Turnier gehen.

Das Ziel ist also mindestens …

Halbfinale.

Was hat sich seit Ihrem Debüt im Jahr 2008 verändert?

Vor allem hat sich das Trainerteam immer wieder verändert. Jedes Team bringt eine neue Philosophie dazu, neue Spielsysteme.

Mit der ehemaligen Bundestrainerin Steffi Jones und Ihnen passte es nicht. Sie wurden aussortiert, es gab einen öffentlichen Konflikt. Jetzt sind Sie wieder regelmäßig dabei. Was macht die neue Trainerin Martina Voss-Tecklenburg anders?

Sie hat wahnsinnig viel Erfahrung, denn sie ist ja schon lange im Trainergeschäft. Man merkt, dass sie eine klare Struktur und eine klare Vorstellung hat. Sie hat sich ein gutes Trainerteam zusammengestellt, das läuft auf ganz, ganz hohem Niveau.

Sie sind 33 Jahre alt. Ist das Ihr letztes großes Turnier?

Kann sein – muss nicht sein. Klar, ich beschäftige mich mit dieser Frage, aber halte es mir noch offen. Es hängt auch davon ab, wie es bei mir persönlich läuft und ob ich Einsatzzeiten bekomme. Das weiß man ja vorher leider nie.

Sie haben noch mit Birgit Prinz zusammengespielt, einer Spielerin, die alle anderen überragte.

Eine Spielerin wie Birgit Prinz gibt es heute nicht mehr. An ihr ging gar nichts vorbei. Jetzt gibt es mehr Spielerinnen auf einem hohen Level, weil viele mit sehr professionellen Bedingungen aufwachsen.

Prinz ist mittlerweile im Betreuerstab und begleitet das Team als Sportpsychologin in der WM-Vorbereitung.

Das ist schön. Sie kann sich in viele Situationen reinversetzen – auch wenn es im Turnier mal nicht laufen sollte. Es ist sehr wichtig, dass man da gut aufgestellt ist. Ein Turnier ist anders als ein Länderspiel.

Im Teamhotel teilen Sie sich ein Zimmer mit Kapitänin Alexandra Popp. Diskutieren Sie abends noch über das Team, oder geben Sie ihr Tipps?

Bis jetzt noch nicht, aber vielleicht kommt das noch. Nach dem Spiel tauschen wir uns schon über Szenen aus, und wenn etwas nicht läuft, sagt man auch mal die Meinung. Mit Poppi habe ich ein gutes Verhältnis, da kann ich auf eine ehrliche Meinung vertrauen.

Bei der Männer-WM hieß es, dass nachts so viel Playstation gezockt wurde, dass das WLan abgestellt werden musste. Kann Ihnen das auch passieren?

Nein, da sind wir diszipliniert genug.

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