Jubelschrei. Thomas Röhler freut sich über EM-Gold. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Leichtathletik-EM Thomas Röhler und Pamela Dutkiewicz verzücken die Fans

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Dass die deutschen Speerwerfer vorne landen würden, war abzusehen. Eine große Show bieten im Olympiastadion aber auch die Hürdenläuferinnen.

Der Fanclub der deutschen Leichtathleten, der bei dieser EM seinen Stammplatz auf dem östlichen Oberrang der Gegentribüne im Berliner Olympiastadion hat, war bestens vorbereitet. Als am Donnerstag kurz vor 20.30 Uhr das Speerwurf-Finale der Männer begann, präsentierten die rund 50 ganz in Neongelb gekleideten Fans eine kleine Choreographie. Jeder hielt ein Blatt mit Zahlen und Buchstaben hoch. Sie ergaben die Namen der drei deutschen Speerwerfer: Johannes Vetter, Thomas Röhler und Andreas Hofmann. Daneben die persönlichen Bestleistungen: 94,44 Meter für Vetter; 93,90 für Röhler und 92,06 für Hofmann. Die unterste Fanclub-Reihe hielt dann den Satz hoch: „Noch Fragen?“

Damit waren die Erwartungen der 39 335 Zuschauer am dritten Wettkampftag zusammengefasst. Die drei deutschen Athleten liegen mit ihren Bestleistungen klar vor der Konkurrenz. In diesem Jahr hat auch weltweit kein anderer weiter geworfen als Vetter, Röhler und Hofmann. Dementsprechend wollte das Publikum eine große Weitenshow mit Medaillen sehen.

Und die Zuschauer bekamen sie. Es gab einen Doppelsieg. Röhler gewann den Wettkampf mit starken 89,47 Meter und holte damit die zweite deutsche Goldmedaille der EM. Zweiter wurde Hofmann mit 87,60 Meter vor dem Esten Magnus Kirt (85,96). Vetter, der Weltjahresbeste mit 92,70 Meter, wurde nur Fünfter (83,27).

Nur wenig später konnten die Fans auch die deutschen Hürdensprinterinnen feiern. In einem spannenden und knappen 100-Meter-Hürdenrennen wurde Pamela Dutkiewicz Zweite (12,72 Sekunden) und Cindy Roleder gewann Bronze (12,77). Geschlagen wurden die beiden Deutschen nur von der Weißrussin Elvira Hermann, die sich vor allem auf den letzten Metern absetzte (12,67). Die dritte deutsche im Finale, Ricarda Lobe, kam auf einen starken fünften Rang (13,00).

Nahe an der Ekstase

Von Silber und Bronze für die Sprinterinnen, und natürlich von Gold und Silber für die deutschen Speerwerfer war das Publikum völlig entzückt – und setzte neben dem Dauerapplaus immer wieder zu lauten Begeisterungsschreien an. Röhler ließ sich davon zu einem speziellen Jubel inspirieren: Er sprang in den Wassergraben.
Der Wettkampf hatte schon mit einer enormen Geräuschkulisse begonnen. Als erster Deutscher trat Vetter an. Er lief an, schleuderte den Speer heraus und hechtete mit einem Bauchklatscher nach vorne. Doch der Speer landete weit vor der 80-Meter-Linie und so machte Vetter ihn ungültig.

Zweite, Dritte, Erste. Die Deutschen Pamela Dutkiewicz (l.) und Cindy Roleder (M.) müssen sich nur Elvira Herman aus Weißrussland geschlagen geben. Foto: Bernd Thissen/dpa
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Dann kam Andreas Hofmann. Seinen Wurf begleitete ein langes „Ooohh“ von den Rängen. Mit 85,61 Meter schob sich der Deutsche Meister auf Platz zwei. Röhler folgte kurz darauf. Er ist eher schnell und geschmeidig, nicht so muskelbepackt wie Vetter und Hofmann.

Der Olympiasieger von 2016 in Rio de Janeiro kam nah an die 90 Meter heran, er hatte aber übertreten und so war der Versuch ungültig. Er und Vetter standen nun etwas unter Druck. Und dem Weltmeister von 2017 in London war dies anzumerken. Auch beim zweiten Versuch schleuderte der 25-Jährige den Speer etwas zu steil hinaus und dieser kam nicht ins Fliegen. Er landete nur bei 82,59 Meter – trotzdem war er Dritter.

Hofmann machte es dann besser und legte einen grandiosen Wurf hin. Das Publikum johlte, als der Speer bei 87,60 Meter in den Boden stach. Damit übernahm er die Führung. Kurz danach schrien die Zuschauer noch lauter und länger. Röhler hatte erneut einen überragenden Wurf gezeigt, und dieses Mal nicht übertreten. Mit 88,02 setzte er sich an die Spitze.

Nahe an die Ekstase geriet das Publikum bei Röhlers drittem Versuch. Die Zuschauer begannen mit einem rauschenden „Ohoho“, das immer länger andauerte und immer schriller wurde. Röhlers Speer flog und flog: auf 89,47 Meter. Jetzt zeigte Röhler seine Muskeln, er schrie seine Freude heraus.

Vetter kam weiter nicht zurecht, auch die Versuche fünf und sechs klappten nicht wie gewünscht. Und so musster er am Ende zuschauen, wie all die anderen im Regen ihre Ehrenrunden drehten: Röhler und Hofmann, und Dutkiewicz und Roleder.

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