Lange herrschte Unklarheit beim Weitsprung-Finale der Leichtathletik-EM in Berlin. Am Ende jubelte Fabian Heinle über Silber. Foto: imago/Andreas Gora
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Leichtathletik-EM in Berlin Messfehler sorgen für Empörung

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Fabian Heinle ist Vize-Europameister im Weitspringen. Auf das endgültige Ergebnis musste der Deutsche allerdings bis in die Nacht warten.

Fabian Heinle ist sich sicher: „Das war der beste Wettkampf meines Lebens.“ Und es passte perfekt, dass dieser Wettkampf das Weitspringen bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin war. Überhaupt war die Konkurrenz am Mittwochabend im Olympiastadion überaus spannend. Heinle führte mit 8,13 Meter sogar zeitweise und wurde nur von dem Griechen Miltiadis Tentoglou geschlagen, der 8,25 Meter sprang. Allerdings war der Wettkampf auch überaus chaotisch – wegen ständiger Fehler bei der Videomessung der Weite und daraus resultierender Proteste der Athleten.

Erst gegen 1.30 Uhr in der Nacht auf Donnerstag hatte Heinle dann die absolute Gewissheit: Die Silbermedaille ist ihm sicher, er ist der zweitbeste Weitspringer Europas. Die offizielle Bestätigung kam so spät, weil die Wettkampf- Jury nach all den Protesten noch lange tagen musste.

Heinle war von den Messfehlern bei seinem vierten Versuch betroffen. Der 24-Jährige war klar hinter der Acht-Meter-Marke gelandet – dachten jedenfalls alle. Doch gemessen wurden nur 7,77 Meter. Sein Trainer riet ihm, Protest einzulegen, später wurde die Weite auf 8,02 Meter korrigiert – aber erst nach dem Wettkampf. Dabei hätte ihm diese Weite einen entscheidenden Vorteil gebracht, denn zu diesem Zeitpunkt lag Heinle gleichauf mit Sergej Nykyforow. Weil der Ukrainer aber als zweitbesten Versuch 8,00 Meter zu stehen hatte, wäre Heinle wieder vorbeigezogen. „Das ärgert mich etwas. Denn eigentlich wollte ich den fünften Versuch auslassen, um mich zu sammeln und im letzten richtig anzugreifen“, sagte Heinle.

Zwar sprang er dann noch einmal exakt 8,13 Meter. „Nach dem Wettkampf wusste ich aber nicht, ob ich Dritter oder Zweiter bin“, schilderte er. Denn der Schwede Thobias Nilsson Montler war ihm im letzten Versuch sehr nahe gekommen, die gemessene Weite passte dazu aber nicht. Auch Montler, der später drei Zentimeter hinter Heinle platziert wurde, und mindestens zwei weitere Weitspringer legten Protest ein. Sie alle beklagten das gleiche Problem. „Es wurde wohl einige Male der Schatten gemessen“, sagte Heinle am Donnerstag. „Es wäre besser, wenn man die Weite zuerst mit einem Stab markieren und dann messen würde.“

So gefasst wie es der Athlet vom VfB Stuttgart aufnahm, reagierten darauf nicht alle beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Präsident Jürgen Kessing sagte: „Solche Fehler sind seltsam und befremdlich. So bleibt ein Nachgeschmack. Vielleicht wäre das gute alte Maßband manchmal besser.“ Und der Sprung-Bundestrainer Uwe Florczak schimpfte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Das Mess-System ist unsäglich für uns, für die Athleten, die Trainer und auch die Zuschauer.“ Zumal diese Fehler auch schon bei Wettkämpfen in Zürich und London passiert waren.

An eine Rückkehr des Maßbandes glaubt Heinle aber nicht: „Das dauert wahrscheinlich zu lange.“ Für eine tiefergehende Fehleranalyse bei der Videomessung wäre er jedoch genau der Richtige. Heinle studiert technische Informatik in Esslingen. „Das wäre ein Thema für meine Bachelorarbeit“, sagt er und lächelt etwas. Große Sprüche klopft er gar nicht, auch nicht im Moment des größten Erfolgs seiner Karriere. „Ich freue mich innerlich und zeige das nicht so arg“, betont Heinle.

Doch mit EM-Silber soll nicht Schluss sein. Als nächstes Ziel hat er sich 8,30 Meter gesetzt. Er will als schneller und leichter Springer weiter an seinem Anlauf arbeiten. Also an Dingen, die er wirklich beeinflussen kann – und sich nicht über Messfehler aufregen.

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