Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Antonio Rüdiger (rechts) bestreitet gegen Holland sein 50. Länderspiel, Thilo Kehrer könnte neben ihm in der Abwehr spielen. Foto: IMAGO / Sven Simon
© IMAGO / Sven Simon

Länderspiel Niederlande - Deutschland Endlich ein Spiel gegen einen Großen

Nach acht Siegen in acht Spielen gegen eher mäßige Gegner steht für Bundestrainer Hansi Flick mit dem Duell gegen Holland nun der erste echte Test an.

Dass Fußball keine Mathematik ist, das hat Karl-Heinz Rummenigge, der frühere Chef des FC Bayern, schon vor Jahren unmissverständlich deutlich gemacht. Geometrie ist Fußball hingegen schon. Vor allem in den Niederlanden, der Heimat von unter anderem Piet Mondrian und Louis van Gaal. Räume schaffen, Verbindungen herstellen, das spielt dort eine ganz andere Rolle als in Deutschland, auch im Fußball.

Als Louis van Gaal, Bondscoach der holländischen Nationalmannschaft und wie Mondrian ein Meister seines Fachs, vorige Woche vor seinen Freunden von der Presse saß, da erklärte er mit Hilfe dreier Colaflaschen seine neuste taktische Erfindung: das umgekehrte Dreieck. So ungefähr müssen sich vor einigen Jahren die Kellner im berühmten Schumann’s in München vorgekommen sein, als sie Zeuge wurden, wie Thomas Tuchel und Pep Guardiola mit Wassergläsern die großen Spiele der Fußball-Weltgeschichte nachstellten.

Das umgekehrte Dreieck mit zwei zentralen Stürmern und einer Schattenspitze dahinter wird an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ARD) aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf die deutsche Nationalmannschaft zukommen. Und mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit dürfte es nicht die einzige Herausforderung in diesem „Derby gegen Holland“ sein, wie Thomas Müller das Testspiel gegen den großen Rivalen aus dem Nachbarland bezeichnet hat.

Acht Spiele haben die Deutschen seit dem frühen EM-Aus im vergangenen Sommer und dem Wechsel auf der Trainerposition bestritten. Alle acht haben sie gewonnen, mit einer rekordverdächtigen Tordifferenz von 33:2. „Die Spiele waren gut für das Selbstvertrauen und damit wir uns finden“, sagt Verteidiger Thilo Kehrer, der als einziger Spieler in allen acht Begegnungen unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick zum Einsatz gekommen ist. „Aber wir wissen, dass es nicht die ganz großen Gegner waren. Holland ist ein großer Gegner.“

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Das war auch am Wochenende zu sehen, als die Elftal mit einem 4:2-Erfolg gegen den EM-Halbfinalisten Dänemark in das WM-Jahr gestartet ist. Vor allem in der ersten Hälfte dominierten die Holländer die Begegnung fast nach Belieben. Die Dänen wurden früh gestresst. Das ist der Plan des neuen Bondscoachs, der das Amt zum inzwischen dritten Mal innehat. „Vollen Druck auf den Ball“ erwarte van Gaal von seinen Spielern, hat Innenverteidiger Matthijs de Ligt erzählt.

Wie die Deutschen, so haben auch die Holländer mit ihrem neuen Trainer ihren EM-Blues inzwischen überwunden. Das direkte Aufeinandertreffen wird nun ein erster echter Test sein: Wie belastbar ist die gute Stimmung wirklich? Für die Deutschen gilt das sogar noch ein bisschen mehr als für die Niederlande, die in der WM-Qualifikation von Norwegen und der Türkei durchaus gefordert wurde.

Anders als die Deutschen. Die Gegner in Flicks bisherigen acht Spielen lagen in der Weltrangliste gemittelt auf Platz 113. Rumänien war als Nummer 42 das nominell stärkste Team, auf das seine Mannschaft getroffen ist. Deutschland ist Elfter, Holland rangiert auf Position zehn. „Es wird bestimmt ein anderes Spiel“, sagt Thilo Kehrer im Rückblick auf den ungefährdeten 2:0-Erfolg am Samstag gegen Israel, als Flick einige Spieler aus der zweiten Reihe spielen ließ. In Amsterdam wird Kapitän Manuel Neuer ins Tor zurückkehren, Antonio Rüdiger spielt ebenso von Anfang an wie vermutlich auch Thomas Müller und Leroy Sané. Joshua Kimmich hingegen fehlt, weil er wieder Vater wird.

Ein Sieg gegen Holland wäre diesmal besonders wichtig

Siege gegen den großen Rivalen sind immer schön, aber im konkreten Fall wäre ein Sieg gegen Holland auch ein Erfolg gegen die „Ja, aber“-Fraktion. Ja, schön und gut, was die Nationalmannschaft seit der EM zustande gebracht hat, aber es waren ja nur Liechtenstein, Israel und Armenien. „Es ist für uns ein Gradmesser“, sagt Flick über das Spiel in Amsterdam. Und bei allem Respekt vor den Niederlanden und Louis van Gaal: „Jeder Sieg gibt noch mehr Vertrauen in die eigene Stärke. Das ist das, was wir auch brauchen.“

Dass es auch um die Verlängerung seines Startrekords geht, um die Fortsetzung der Siegesserie, „das ist schön für die Statistiker“, sagt der Bundestrainer, interessiere ihn selbst aber im Moment recht wenig. Nach Weihnachten könne man darüber vielleicht noch einmal sprechen. „Wenn wir Ende Dezember sagen können, dass wir acht Spiele gewonnen haben, dann könnte ich super gut damit leben.“

Zur Startseite