Sehen die Fans ihn wieder? Sergej Grankin (mit Pokal) liebäugelt mit einem Verbleib in Berlin. Foto: dpa
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Kyle Russell verlässt die BR Volleys Sie spielen nicht für eine Portion Pommes

Die BR Volleys versuchen ihre Meistermannschaft zusammenzuhalten. Das wird allerdings nicht einfach.

Wenn der letzte Ball in einer Volleyball-Saison gespielt ist, dann bricht sich die große Emotion Bahn. Am Sonntag flossen Tränen bei den Spielern auf beiden Seiten des Netzes. Bei den BR Volleys waren es Freudentränen, beim VfB Friedrichshafen Tränen der Trauer. Die Berliner hatten soeben ihren zehnten Meistertitel gewonnen. Sie setzten sich am Bodensee nach einem 2:2-Spielstand mit 16:14 im Tie-Break durch. Knapper geht nicht. Kurz darauf wurde der Friedrichshafener Spieler David Sossenheimer gefragt, was er denn in dem Moment gespürt habe, als Volleys-Angreifer Moritz Reichert das Ass zum Titelgewinn geschlagen habe. Eine Frage wie ein Stich ins Herz. Seine Antwort: „Du spürst, wie in einer Sekunde eine ganze Saison kaputt geht.“

Die Emotion fällt unabhängig der Dramatik des Spielverlaufs auch deshalb so groß aus, weil nach dem Saisonfinale auch gleichzeitig der Umbruch beginnt. Am Sonntag verabschiedete sich nicht nur der Friedrichshafener Trainer Vital Heynen nach drei Jahren beim VfB, auch bei den Volleys wird es in der kommenden Saison Veränderungen geben. So erklärte Kapitän Sebastian Kühner seinen Rücktritt vom Volleyball. „Sechs Meisterschaften in sieben Jahren mit den BR Volleys“, rechnete er vor. „Nicht ganz schlecht, oder?“ Da wollte ihm keiner widersprechen. Kühner war kein Stammspieler, aber doch eine Identifikationsfigur von großem Wert für die Mannschaft von Trainer Cedric Enard. Ähnliches trifft auf Kyle Russell zu. Der Kalifornier spielte zwei Jahre bei den Volleys und war geschätzt von Team und Anhang. Russell ist ein technisch limitierter Volleyballspieler, aber bei den Berlinern hatte er immer wieder bewiesen, dass er das durch seine Mentalität und seine bloße Kraft wettmachen kann. „Ich verlasse die Volleys, aber ich werde bald wieder in diese Stadt zurückkehren“, sagte er.

Das Gesicht der Mannschaft wird sich noch stärker verändern. Libero Nicolas Rossard wird in der nächsten Saison in Frankreich spielen. Gerüchten zufolge soll auch das große Talent Linus Weber zu den Powervolleys nach Mailand wechseln. Sollte dies der Fall sein, ist der nächste große Zoff vorprogrammiert. Die Mailänder werden von Andrea Giani trainiert, der auch Coach der deutschen Nationalmannschaft ist. Und der Italiener hatte schon einmal den Zorn von Volleys-Manager Kaweh Niroomand auf sich gezogen, als er das Berliner Talent Ruben Schott nach Mailand holte. „Ich will mich dazu nicht äußern“, sagte Niroomand dazu am Sonntag, um sich dann dahingehend zu äußern, „dass der Verband schon wissen muss, war er da macht.“

Grankin macht den Volleys Hoffnung auf seinen Verbleib

Personelle Umbrüche wie jene nach dieser Saison kennt Niroomand nur zu gut. Doch die Taktung, mit der er Wechsel vornehmen muss, nimmt zu. „Früher hatten wir über viele Jahre Leistungsträger wie Tomas Kmet, Felix Fischer, Robert Kromm oder Paul Carroll und viele mehr bei uns“, sagt er. „Aber das gibt die Marktlage nicht mehr her.“ Inzwischen ist Niroomand schon froh, wenn er seine Spieler über zwei Spielzeiten hinweg in Berlin halten kann. Das Problem des Klubs ist paradoxerweise, dass er so gut arbeitet. Die Volleys schaffen es trotz eines im Vergleich zu den europäischen Top-Teams geringen Etats von rund zwei Millionen Euro, mit den Besten mitzuhalten. Sie geben auch in der Champions League eine recht gute Figur ab. Das heißt aber auch: Wer bei den Berlinern überzeugt, ist interessant für die wirtschaftlich potenten Klubs aus Russland, Italien, Polen oder sogar Frankreich. Dennoch will Niroomand versuchen, bis auf Rossard seine Stammformation aus dieser Saison zu halten.

Größtes Anliegen des Managers ist dabei, den überragenden Zuspieler Sergej Grankin für eine weitere Spielzeit in Berlin zu überreden. Die beiden Parteien verhandeln. Eigentlich ist der russische Olympiasieger eine Nummer zu groß für die Volleys. Aber Grankin ist Niroomand dankbar, weil dieser heftigst um ihn warb, als sein Klub Dynamo Moskau nicht mehr mit ihm plante. Es geht jetzt ums Geld. „Er ist nicht zum Pommes kaufen hier“, sagte Niroomand dazu am Sonntag, was wohl bedeuten sollte, dass sich der Russe seines Wertes durchaus bewusst ist. Grankin selbst machte den Volleys viel Hoffnung. „Ich denke, dass es klappen wird“, sagte er. Doch als er das sagte, hatte Grankin nicht die erste Bierflasche in der Hand. Es muss also noch ein bisschen gezittert werden um den Ausnahmevolleyballer.

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