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Gutes tun. Prinz Harry gründete 2014 die Invictus Games. Foto: dpa
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Kolumne „Meine Paralympics“ Warum Prinz Harry die Invictus Games gründete

2014 erschuf Prinz Harry die Invictus Games, eine Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten. Sie bedeutet ihm viel, weiß unsere Kolumnistin.

Es gibt einen Tag im Leben, an den denke ich mit einem gewissen Bedauern zurück – obwohl er schon zehn Jahre zurückliegt. Die Paralympics Zeitung erstellten wir damals gemeinsam mit einer Agentur. Einmal funktionierte jedoch etwas nicht. Ich bekam einen Anruf aus der Tagesspiegel-Redaktion: Deine Paralympics Zeitung trifft doch heute Prinz Harry, schreibst Du uns etwas und schickst Bilder? Prinz Harry?

Ich glaubte, mich verhört zu haben und hatte zeitgleich woanders dringende familiäre Verpflichtungen, ließ aber trotzdem alles stehen und liegen. Wir mussten improvisieren. Eine der tollen Jungjournalistinnen, die dem Enkel der Queen unser PZ-Projekt in der britischen Botschaft in Berlin präsentierte, telefonierte mir durch, wie das Date mit Harry war, und ich tippte es runter.

Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten

Zehn Jahre später ist der Londoner nun Wahl-Kanadier und verheirateter Duke of Sussex. Die einen spekulieren, seine Frau Meghan war für ihn nur Vehikel, um endlich den Absprung aus dem Leben bei Hofe zu schaffen, die anderen sehen Harry schon als bald geschiedenen Unglücksraben, der unter dem Pantoffel der amerikanischen Schauspielerin steht. Eines ist bei dem Sohn von Lady Diana aber sicher: Er litt jahrelang unter Depressionen wegen des frühen Verlustes seiner Mutter. Um in einem anderen Bereich aus dem Schrecklichsten das Beste zu machen, hat Henry Charles Albert David die Invictus Games gegründet.

Das ist eine an die paralympische Bewegung angelehnte Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten. Sie wurden 2014 zum ersten Mal in London im Queen Elizabeth Olympic Park ausgetragen. „Invictus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet unbesiegt oder unbezwungen. Schon bei der Premiere waren mehr als 300 Sportlerinnen und Sportler aus 13 Ländern am Start, viele wurden im Afghanistan-Krieg verwundet.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) traf die frühere königliche Hoheit jüngst in London, zur Vorbereitung der Wettkämpfe, die 2022 erstmals in Deutschland ausgetragen werden sollen. „Die Invictus Games sind eine Herzensangelegenheit von Prinz Harry“, sagte die deutsche Ministerin, „sie sind viel mehr als eine Sportveranstaltung.“ Harry ist Schirmherr der Spiele.

An den sechsten Spielen der Unbesiegbaren werden sich rund 500 Soldaten in bis zu 14 Sportarten messen, darunter Leichtathletik, Hallenrudern, Sitzvolleyball, Schwimmen, Rollstuhl-Basketball, Rollstuhl-Rugby und Bogenschießen. Dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) zufolge will sein Bundesland mit der Ausrichtung ein sichtbares Zeichen der Anerkennung für die einsatzversehrten, verletzten oder erkrankten Soldaten setzen.

Invictus Games wurden mit einer Million Pfund unterstützt

Das Motto der Spiele wird „A Home for Respect“ lauten. Die Invictus Games wurden geboren, nachdem Harry mit Athleten mit Behinderungen durch die Arktis gestapft war und als er als Mitglied eines Teams britischer Soldaten an den US Warrior Games in den USA teilnahm. Dank der Unterstützung von Boris Johnson, damals noch Oberbürgermeister von London, dem Organisationskomitee der Olympischen und Paralympischen Spiele in London 2012 und dem britischen Verteidigungsministerium wurden die Invictus Games innerhalb von nur zehn Monaten auf die Beine gestellt.

Das Sportprojekt wurde mit einer Million Pfund aus der Royal Foundation unterstützt, einem Wohltätigkeitsfonds, den Prinz Harry, sein Bruder William und dessen Frau Catherine begründeten. Das britische Finanzministerium steuerte eine weitere Million aus einem Fonds zu, der mit Strafgeldern gegründet worden war. Seitdem hat sich die Welt ordentlich verändert. Die Beziehung zwischen William und Harry scheint nicht mehr so gut zu sein wie einst. Boris Johnson hat als Premierminister des Vereinigten Königreichs jetzt schon den Megxit und den Brexit hinter sich. Und sicher spektakuläre Invictus Games 2022 in Düsseldorf vor sich. Das sollte man nicht verpassen.

Annette Kögel ist Mitbegründerin der Paralympics Zeitung des Tagesspiegels und schreibt ab dieser Woche hier jetzt immer jeden ersten Mittwoch im Monat. Lesen Sie auch die Kolumnen aus dem November und Dezember.

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