Hoch im Kurs: Ademola Lookman könnte der letzte Transfer für RB Leipzig sein. Der hatte sich den Nigerianer im Vorjahr vom FC Everton ausgeliehen. Foto: REUTERS/Thilo Schmuelgen
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Kolumne "Fußball verstehen" Die Logik des Transfermarkts

Christoph Biermann
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Ein Bewertungssystem aus dem Schach hilft Sportdirektoren bei den Transferentscheidungen. Dabei sind die Vereine untereinander nur schwer vergleichbar.

Fußball ist zwar kein Schach, aber gerade im Transfergeschäft könnte das Spiel der Könige hilfreich sein. Seit Anfang der 1960er Jahre gibt es im Schach nämlich den so genannten ELO-Wert, der darüber Auskunft gibt, wie gut die Spieler sind. Um den Wert zu errechnen, werden alle ihre Partien danach eingerechnet, wie stark die jeweiligen Gegner waren und ob sie gewonnen oder verloren haben. Was das mit dem Transfermarkt im Fußball zu tun hat? Bis Freitagabend sind in Deutschland noch Wechsel möglich, und eine der schwierigsten Fragen ist, wie gut ein ausländischer Klub im Vergleich zu einem deutschen ist. Wieviel mögen 15 Tore in der holländischen Ehrendivison in der Bundesliga wert sein, und ist ein solider Verteidiger eines slowakischen Erstligisten das auch in Deutschlands Zweiter Liga? Eine erste Orientierung liefert clubelo.com, denn auf dieser Website werden analog zum Schach die ELO-Werte für 614 europäische Fußballklubs vom FC Barcelona an der Spitze bis zur SP La Fiorita aus San Marino auf dem letzten Platz errechnet.

Auch die Berliner Profiklubs sind erfasst: Hertha auf Platz 88 und Union auf Platz 204. In Herthas Nähe befinden sich etwa der ehemalige Schweizer Serienmeister FC Basel oder Apoel Nikosia, die beide im Europapokal spielen. Auf ähnlichem Niveau wie Union spielen mit Roter Stern Belgrad und Malmö FF ebenfalls zwei Europapokalteilnehmer. Noch viel interessanter ist aber, wer deutlich besser ist. Denn am liebsten würden die meisten Klubs natürlich Stammspieler von besseren Mannschaften als der eigenen verpflichten und das auch noch für weniger Geld.

Das ELO-Ranking zeigt, dass das möglich ist – vor allem in Spanien. Spanische Erstligisten mit bescheidenen wirtschaftlichen Möglichkeiten wie Eibar, Alaves oder Levante liegen 40 Plätze vor Hertha. Spanische Zweitligisten wie Cadiz, Saragossa oder Teneriffa liegen zwischen 60 und 100 Plätze vor Union, ohne annähernd die Wirtschaftskraft der Köpenicker zu haben. Welche der Spieler dieser Klubs es sind, die dort für die sportliche Qualität sorgen und ob sie es sind, die den Berliner Klubs weiterhelfen würden, darüber sagt der ELO-Wert nichts aus. Aber das können die Scouts der Klubs ja vor Ort erkunden, über einen Trip nach Teneriffa würde sich bestimmt auch niemand beschweren.

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