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Rafael Nadal (l.) und Novak Djokovic standen sich 2019 im Finale gegenüber. Der Spanier würde aktuell lieber über Sport sprechen. Foto: Imago
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Kollegen genervt vom Fall Novak Djokovic „Kein Tennisspieler der Geschichte ist wichtiger als das Event“

Kurz vor den Australian Open reagieren viele Tennisprofis zunehmend gereizt, wenn sie auf Novak Djokovic und dessen Einreise-Streit angesprochen werden.

Angelique Kerber äußerte am Freitag einen Wunsch. „Ich hoffe, dass es bald wieder schöne und positive Nachrichten über den Sport gibt.“ Zuvor war die Deutsche wie nahezu alle anderen Tennisspieler, die in diesen Tagen in Australien weilen und sich auf das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres vorbereiten, zur Causa Novak Djokovic befragt worden. „Ich bin selber gespannt, was am Ende daraus wird“, sagte die 33 Jahre alte Kielerin, machte aber klar: „Regeln sind Regeln, die für alle gelten, egal ob man Nummer eins ist oder Qualifikant.“

Die ganze Welt hat in den vergangenen Tagen verfolgt, wie die australische Regierung mit dem Fall des ungeimpften Tennisstars in ihrem Land umgeht und wie der serbische Ausnahmespieler sich gegen eine drohende Ausweisung wehrt. In der Nacht zu Sonntag steht für ihn die entscheidende Anhörung vor einem australischen Bundesgericht an, danach sollte es endlich Klarheit darüber geben, ob die Australian Open am Montag mit ihrem Titelverteidiger beginnen können oder Djokovic abgeschoben wird.

Bei den anderen Tennisprofis herrschte zuletzt eine gewisse Genervtheit, wenn sie in Pressekonferenzen oder Interviews immer wieder zum alles dominierenden Thema dieser Tage befragt wurden. Rafael Nadal brachte es am Samstag in Melbourne auf den Punkt, als er meinte: „Kein Tennisspieler der Geschichte ist wichtiger als das Event. Wenn er am Ende spielt, ok. Wenn er nicht spielt, werden die Australian Open großartige Australian Open sein.“

Stefanos Tsitsipas äußerte sich gar noch drastischer: „Es wurde nicht viel über Tennis geredet in den letzten zwei Wochen, was eine Schande ist.“ Deswegen wolle er auch nicht weiter über Djokovic sprechen, sondern über den Sport, sagte der Grieche.

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Über die Jahre hat sich das Turnier in Melbourne den Namen „Happy Slam“ verdient, in diesen Tagen ist die Stimmung allerdings allgemein eher düster. Wirklich glücklich wirkt im Moment niemand. Das liegt nicht nur an der Djokovic-Saga, sondern auch an der allgemeinen Situation vor dem Start. Corona mit der Omikron-Variante hat den australischen Bundesstaat Victoria trotz aller rigiden Maßnahmen der Behörden fest im Griff. Am Freitag wurden wieder fast 30.000 Neuinfektionen im Bundesstaat Victoria gemeldet.
Kein Wunder, dass Deutschlands Mitfavorit Alexander Zverev abgesehen vom Training „nirgendwo“ mehr hingeht, wie er am Samstag erzählte. „Ich gehe kein Risiko ein. Ich möchte das Turnier so gut wie möglich spielen“, sagte er. Für den 24 Jahren alten Olympiasieger und ATP-Finals-Champion soll es in Australien endlich mit dem ersten Grand-Slam-Titel klappen. Am Montag startet er mit einem Duell gegen Landsmann Daniel Altmaier ins Turnier.

Immerhin Alexander Zverev verteidigt Novak Djokovic

Die Auslosung hätte theoretisch ein Halbfinale gegen die Nummer eins für den Deutschen vorgesehen. Dass er Novak Djokovic im Falle von dessen Ausweisung sportlich aus dem Weg gehen würde, spielt für Zverev zunächst einmal keine Rolle – im Gegenteil. Der Deutsche ergriff am Samstag noch einmal deutlich Partei für seinen Kollegen: „Die australische Regierung und die Regierung Victorias hätten sich im Voraus im Klaren darüber sein müssen, was passieren wird. Ich denke, es ist nicht sehr fair für eine Person, hierher zu kommen und nicht spielen zu können.“

Dazu äußerte er einen Verdacht: „Ich weiß nicht genug über die Situation, aber ich denke, wenn es nicht Novak Djokovic wäre, der Weltranglistenerste mit 20 Grand-Slam-Titeln, all das, dann wäre es nicht so ein großes Drama.“

Alexander Zverev ist einer der Kollegen, die Verständnis für Novak Djokovic haben. Foto: AFP Vergrößern
Alexander Zverev ist einer der Kollegen, die Verständnis für Novak Djokovic haben. © AFP

Zuletzt war der Sport nur noch Nebensache, die Hoffnung bleibt, dass sich das während der 14 Tage in der Rod-Laver- Arena und den anderen Plätzen im Melbourne Park ändert. Ein unbeschwertes Turnier wird es allerdings kaum geben. Was auch an den Fans auf den Rängen liegt, denn angesichts der jüngsten Coronazahlen wurde die Auslastung der Zuschauerkapazitäten für die einzelnen Courts auf maximal 50 Prozent begrenzt. Besucher müssen Maske tragen und erhalten nur doppelt geimpft Zutritt.

Geimpft war auch Angelique Kerber, trotzdem infizierte sie sich im Dezember mit dem Coronavirus. Darunter litt auch ihre Vorbereitung auf das Turnier, das sie 2016 gewinnen konnte. „Ich wusste am Anfang nicht, ob ich überhaupt Melbourne schaffe“, erzählte sie und berichtete davon, in den ersten Tagen nach ihrer Erkrankung Fieber bekommen und den Geschmackssinn verloren zu haben. Ohne Spielpraxis hat sie vor ihrem Erstrundenmatch am Dienstag gegen die Estin Kaia Kanepi keine großen Erwartungen: „Mein Ziel ist immer die zweite Woche, aber dieses Jahr schaue ich wie noch nie von Runde zu Runde“, sagte sie – und meinte damit ausschließlich das sportliche Geschehen. (mit dpa)

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