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Dieter Müller feierte die größten Erfolge seiner Karriere mit dem 1. FC Köln. Mit dem Klub wurde der Nationalstürmer 1977 gegen Hertha BSC und 1978 Pokalsieger – damals im Endspiel gegen Düsseldorf (im Bild Müller links, rechts Fortunas Gerd Zimmermann). Im selben Jahr wurde Köln auch Deutscher Meister. Foto: imago/Horstmüller
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Kölns Sturmlegende Dieter Müller vor dem Duell mit der Fortuna „Ich bin abends oft nach Düsseldorf gefahren“

Kölns Jahrhundertstürmer Dieter Müller beichtet vor dem Derby gegen die Fortuna, dass er Düsseldorf mag. Geisterspiele deprimieren ihn dagegen.

Dieter Müller, am Sonntag steigt erstmals in diesem Jahrhundert das rheinische Derby in der Bundesliga in Köln. Wie sehr freut sich der Kölner Jahrhundertstürmer aus dem 20. Jahrhundert auf dieses Spiel?

Ich habe da gemischte Gefühle, ich war ja dreimal im Pokalendspiel, einmal gegen Hertha BSC und zweimal gegen Düsseldorf. 1978 haben wir gegen die Fortuna gewonnen, 1980 verloren. Damals hatten die um den Klaus Allofs herum eine große Mannschaft. Ich bin sehr gut mit dem Friedhelm Funkel befreundet. Schade, dass er nicht mehr Trainer bei der Fortuna ist. Aber mein Herz schlägt natürlich für den FC, ich habe noch große Verbindungen nach Köln.

Für die Kölner ist das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach zum Derby überhaupt geworden, auch weil sie der Fortuna seit 22 Jahren nicht in der Bundesliga begegnet sind. Wie war das zu Ihrer Zeit?
Ja, da war damals schon eine größere Rivalität mit Gladbach als mit Düsseldorf. Düsseldorf war eher der Nachbar, den ich übrigens mochte. Zumindest die Stadt. Klar war da eine Rivalität mit der Fortuna, und viele Spiele waren auch spannend. Aber ich erzähle Ihnen was: Ich bin immer mit dem Zug nach Düsseldorf gefahren und habe da in der Altstadt mein Alt getrunken, das war ja schnell von Köln aus zu erreichen.

Altbier in Düsseldorf, als Kölner Profi. Das durften Sie aber bestimmt keinem Kölner Fan erzählen?
Stimmt. Aber nach Düsseldorf bin ich meist gefahren, wenn ich nicht gesehen werden wollte. In Köln kannte mich ja jeder. Aber ich muss zu meiner Ehrenrettung sagen: Ich trinke natürlich gern Kölsch, obwohl ich aus Hessen stamme. Ich habe noch heute einen Lieferanten, der mich hier in Hessen mit Kölsch versorgt.

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Sie waren mit dem 1. FC Köln außerordentlich erfolgreich, waren zweimal Bundesliga-Torschützenkönig und gewannen 1978 das Double. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Köln?
Ich war in Köln zuletzt auf der Weihnachtsfeier, ich hatte da Gespräche auch hinsichtlich meiner Biografie, die im Juni auf den Markt kommt. Da hatte ich die Gelegenheit, mit vielen Verantwortlichen zu sprechen, auch mit Trainer Markus Gisdol. Ich habe einen sehr guten Eindruck, was den 1. FC Köln angeht. Was der Gisdol da geleistet hat, ist enorm. Er hat viele junge Spieler eingebaut, das ist sehr gut.

Dabei ist der FC doch seit Jahren eher auf Schlingerkurs unterwegs, strukturell und sportlich, oder?
Sie machen sehr gute Arbeit gerade und ich hoffe, dass das mal ein paar Jahre kontinuierlich so weitergeht. Klar, die Bayern kannst du so schnell nicht angreifen, heutzutage sind die Kräfteverhältnisse eben andere als zu meiner Zeit. Aber Köln ist trotzdem ein großer Verein, mit großer Tradition und einem wahnsinnigen Zuschauerpotenzial. Also, wenn Sie da ins Stadion gehen, dann bekommen Sie Gänsehaut.

Dieter Müller, 66, erzielte in 292 Spielen 193 Tore für den 1. FC Köln. Nach seiner Spielerkarriere war er unter anderem Manager in Offenbach. Heute betreibt er eine Fußballschule. Foto: imago/Martin Hoffmann Vergrößern
Dieter Müller, 66, erzielte in 292 Spielen 193 Tore für den 1. FC Köln. Nach seiner Spielerkarriere war er unter anderem Manager in Offenbach. Heute betreibt er eine Fußballschule. © imago/Martin Hoffmann

Zuschauer und Gänsehaut werden am Sonntag beim ersten rheinischen Geisterderby nicht so eine Rolle spielen…
Es wird trotzdem ein heißes Spiel. Düsseldorf braucht ja jeden Punkt. Und Köln will weiter nach oben, Gisdol hat da die Wende geschafft und ich traue ihm viel zu. Da ist die Ausgangsposition für Köln besser.

Und Köln hat etwas gutzumachen, die Fortuna siegte 2:0 im Hinspiel. Aber ist so ein Derby ohne Zuschauer genauso viel wert wie das Hinspiel?
Auch da habe ich gemischte Gefühle. Ich liebe den Fußball und habe ihm viel zu verdanken. Aber die Atmosphäre bei diesen Spielen macht mich traurig. Das deprimiert mich, so ganz ohne Stimmung. Bei Köln schaue ich zu, den Rest schaue ich mir nicht an. Diese Geisterspiele! Ich will mich nicht zu viel ärgern, da geht es nur ums Geld. Die finanziellen Zwänge sind eben so groß, dass so gespielt werden muss. Aber ich sage auch: Spiele ohne Zuschauer, auch das wird vorübergehen.

Sie haben in Köln Rekorde vermutlich für die Ewigkeit aufgestellt. Sechs Tore in einem Spiel – das hat kein anderer Profi in der Bundesliga geschafft. Im Schnitt haben Sie pro Ligaspiel 0,66 Treffer erzielt, das ist keinem anderen Kölner gelungen. Sind Sie eigentlich froh, dass diese Rekorde nicht fallen, oder würden Sie sie es als FC-Anhänger begrüßen, wenn sie mal wackeln würden?
Ach, es ist natürlich schön, wenn man solche Rekorde hat. Ich habe ja auch mal 14 Tore im Pokal in einer Saison gemacht, das wird wohl nicht mehr gebrochen. Das macht mich stolz, das war eine großartige Zeit. Als ich mittendrin steckte, da war mir das gar nicht so bewusst.

Dabei ging es gar nicht gut los in Köln.
Nein, als ich von den Offenbacher Kickers nach Köln wechselte, fragte mich der Jupp Kapellmann: ‚Jung, wo kommst Du denn her?’ Ich antwortete: ‚Offenbach’ und er sagte: ‚Aha.’ So was macht man nicht mit einem jungen Spieler. Aber das hat mich motiviert, ich wollte es allen beweisen und das habe ich geschafft. Ich hatte das große Glück, in einer großen Mannschaft zu spielen mit Spielern wie Wolfgang Overath oder Heinz Flohe.

Wie sehr stehen Sie noch in Kontakt mit den Spielern aus der großen Kölner Zeit?
Ich war wie gesagt erst Ende vergangenen Jahres noch in Köln und habe noch mit vielen Spielern von damals Kontakt. Der Wolfgang Overath ruft mich jedes Jahr zum Geburtstag an. Jetzt ist leider der Gerd Strack am Donnerstag gestorben, mit nur 64 Jahren, das ist schon traurig. Aber mit Schicksalsschlägen kenne ich mich aus, da habe ich privat viel erleben müssen. Goethe sagt: ‚Nach dem Gesetz, wonach du angetreten. So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen.’ So ist es wirklich. Ich bin ein totaler Goethe-Fan.

Was Sie sicher vom Großteil der aktuellen Bundesligaspieler unterscheidet. Was tippt denn der Goethe-Fan für das rheinische Derby am Sonntag?
Unentschieden, 1:1.

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