Keine Langeweile. Ironman-Weltmeister Jan Frodeno plant einen Triathlon zu Hause. Foto: Felix Rüdiger/dpa
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Keine Langeweile trotz Coronavirus Welche Herausforderungen sich Profisportler suchen

Triathlon oder Marathon zu Hause absolvieren? Klopapier mit dem Fuß jonglieren? In der sportfreien Zeit kommen die Athleten auf kuriose Ideen.

In häuslicher Quarantäne kann einem schnell langweilig werden – wenn man sich keine Beschäftigung sucht. Während es Sportler gibt, die mit Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam machen, gibt es andere, die kreativ mit ihrer Zeit in den eigenen vier Wänden umgehen. Wieder andere animieren mit sogenannten „Challenges “auf den sozialen Netzwerken zum Mitmachen. Wir haben einige Beispiele gesammelt.

Ironman-Weltmeister Jan Frodeno wird am kommenden Samstag einen Ironman zu Hause – einen „Tri@home“ – absolvieren. Er ist derzeit in Spanien, wo eine Ausgangssperre herrscht. Mit seiner Aktion will er den Menschen auch Mut machen. Nach 3,8 Kilometern Schwimmen im neun Meter langen Pool mit Gegenstromanlage wird er 180,2 Kilometer mit dem Rad auf der Rolle fahren und abschließend einen Marathon auf dem Laufband absolvieren.

Andere Sportler sollen sich unter anderem per Online-Plattform dazu schalten können. „Wir wollen ein gemeinsames Erlebnis schaffen und es mit einem wohltätigen Zweck verbinden. Wir wollen helfen“, betonte Frodeno.

Frodeno will die Erlöse seines „Tri@home“ für Hilfsaktionen in Deutschland und in seiner Wahlheimat Spanien spenden. Der größere Teil sei für Girona bestimmt, erklärte der 38 Jahre alte dreimalige Ironman-Champion in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, „weil hier große Not herrscht, das Fußballstadion wird hier gerade als Notaufnahme vorbereitet“.

Ob sich Frodeno die Idee etwa abgeschaut hat? Jedenfalls hat James Campbell seinen Marathon-Versuch bereits hinter sich – in seinem nur etwas mehr als sechs Meter langen Garten. Der britische Speerwerfer sammelte mit dieser ungewöhnlichen Aktion an seinem 32. Geburtstag Spenden für den britischen Gesundheitsdienst NHS. Mehr als 23.000 Euro für den Kampf gegen Covid-19 kamen dabei zusammen.

Campbell, der sich wegen der Coronavirus-Pandemie zuhause in Isolation befindet, hatte am Montag bei Twitter angekündigt, er werde einen Marathon in seinem kleinen Garten laufen, wenn sein Beitrag online 10 000 Mal geteilt wird. Am Mittwoch löste der Schotte sein Versprechen ein. Sein Beitrag hatte bis dahin mehr als 23.000 Retweets.

Rund fünf Stunden lang lief Campbell auf seiner Terrasse und der kleinen Rasenfläche hin und her, während er sich von Nachbarn und von Zuschauern im Livestream anfeuern ließ. Online schaute unter anderem der frühere englische Fußball-Weltmeister Sir Geoff Hurst zu.

[Lesen Sie alle Informationen rund um die Auswirkungen des Coronavirus auf den Sport in unserem Blog.]

„Die Resonanz haut mich um, und ich kann euch nicht genug danken“, schrieb Campbell später auf Twitter. „Ich kann nicht glauben, wie viel Geld zusammengekommen ist. (...) Bitte spendet weiter für den NHS.“ Campbells Garten-Marathon kann man sich auch im Nachhinein noch anschauen. Den Stream veröffentlichte der 32-Jährige bei Youtube.

Einen ganz anderen Weg geht Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo. Sie tut nicht nur monetär etwas für andere, sondern lädt Grundschüler zur täglichen Übungsstunde auf Youtube in ihr Wohnzimmer ein. „Es sind unsichere Zeiten. Für uns Sportler, aber eben auch für alle“, sagte die 26-Jährige aus Oftersheim dem Onlineportal „leichtathletik.de“.

Die deutsche Sportlerin des Jahres hat dabei vor allem die Kinder im Blick, die aktuell weder in die Schule noch zum Training in ihren Sportverein gehen können. Im Livestream vermittelt die Studentin der Umweltwissenschaften kleine Wettbewerbe und auch Wissen. Mihambo leitete bereits vor der Coronavirus-Pandemie einmal in der Woche eine Sport-AG in der Theodor-Heuss-Schule in Oftersheim.

„Auch wenn die Eltern sicher versuchen, die allgemeine Unsicherheit von ihnen fernzuhalten – Kinder haben feine Antennen und spüren so etwas dennoch. Wenn ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten kann, ihrem Alltag auch in dieser Zeit etwas Struktur zu geben, sie für den Sport begeistern kann, dann möchte ich das gerne machen“, erklärte Mihambo. Das Projekt „Herzsprung“ läuft im Verein Starkmacher.

[Wie Sie zu Hause fit bleiben? Zeigen wir Ihnen in unserer neuen Serie „Fitness leicht gemacht“.]

Und dann gibt es da natürlich noch die Fußballer, die – was auch sonst – in den eigenen vier Wänden mit ihren Füßen zaubern. Toni Kroos hält seine Follower in den sozialen Medien mit täglichen Challenges bei Laune.

Er postet jeweils kleine Videos mit einer Übung im Bereich Fußball. Unter allen, die die Übung nachmachen und ein Video davon bei Instagram posten, verlost er Gewinne. Die besten Videos veröffentlicht der Weltmeister von 2014 und mehrmalige Champions-League-Gewinner von Real Madrid außerdem auf seinem Account.

Bei Jerome Boateng ist das Motto Toilettenpapier statt Champions League: Der Ex-Nationalspieler nimmt die Zwangspause im europäischen Fußball auch mit Humor. Bei Instagram stellte der 31 Jahre alte Innenverteidiger vom FC Bayern ein Video online, in dem er statt eines Fußballs eine Rolle Toilettenpapier jongliert. Der Hygieneartikel ist in der Coronavirus-Krise in Deutschland zum Symbol der Hamsterkäufe geworden - in etlichen Supermärkten ist er ausverkauft.

„Ich sollte in diesen Tagen die Hymne der Champions League hören“, schrieb Boateng in Anspielung auf das ausgesetzte Achtelfinal-Rückspiel der Bayern in der Königsklasse gegen den FC Chelsea. „Stattdessen jongliere ich Toilettenpapier. Okay, Herausforderung akzeptiert.“

Er „nominierte“ zudem seinen Teamkollegen David Alaba, Nationalspieler Leroy Sané, seinen Halbbruder Kevin-Prince Boateng, Danny Williams und seine früheren Mitspieler Arturo Vidal und James Rodriguez. Der gebürtige Karlsruher Williams vom FC Paphos reagierte umgehend und postete ein ähnliches Video. (mit dpa)

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