Zwei Unentschieden gegen Werder Bremen reichten Heidenheim nicht für den Aufstieg. Foto: dpa
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Keine Chance für die Zweite Liga Warum die Relegation in hohem Maße ungerecht ist

Die Bundesliga hat sich zu einem exklusiven Klub von Besitzstandswahrern entwickelt. Das gilt für die Spitze genauso wie für die Klubs am unteren Ende.

Es ist in den vergangenen Tagen viel diskutiert worden über die Dominanz des FC Bayern und die daraus resultierende Langeweile für die Fußball-Bundesliga. Auch in Zukunft wird viel darüber diskutiert werden – wenn es zum Beispiel in den nächsten Monaten um eine gerechtere Verteilung des Fernsehgeldes geht. Es wird dann wieder die Solidarität beschworen werden, der Wunsch nach mehr Gerechtigkeit laut werden und nach einem gesünderen Wettbewerb zugunsten der kleinen und mittelgroßen Vereine der Liga.

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Es wäre mal interessant zu erfahren, was diese kleinen und mittelgroßen Vereine wohl von der Idee hielten, im Sinne von Solidarität und mehr Gerechtigkeit die Relegation zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der Zweiten Liga wieder abzuschaffen.

Denn das, was am oberen Ende der Liga längst ein gravierendes Problem geworden ist, ist es am unteren Ende nicht weniger. Die Bundesliga hat sich zu einem exklusiven Klub von Besitzstandswahrern entwickelt.

Oben sind es Bayern, Dortmund oder Leipzig, die sich mit aller Macht gegen eine paritätische Verteilung des TV-Geldes wehren, weil sie sich den größeren Batzen einfach durch ihre Leistung und ihren Erfolg verdient haben – was letztlich nur dazu führt, dass die bestehenden Zustände weiter zementiert werden.

Von den letzten 22 Relegationsspielen haben die Zweitligisten exakt eines gewonnen

Am unteren Ende geht es auf Kosten der Zweiten Liga, die de facto seit Wiedereinführung der Relegation im Jahr 2009 einen von drei Aufstiegsplätzen verloren hat. Niemand wird gerne des exklusiven Klubs verwiesen. Der Graben zwischen beiden Ligen ist dadurch noch tiefer geworden und für Zweitligisten kaum noch zu überwinden. Deshalb bleibt nun Werder Bremen erstklassig – trotz einer erbarmungswürdigen Vorstellung sowohl im Ligabetrieb als auch in weiten Teilen des Relegationsduells gegen den 1. FC Heidenheim. Verdient ist das nicht.

Die Bremer haben keins der beiden Spiele gegen Heidenheim für sich entscheiden können und sind nur dank der Auswärtstorregel als Sieger aus dem Duell hervorgegangen. Aber sie haben eben auch nicht verloren. Selbst einem bemitleidenswerten Bundesligisten wie Werder gelingt es, wenn auch mit Mühe, den Zweitligisten auf Distanz zu halten.

Seitdem 2009 der 1. FC Nürnberg mit zwei Siegen in der Relegation gegen Cottbus den Aufstieg geschafft hat, haben die Zweitligisten von 22 Spielen noch exakt ein einziges gewonnen. Das war 2012 Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC. Seitdem ist den Herausforderern aus der Zweiten Liga in nun 17 Begegnungen keinen Sieg mehr gelungen. Als es in den Jahren 1982 bis 1991 schon einmal eine Relegation gab, lag der Anteil der Zweitligasiege bei 27 Prozent. Seit 2009 beträgt er 12,5 Prozent.

Das zeigt, wie groß die Kluft zwischen den Ligen inzwischen geworden ist, wie die wirtschaftlichen Verhältnisse die ohnehin Besitzenden bevorteilen. Auch deshalb wird es ein unerfüllter Wunsch bleiben, die Relegation wieder abzuschaffen. Bayern München und der FC Augsburg werden schließlich auch in Zukunft nicht den gleichen Anteil am TV-Geld erhalten. Wo kämen wir denn da hin?

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