Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Teures Spielzeug. Für die Investoren von PSG spielt Geld kaum eine Rolle - nur so lassen sich Weltstars wie Lionel Messi (links) und Neymar finanzieren. Foto: FRANCK FIFE / AFP
© FRANCK FIFE / AFP

Katar gegen Abu Dhabi Bei PSG gegen Manchester City geht es um mehr als Fußball

Sportlich ist es eines der Highlights der Champions League. Doch das Duell zwischen Paris Saint-Germain und Manchester City hat auch eine politische Dimension.

Eigentlich könnte man sich auf dieses Fußballspiel freuen. Am Dienstagabend spielt Manchester City bei Paris Saint-Germain in der Gruppenphase der Champions League (21 Uhr, Dazn). Ein Duell der geschlagenen Finalisten der letzten zwei Jahre. Eine Wiederholung des Halbfinals aus der letzten Saison. Zwei der gefährlichsten Offensivteams auf dem Kontinent, die wohl beste Mannschaft gegen die besten Individualisten.

Dazu kommt auch noch die Geschichte von PSG-Star Lionel Messi und seinem einstigen Mentor, dem heutigen City-Trainer Pep Guardiola. Die Knieprobleme der letzten Wochen soll Messi abgeschüttelt haben – und für das Wiedersehen bereitstehen. Wer sich da noch das Parallelspiel zwischen Rasenballsport Leipzig und Club Brügge anschaut, muss dafür einen wirklich guten Grund haben.

Doch es wird tatsächlich viele Fußballfans geben, die dieses Duell der europäischen Giganten nicht interessiert. Denn City und PSG sind eben nicht nur Fußballvereine, sondern auch Soft-Power-Projekte. Der englische Verein wird durch Investoren aus Abu Dhabi finanziert, der französische durch Geldgeber aus Katar. In den Augen vieler Fußballfans sind sie längst nur die politischen und finanziellen Spielzeuge reicher Staaten und das Spiel damit ein Zirkus. Das Golf-Staaten-Duell. Das Öl-Derby. El Cashico.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräteherunterladen können]

Politisch ist dieses Spiel nicht so brisant, wie es in den letzten Jahren hätte sein können. Der dreijährige Boykott, den die Vereinigten Arabischen Emirate mit anderen Golfstaaten gegen Katar verhängt hatten, wurde schon Anfang des Jahres aufgehoben.

Dabei stehen City und PSG für zwei sehr verschiedene Philosophien des fußballerischen Neureichtums. Wie auch Philipp Lahm zuletzt geschrieben hat, ist PSG kein klassischer Fußballverein mehr, sondern eine Marke mit globaler Reichweite. Auch in Kreuzberg sieht man heutzutage das PSG-Wappen öfter als das des FC Bayern, von Hertha und Union ganz zu schweigen. Auf einem Fußballtrikot wird es aber selten getragen, sondern eher stilisiert auf einem Mode-Shirt, einem Sportbeutel oder Laufschuhen. Die bisher größten Marken der Branche wie Real Madrid und Manchester United blieben immer in erster Linie Fußballklubs. Bei PSG verschwimmt die Grenze zwischen Sport und Modemarke immer mehr.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Das ist anders bei City, wo man sich von vorneherein ganz bewusst als traditioneller Fußballklub präsentieren wollte. Schon sehr früh haben die Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten alte Klublegenden wie Mike Summerbee als Botschafter gebunden, um den Status als Traditionsverein zu untermauern. Anders als PSG hat City auch immer eine eher mannschaftsorientierte, langfristige Kaderplanung verfolgt. Auch deswegen war es immer unwahrscheinlich, dass die Engländer den 34-jährigen Messi verpflichten würden.

Um dieselben Kunden buhlen die zwei Projekte also nicht, um denselben Preis aber schon. Für beide Investorengruppen ist die Champions League das ultimative Ziel – und bisher konnte weder City noch PSG den Titel liefern.

Zur Startseite