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Karsten Heine trainiert die VSG Altglienicke seit 2019. Foto: imago images/Jan Huebner
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Interview mit Karsten Heine „Ich habe noch richtig Bock auf Fußball“

Karsten Heine ist Trainer der VSG Altglienicke. Vor dem Regionalliga-Auftakt spricht er über seine Anfänge, die neue Spielzeit und die Chancen seines Teams.

Am Freitag beginnt die neue Saison der Fußball-Regionalliga Nordost. Trainer Karsten Heine startet mit der VSG Altglienicke gegen Energie Cottbus (19 Uhr, Amateurstadion). Heine spricht über seine Anfänge als Trainer, die neue Saison und die Chancen seines Teams.

Herr Heine, Sie sind seit Sommer 2019 bei der VSG Altglienicke. Nur ein Trainer in der Fußball-Regionalliga Nordost ist länger im Amt. Wissen Sie, wer das ist?
Puuuh. Ingo Kahlisch? Nee, er ist ja mit Rathenow nicht mehr dabei.

Sonst wäre es sehr leicht gewesen. Es ist Miroslav Jagatic von Chemie Leipzig.
Stimmt! Das hatte ich letztens gelesen.

Aber Sie sind in den vier obersten deutschen Ligen der erfahrenste Trainer.
Das ist schön umschrieben, ich bin ja auch der älteste (lacht).

Ihre erste Station datiert aus dem Jahr 1987. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Das war bei WBK Berlin.

Der offizielle Name lautete BSG Wohnungsbaukombinat Berlin. Sie waren Spielertrainer.
Heute heißt der Verein Blau-Weiß Petershagen/Eggersdorf. Wir hatten damals etwas Unfassbares geschafft. Wir haben in der Rückrunde 12 oder sogar 15 Punkte aufgeholt und sind in die Bezirksklasse aufgestiegen. Ich erinnere mich auch deswegen so gut, weil ich aus dem Leistungssport bei Union in den Freizeitsport gekommen bin. Da haben öfter Spieler für das Training abgesagt, weil sie auf ihre Kinder aufgepasst haben. Das kannte ich nicht. Und die Mannschaft hat das Trainingslager fast komplett selber finanziert. Es war eine kurze tolle Zeit.

Danach sind Sie Trainer bei Union geworden. Später waren Sie unter anderem sehr lange bei Hertha BSC. Sind manche Dinge noch so wie ganz zu Anfang Ihrer Trainerlaufbahn?
Natürlich ist alles schneller und dynamischer geworden, aber man muss sich immer noch freilaufen und Tore schießen. Ich war jetzt beim Internationalen Trainerkongress, Paul Breitner war per Video zugeschaltet. Er hat darauf hingewiesen, dass es das Wort Pressing bereits vor Jahrzehnten gab. Das kannte ich auch schon zu DDR-Zeiten.

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Sie sind jetzt 67. Was treibt Sie nach Jahrzehnten als Trainer noch an?
Fußball war von Kindesbeinen an mein Leben. Ich habe noch richtig Bock auf Fußball und kann mir derzeit nicht vorstellen, dass sich das ändert. Das geht alles nur, wenn die Familie mitmacht. Ich bin keiner, der zu Hause die Rosen pflegt. Die Arbeit mit jungen Menschen macht mir immer noch viel Spaß. Ich habe einen zehn Jahre alten Sohn zu Hause, bleibe also aktuell bei Themen der Jugend (lacht). Und ich bin in 15 Minuten auf dem Trainingsgelände, das hatte ich abgesehen von der Zeit bei Union nie.

Ist ein möglicher Aufstieg in die Dritte Liga auch Antrieb für Sie?
Darüber würde ich mich sehr freuen. Ich habe die Liga mit dem Chemnitzer FC zweieinhalb Jahre kennengelernt. Das wäre nochmal eine schöne Aufgabe.

Karsten Heine als Co-Trainer von Peter Neururer (re.) bei Hertha BSC in der Bundesligasaison 1990/91. Foto: imago images/WEREK Vergrößern
Karsten Heine als Co-Trainer von Peter Neururer (re.) bei Hertha BSC in der Bundesligasaison 1990/91. © imago images/WEREK

Bei Altglienicke ist allerdings die Infrastruktur schon in der Regionalliga ein Problem.
Ich kenne die Diskussionen. Wenn es sportlich vorangeht und ein Verein bestimmte Ziele anpeilt, müssen die Voraussetzungen drumherum geschaffen werden. Man darf jedoch nicht vergessen, wie schnell Altglienicke den sportlichen Weg gegangen ist. In unserem Stadion kann nicht Regionalliga gespielt werden. Das ist unser Handicap. Aber wir haben die Zusage, dass das Gelände in Baumschulenweg regionalligatauglich ausgebaut wird.

Wie schätzen Sie die Regionalliga Nordost in dieser Saison ein?
Erfurt und Greifswald sind keine normalen Aufsteiger. Erfurt spielt einen tollen Fußball und ist in beeindruckender Art aufgestiegen. In Greifswald tut sich sehr viel. Das wird die Liga bereichern. Sie ist insgesamt noch stärker und für mich nach wie vor die interessanteste aller Regionalligen. Was hier alles an Zuschauerpotenzial ist: Cottbus, Chemnitz, Erfurt, Jena, die Leipziger Klubs oder der BFC Dynamo.

Auch am Ende dieser Saison muss der Meister Entscheidungsspiele um den Aufstieg bestreiten.
Das ist so hinzunehmen, bleibt aber total unbefriedigend. Dass die Regionalligen West und Südwest jedes Jahr einen direkten Aufsteiger stellen, finde ich nicht fair und macht es noch ärgerlicher.

Ihrer Mannschaft wird erneut viel zugetraut.
Wir waren die letzten drei Jahre vorn dabei. Auf der anderen Seite haben wir mit den drei A-Jugendlichen insgesamt 16 neue Spieler. Die müssen integriert werden.

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War der Umbruch in dieser Form geplant?
Wir wollten frisches Blut im Team haben, vieles war geplant. Auf der anderen Seite ist es doch großartig, wenn die Manske-Brüder in die Dritte Liga wechseln können…

… beide sind zum SV Meppen gegangen …
oder Christian Derflinger zu einem Traditionsklub wie Kickers Offenbach. Da sage ich: Bitte schön, sehr gern.

Gekommen ist unter anderem Tolcay Cigerci. Er war schon einmal bei Altglienicke, hat in der letzten Hinrunde in der Dritten Liga beim FC Viktoria 89 sehr überzeugt.
Bei Viktoria hat er eindrucksvoll unterstrichen, wie er kicken kann. Danach hat er ein halbes Jahr in der Türkei gehabt, was nicht nach seinen Wünschen verlief. Wir wollen ihn schnell fit für die Spiele bekommen. Insgesamt gesehen nehmen wir uns Zeit und posaunen keine großen Ziele heraus. Was wir auf jeden Fall wollen: wieder guten Fußball bieten. Wir haben ein sehr attraktives Startprogramm.

Erst an diesem Freitag zu Hause gegen Energie Cottbus, danach auswärts bei Chemie Leipzig und dem SV Babelsberg 03. Attraktiv und schwer?
Es wäre nicht einfacher, wenn wir beispielsweise in Meuselwitz anfangen würden. Ich finde es gut, dass wir zuerst auf Cottbus treffen, das für mich Topfavorit ist. Generell freuen wir uns, wenn Mannschaften viele Fans mitbringen oder wir in tollen Stadien spielen dürfen.

Der Zuschauerzuspruch bei Altglienickes Heimspielen ist eher gering.
Wir sind sehr dankbar, dass wir im Olympiapark spielen dürfen. Aber Zuschauer aus unserer Gegend werden wir dort kaum hinlocken.

Schauen wir noch in die Bundesliga. Ihre früheren Vereine Union und Hertha treffen am Samstag aufeinander. Wie sind Ihre Erwartungen an das Spiel?
Was in Köpenick geleistet wird, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich habe in meinem gesamten Umfeld nur Union-Fans und wünsche dem Klub, dass er wieder eine so gute Rolle spielt. Hertha muss endlich zur Ruhe kommen und stabile Leistungen zeigen.

Ihr Tipp?
Ich denke, dass Union gewinnt.

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