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Brüder im Geiste. Fifa-Präsident Gianni Infantino (rechts) und Scheich Khalid Bin Khalifa Bin Abdulaziz Thani, Katars Premierminister. Foto: Imago
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Infantinos Fifa, Katar und die Fußball-WM Wenn der Ball erst rollt, ist alles andere vergessen

Gianni Infantino und die Fifa stehen wegen der Fußball-WM in Katar in der Kritik. Dabei haben sie aus ihrer Sicht alles richtig gemacht. Ein Kommentar.

Heute Abend bei der Auslosung der Vorrundengruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar wird Gianni Infantino vermutlich wieder strahlen oder mit seinem „Bruder“ Hassan Al-Thawadi vom katarischen WM-Organisationskomitee abklatschen. Für den Fifa-Präsidenten läuft alles nach Plan, und das, was nicht nach Plan läuft, wird von ihm schlicht und einfach ausgeblendet.

Die Menschenrechtslage im WM-Gastgeberland? Da habe es „Fortschritte“ gegeben. Der russische Angriff auf die Ukraine? Schlimm. Aber: „Es gibt schreckliche Kriege und Konflikte auch in anderen Teilen der Welt.“ Und die aberwitzige Idee für eine WM alle zwei Jahre? „Die Fifa hat nie eine WM alle zwei Jahre vorgeschlagen.“

Da es um den Fußball-Weltverband also nie besser bestellt war, wird sich Infantino beim nächsten Kongress auch zur Wiederwahl stellen. Schließlich wird die anstehende WM-Endrunde im November und Dezember in Katar „die beste Weltmeisterschaft der Geschichte, die größte Show der Welt“, da ist sich Infantino sicher. Nach dem Motto: Wenn der Ball erst einmal rollt, ist sowieso alles andere vergessen.

Dass die Fifa und ihre Präsidenten beinahe schon traditionell in ihrer eigenen Welt leben, ist keine neue Erkenntnis. Infantino setzt hier nur das fort, was andere vor ihm bereitet haben. Dabei kann die Fifa an ihrer Spitze noch so unsympathisch, geldgierig oder gar peinlich auftreten – trotzdem werden ihre Weltmeisterschaften weiter funktionieren, weil sie ein derart herausragendes Produkt sind.

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Am Ende werden auch in Katar immer noch genug Menschen zuschauen und die Sponsoren danach weiter Schlange stehen, egal wo das nächste WM-Turnier ausgetragen wird. Es macht der Fifa nichts aus, ob nun sich nun eine Million Menschen in Deutschland oder mehrere Millionen in Europa vom großen Fußball abwenden, wenn sie umgekehrt in anderen Regionen wie jetzt in der arabischen Welt neue Fans gewinnt.

Es sollte sich auch niemand etwas vormachen: Weltmeisterschaften in China, in Saudi-Arabien oder in anderen aus westlicher Perspektive politisch umstrittenen Ländern werden kommen. Der Fußball rollt immer in die Richtung, in der das meiste Geld zu holen ist.

Die Fifa ist nichts anderes als ein profitorientiertes Wirtschaftsunternehmen

Für Romantiker mag das desillusionierend sein, andererseits handelt die Fifa nur so wie es in der Wirtschaft der Normalfall ist. Denn nichts anderes ist diese Fifa: Ein globales Fußballunternehmen, dass ihr Produkt weltweit verkaufen will – und das auch mit großem Erfolg tut.

Und so werden heute Abend bei der Auslosung die kritischen Stimmen zur Katar-WM immer weniger deutlich vernehmbar sein. Wer bei der Endrunde auf wen trifft, ist im Zweifel für viele von uns dann doch spannender als die Lage der Gastarbeiter in Katar. Gianni Infantino wird sich darüber freuen und glauben, dass er mal wieder alles richtig gemacht hat. Alles andere kann der Fifa-Präsident einfach weiterhin ignorieren.

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