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Joshua Kimmich leidet nach der Corona-Infektion unter Infiltrationen in der Lunge. Foto: imago images/MIS
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Herzmuskelentzündung und Lungenprobleme Unter diesen Folgen leiden Profi-Sportler nach der Corona-Infektion

Joshua Kimmich fällt bis Ende des Jahres wegen Lungenproblemen aus. Aber auch andere Profis hatten bereits mit späten Folgen der Infektion zu kämpfen.

Noch bis zum Jahresende muss Fußball-Bundesligist FC Bayern München auf Joshua Kimmich verzichten. Der deutsche Nationalspieler hat seine vierwöchige Quarantäne als Kontaktperson und anschließend als Infizierter mit dem Coronavirus zwar mittlerweile beendet, aber dafür leidet er nun unter „leichten Infiltrationen in der Lunge“.

Dabei handelt es sich um Ansammlungen von Flüssigkeiten in dem lebensnotwenigen Organ. „Ich werde daher ein Aufbautraining absolvieren und kann es kaum abwarten, im Januar wieder voll mit dabei zu sein“, sagte Kimmich, der zuvor lange in der Kritik stand, weil er sich nicht impfen lassen hatte.

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Kimmich ist nicht der einzige Sportler, der mit den Folgen einer Corona-Infektion zu kämpfen hatte. Wir haben die prominentesten Fälle hier noch einmal aufgelistet.

Hertha-Torwart Jarstein musste ins Krankenhaus

Besonders dramatisch war der Krankheitsverlauf bei Rune Jarstein. Herthas Torwart infizierte sich im April 2020 mit dem Coronavirus und musste sich zeitweise sogar im Krankenhaus behandeln lassen. „An den ersten Tagen im Krankenhaus konnte ich nicht einmal Fußball auf dem iPad schauen. Ich war in der Zeit zweimal an der frischen Luft, musste dabei im Rollstuhl sitzen“, berichtete er.

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Anschließend wurde bei ihm eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert, sodass er fast ein halbes Jahr aussetzen und durfte keinen Sport machen. Auch Freiburgs Jonathan Schmid, der zu dem Zeitpunkt noch ungeimpft war, hatte einen schweren Krankheitsverlauf und musste mehrere Monate Zwangspause einlegen.

Herthas Rune Jarstein hatte nach der Coronainfektion mit einer Herzmuskelentzündung zu kämpfen. Foto: imago images/Nordphoto Vergrößern
Herthas Rune Jarstein hatte nach der Coronainfektion mit einer Herzmuskelentzündung zu kämpfen. © imago images/Nordphoto

Kickboxerin Lang hatte Schmerzen in der Lunge

Die Kickboxerin Marie Lang infizierte sich gleich zweimal mit dem Virus, bevor es überhaupt möglich war, sich impfen zu lassen, nämlich einmal im Februar 2020 und dann noch einmal sechs Monate später. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel erzählte Lang, dass sie noch Wochen nach ihrer Infektion Schmerzen in der Lunge verspürt habe. Das hat mich echt geärgert“, sagte sie, „die Krankheit hat mich so zurückgeschliffen.“

Ringer Stäbler musste Atemtraining machen

Frank Stäbler erging es nicht besser. Der deutsche Weltmeister im Ringen galt lange als Favorit bei den Olympischen Spielen in Tokio, wurde allerdings infolge einer Coronavirus-Infektion im Oktober 2020 zurückgeworfen. In einem Instagram-Video erzählte er, dass er anfangs nur leichte Symptome gehabt und die Erkrankung erst „nicht so ernstgenommen“ habe. Einige Wochen später folgte dann jedoch die Ernüchterung: Durch die Infektion hatte Stäbler etwa 20 Prozent seines Leistungsvermögens verloren.

Für den Ringer Frank Stäbler war es ein schwieriger Weg zu den Olympischen Spielen nach Tokio. Foto: dpa Vergrößern
Für den Ringer Frank Stäbler war es ein schwieriger Weg zu den Olympischen Spielen nach Tokio. © dpa

Zusätzlich zu seinem normalen Training musste er Atemtraining machen und regelmäßig Lungenfunktionstests absolvieren und sich so Stück für Stück zurückkämpfen. Nun warnte er in einem Gespräch mit t-online auch Kimmich vor dem, was noch kommen könnte: „Joshua Kimmich hat jetzt etwas, was er noch nie hatte. Und das sehr schwierig einzuschätzen ist, weil medizinische Langzeitstudien fehlen.

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Eishockey-Spieler Möser erlitt eine Herzmuskelentzündung

Besondere Prominenz erlangte der Fall Janik Möser, der zu einem Umdenken in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beitrug. Möser von den Grizzlys Wolfsburg erlitt Ende vergangenen Jahres eine Herzmuskelentzündung, die sehr wahrscheinlich aus der Infektion mit dem Coronavirus resultierte. „Außer Corona war bei Janik nichts festzustellen, was der Auslöser hätte sein können“, sagte Axel Gänsslen, der Teamarzt der Grizzlys, den „Wolfsburger Nachrichten“.

Mediziner*innen gingen außerdem schon damals davon aus, dass eine Coronainfektion selbst bei Leistungssportlern zu Herz-Kreislauf-Komplikationen führen kann. Im Wissen, dass eine Herzmuskelentzündung im schlimmsten Fall den plötzlichen Herztod auslösen kann, präsentierte die DEL daraufhin neue Richtlinien, um Spieler nach positiven Tests auf Covid-19 besser zu schützen.

Janik Möser will durch sein Schicksal anderen eine Warnung sein. Foto: Imago Vergrößern
Janik Möser will durch sein Schicksal anderen eine Warnung sein. © Imago

Zehnkämpfer Wolff hatte eine Immunschwäche

Der Zehnkämpfer Jannis Wolff, der erst 22 Jahre alt ist, litt im vergangenen Jahr noch viele Monate unter den Folgen einer Infektion. Vorher habe er sich beim Training sicher gefühlt, wenn sein Puls bei fast 200 war, erzählte Wolff gegenüber dem Tagesspiegel.

Das habe sich nach der Infektion allerdings geändert: „Es geht nicht mehr, weil ich merke, dass es für mich nicht gesund ist.“ Hinzu kamen plötzliche Magenschmerzen, die sich später als Magenschleimhautentzündung herausstellten und eine Entzündung im Ohr.

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„Ich hatte noch nie nach einer Erkältung oder Grippe eine so starke Immunschwäche, da habe ich gemerkt, dass mein Immunsystem auch Wochen später noch total angegriffen ist“, sagte Wolff. Er habe den Eindruck, dass nicht nur seine Lungenfunktion, sondern auch sein Herz unter der Infektion gelitten haben.

Fußballer vom BAK hatten Kreislaufprobleme

Während die vorangegangenen Fälle sich zu einer Zeit abspielten, als Sportler*innen sich noch nicht impfen lassen konnten, erregte kürzlich ein Vorfall beim Fußball-Regionalligisten Berliner AK besondere Aufmerksamkeit. Beim Auswärtsspiel in Jena waren zwei Spieler kollabiert: Wie Trainer André Meyer berichtete, sollen Ugur Olgucan Tezel und Kwabe Schulz Herz-Kreislauf-Probleme gehabt haben und von Notärzten mit Sauerstoff versorgt worden sein.

Beide waren wenige Wochen zuvor von einem großen Corona-Ausbruch innerhalb der Mannschaft betroffen. Den Ärzten zufolge, die Tezel und Schulz versorgten, gebe es einen "unmittelbaren Zusammenhang" zwischen dem Zusammenbruch und der Coronavirus-Infektion. Meyer kritisierte in diesem Zusammenhang den extrem eng getakteten Spielplan.

Beispiele wie diese zeigen, dass die Folgen einer Coronaerkrankung häufig immer noch unterschätzt oder möglicherweise zugunsten von Ergebnissen oder Profit eher auf die leichte Schulter genommen werden. Dabei belegen Fälle wie die von Marie Lang, Frank Stäbler und Rune Jarstein, welch gravierende Auswirkungen eine Infektion für Athlet*innen ohnehin haben kann.

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