Willkommen in Berlin. Javairo Dilrosun (Mitte) und Jordan Torunarigha (rechts) helfen Daishawn Redan bei der Integration. Foto: Metodi Popow/Imago
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Herthas dritter Neuzugang Daishawn Redan und die Tiefe des Traums

Herthas holländischem Neuzugang Daishawn Redan eilt der Ruf als europäisches Top-Talent voraus. Sein Ziel eines Tages: der FC Barcelona.

Anfang dieser Woche, noch vor der Abreise ins Trainingslager nach Stegersbach, ist Daishawn Redan von einem holländischen Radiosender interviewt worden. Es ging weniger um seine Person als um das große Ganze: um die Dominanz der Bayern in der Fußball-Bundesliga, den Einfluss des Geldes auf den sportlichen Erfolg und schließlich auch um den 1. FC Union, Berlins zweiten Erstligisten. „Kenn' ich nicht“, antwortete Redan.

Den Fans von Hertha BSC dürfte das gefallen. Und wenn nicht alles schief läuft, was schief laufen kann, wird Daishawn Redan ihnen auch in den nächsten Jahren noch viel Freude bereiten. Der 18 Jahre alte Holländer, den die Berliner vorige Woche für knapp drei Millionen Euro vom FC Chelsea verpflichtet haben, besitzt nicht nur beste Anlagen, sondern auch einen überragenden Leumund. Redan gilt als eines der europäischen Top-Talente seines Alters. Als er vor zwei Jahren von seinem Jugendklub Ajax Amsterdam nach London wechselte, sollen auch Paris St. Germain, Manchester City und United an ihm interessiert gewesen sein, und in seiner Heimat wird der U-17-Europameister von 2018 bereits als künftiger Nationalspieler gehandelt.

Daishawn Redan sitzt mit vor der Brust gekreuzten Armen an einem Tisch in Herthas Mannschaftshotel in Stegersbach. Eine natürliche Abwehrhaltung, die er in der nächsten Viertelstunde auch nicht mehr verändern wird. Der erste Eindruck: Da sitzt ein scheuer Junge, der sich erst noch an seine neue Rolle und das gesteigerte Interesse an seiner Person gewöhnen muss. Der Eindruck täuscht. Redan weiß, was er will. Er hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten fünf Jahre Nationalspieler zu werden, und irgendwann würde er gerne mal für seinen Traumverein, den FC Barcelona, spielen.

Überhaupt hat er schon immer gewusst, was er will: bei seinem Wechsel von Ajax zu Chelsea genauso wie jetzt bei seinem Umzug von London nach Berlin. Mit 16 hat er in Chelseas U 18 gespielt, mit 17 bereits für die U 23, also ist in Redan die Erkenntnis gereift, dass es mit nun 18 Jahren an der Zeit sei, für eine erste Mannschaft zu spielen. Deshalb Hertha.

Covic sieht Redan als Stoßstürmer

Am Donnerstagabend ist ihm dieser Wunsch zum ersten Mal erfüllt worden. Es war zwar nur ein Testspiel, aber gegen Fenerbahce Istanbul traf Redan eine knappe Viertelstunde nach seiner Einwechslung mit seinem dritten Ballkontakt zum 1:0 für Hertha. Es gibt schlechtere Einstiege bei einem neuen Arbeitgeber. „Auch wenn ich Daishawns Tor nicht überbewerten will: Es könnte sein Ankommen in der Mannschaft beschleunigen“, sagt Trainer Ante Covic. „Aber wir sollten einen 18-Jährigen wegen eines Fußballspiels nicht gleich in den Himmel loben.“

Der Treffer an sich war keine große Kunst. Nach einer schönen Direktkombination quer durch Fenerbahces Hälfte musste Redan den Ball nur noch aus fünf Metern ins nahezu leere Tor befördern. Unabhängig von seinem Treffer aber lieferte der Auftritt erste Indizien über seine Fähigkeiten als Fußballer. „Man sieht an seinen Bewegungsabläufen, dass er ein Vollblutstürmer ist“, sagt Covic. „Er hat einen unglaublich guten Abschluss und braucht wenig Zeit und Raum.“

Herthas Trainer kann sich Redan durchaus als alleinige Sturmspitze vorstellen, erachtet ihn aktuell jedoch als stärker, wenn er um einen Stoßstürmer herum spielt – so wie gegen Fenerbahce. Der Holländer ist mit seinen 1,73 Metern kein Brecher, der im Strafraum auf Anspiele wartet. Er sucht immer wieder die Tiefe, erkennt, wo dem Gegner Gefahr drohen könnte. Bei etwas präziseren Hereingaben seines Sturmpartners Vedad Ibisevic hätte Redan am Donnerstag noch zwei weitere herausragende Abschlusschancen gehabt – weil er zweimal in den richtigen Raum gelaufen war. „Er ist ein Typ wie Sergio Agüero“, sagt Hollands U-19-Nationaltrainer Maarten Stekelenburg. „Er lebt weniger von seiner Physis als von seiner Schnelligkeit. Seine Schnelligkeit ist eine Waffe.“

"Wenn ich es gut mache, muss ich nicht in die U23"

Auf dem Trainingsplatz ist Redan meist in Begleitung seines Landsmanns Javairo Dilrosun zu finden, der ihm bei der Eingewöhnung hilft und auch mal als Dolmetscher fungiert. Beide kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit in Ajax' Jugendakademie, beide sind als Jugendliche nach England gewechselt und dann ohne Profieinsatz zu Hertha gekommen. Dilrosun, vor einem Jahr aus der U 23 von Manchester City verpflichtet, feierte nur vier Monate nach seinem Wechsel sein Debüt in Hollands Nationalmannschaft. „Ich habe bei Javairo gesehen, dass es eine gute Wahl war, zu Hertha zu gehen“, sagt Redan.

Einsatzminuten bei den Profis, ein paar Tore schießen und zeigen, dass er in der Bundesliga mithalten könne – das sind Redans Ziele für das erste Jahr in Berlin. „Es ist unsere große Pflicht, den Jungen im Profifußball ankommen zu lassen“, sagt Ante Covic. „Er ist sehr stabil und körperlich für sein Alter sehr weit.“ Und trotzdem ist er noch so jung, dass er noch für Herthas A-Jugend spielen könnte. Spielpraxis sei wichtig für seine Entwicklung, findet Covic, weshalb es durchaus möglich ist, dass Redan auch bei Hertha immer mal wieder für die U 23 zum Einsatz kommen wird. „Ich weiß nicht. Wenn ich es im Training gut mache, spiele ich in der ersten Mannschaft“, sagt Daishawn Redan. „Und wenn ich in der ersten Mannschaft spiele, muss ich nicht in der U 23 spielen.“

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