Immer für eine Überraschung gut. Herthas Trainer Pal Dardai hat für das kommende Heimspiel gegen Bremen einen Plan ausgeheckt. Foto: Foto: Andreas Gora/dpa
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Hertha BSC vor dem Heimspiel gegen Bremen Pal Dardai hat eine verrückte Idee

Obwohl Hertha BSC am vergangenen Wochenende restlos überzeugt hat, kündigt Pal Dardai Veränderungen an – sowohl taktisch als auch personell.

Pal Dardai sprach das Wort zum Sonntag, und er schloss seine Ausführungen mit einem kräftigen Halleluja. Der ebenso überraschende wie überzeugende 3:0-Erfolg seiner Mannschaft bei Borussia Mönchengladbach lag gerade erst ein paar Stunden zurück, da dachte der Trainer von Hertha BSC bereits an das nächste Spiel – und es müsste ihm eigentlich leichte Schmerzen in der Magengegend bereitet haben. „Der Trainer hat schon eine schwere Aufgabe“, sagte der Trainer. „Alle haben einen Riesenjob gemacht, und jetzt kommen einige Spieler zurück. Also: Halleluja!“

Arne Maier wird weiter fehlen

Ganz so schlimm ist es dann doch nicht gekommen – zumindest wenn man Dardais Aussage wörtlich nimmt, dass ihn diese quälenden Personalentscheidungen irgendwann einmal ins Krankenhaus bringen werden. Von den Spielern, die er schon in dieser Woche auf dem Trainingsplatz zurückerwartet hatte, sind drei weiterhin krank geschrieben. Arne Maier (Hüftprobleme) soll erst am kommenden Dienstag wieder mit der Mannschaft trainieren; Javairo Dilrosun und Mathew Leckie brauchen wohl noch ein paar Tage länger. Alle drei stehen am Samstag im Abendspiel gegen Werder Bremen (18.30 Uhr, Olympiastadion) ebenso noch nicht zur Verfügung wie auch Peter Pekarik.

Pal Dardai könnte sich die Sache leicht machen – und einfach dieselbe Startelf aufbieten wie vor einer Woche in Mönchengladbach. Weil es a) eine taktisch überzeugende Mannschaftsleistung war und b) es unter den elf Spielern selbst bei kritischer Betrachtung keinen gab, der eine unterdurchschnittliche Leistung abgerufen hatte. Also: Never change a winning team! „Ich kenne den Spruch“, sagte Dardai. Und trotzdem kündigte er am Donnerstag an: „Es wird bestimmt Veränderungen geben.“ Nicht nur personell, sondern auch taktisch.

In Gladbach spielte der Berliner Fußball-Bundesligist mit Viererkette in Ballbesitz und mit Dreier-/Fünferkette gegen den Ball. Es ist gut möglich, dass Dardai gegen Bremen zum 3-5-2 mit zwei Stürmern zurückkehrt, um Platz für seinen gefährlichsten Angreifer Vedad Ibisevic (acht Saisontore) zu schaffen; es ist aber auch wieder eine Variante mit nur einem Stürmer (Davie Selke) denkbar.

Valentino Lazaro kehrt ins Team zurück

Valentino Lazaro steht gegen Bremen nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung. Und auch wenn Dardai seinen Vertreter Lukas Klünter für dessen Startelfdebüt gegen Mönchengladbach explizit gelobt hat, darf es als gesichert gelten, dass Lazaro in die Mannschaft zurückkehrt. Der Österreicher war bis zur vergangenen Woche der einzige Berliner, der in jeder Sekunde dieser Saison auf dem Platz gestanden hatte. Theoretisch könnte Klünter auf seiner Position bleiben und Lazaro dafür eine Reihe nach vorne rücken. Auch auf der anderen Seite, der linken, besitzt Dardai mehrere Optionen. In Gladbach spielte Jordan Torunarigha links in der Kette, der von seiner Veranlagung her prädestiniert ist, je nach Spielsituation zwischen Innen- und Außenverteidigung hin- und herzuwechseln. Mit Maximilian Mittelstädt und dem zuletzt eher formschwachen Marvin Plattenhardt gibt es noch zwei weitere Kandidaten für die beiden Außenpositionen, also definitiv einen zu viel.

Dardais taktischer Plan und die personelle Besetzung könnten auch davon beeinflusst werden, wie er den Gegner aus Bremen erwartet. Werder steht nicht zu Unrecht im Ruf, eine Mannschaft zu sein, die es darauf anlegt, Fußball zu spielen. Solche Gegner kommen Hertha entgegen. Am Wochenende aber zeigten die Bremer, dass sie auch anders können. Trainer Florian Kohfeldt verbat Werder gewissermaßen, Werder zu sein. Die Mannschaft überließ dem FC Augsburg bewusst den Ball und überrumpelte ihn dann mit erstklassigem Konterfußball. Am Ende siegte Werder 4:0.

So wenig Ballbesitz wie gegen Augsburg (40 Prozent) hatten die Bremer zuvor noch nie in dieser Saison. In 16 von 21 Spielen waren sie mehr am Ball als ihr Gegner – nur Bayern und Dortmund übertreffen diesen Wert. Gegen Hertha müsste es für Werders Trainer Kohfeldt trotzdem auf der Hand liegen, erneut auf die Taktik vom Wochenende zurückzugreifen. Aber sein Kollege Pal Dardai hat sich auch schon seine Gedanken gemacht. „Für den richtigen Matchplan muss ich noch mit einigen Spielern reden“, sagte er. „Ich habe eine verrückte Idee. Aber das müssen die Spieler auch mitmachen. Wenn sie keine Lust haben, muss ich damit gar nicht erst ankommen.“
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