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Perfekter Einstand. 2013 traf Hertha BSC im ersten Spiel nach dem Aufstieg auf Eintracht Frankfurt. Das 6:1 ist der höchste Sieg der Berliner zum Saisonauftakt. Foto: imago sportfotodienst
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Hertha BSC und der Start in die neue Saison Der Zauber des ersten Mals

Am Samstag geht für Hertha BSC mit dem Derby beim 1. FC Union die neue Saison los. Das gab's noch nie. Diese und andere Besonderheiten zum ersten Spieltag.

An diesem Samstag startet Hertha BSC in die 40. Bundesligasaison seiner Vereinsgeschichte – zum ersten Mal mit einem Derby. Welche Besonderheiten und statistischen Auffälligkeiten es rund um den ersten Spieltag sonst noch gab: Hier eine Auswahl.

Nummer 22. Der 1. FC Union wird der 22. Gegner sein, gegen den Hertha eine Saison eröffnet. Auf bisher zehn Klubs sind die Berliner erst einmal am ersten Spieltag getroffen, auf sechs Vereine zweimal, auf den 1. FC Köln, den 1. FC Nürnberg und Borussia Dortmund je dreimal. Viermal und damit am häufigsten hat Hertha zum Saisonauftakt gegen Werder Bremen (2 Siege, 1 Unentschieden, 1 Niederlage) und Eintracht Frankfurt (2/0/2) gespielt.

Weil’s so schön war. Die Frankfurter sind zudem der einzige Gegner, gegen den Hertha zweimal hintereinander am ersten Spieltag ranmusste – noch dazu beide Male in Frankfurt.

2007, im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Lucien Favre, unterlagen die Berliner der Eintracht mit 0:1. Ein Jahr später nahmen sie durch ein 2:0 erfolgreich Revanche. Trainer der Frankfurter war in beiden Fällen übrigens Friedhelm Funkel, der später Favres Nachfolger bei Hertha wurde.

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Frankfurt zum Dritten. Und noch mal die Eintracht. Im August 2013, im ersten Spiel nach dem vorerst letzten Aufstieg, gelang Hertha BSC gegen die SGE der höchste Auftaktsieg seiner Bundesligageschichte. 6:1 gewannen die Berliner im Olympiastadion und sicherten sich damit Platz eins in der Fußball-Bundesliga, zum einzigen Mal übrigens nach einem ersten Spieltag.

Hohe Siege (und Niederlagen) zum Start sind für Hertha eher die Ausnahme. Nur viermal gewannen sie mit mehr als zwei Toren Unterschied, nur dreimal setzte es eine Niederlage mit mehr als zwei Toren Unterschied.

Gesamtbilanz. Hertha kann auf eine positive Gesamtbilanz zum Saisonstart verweisen. 16-mal gewannen die Berliner das erste Spiel, 10-mal verloren sie, und 13-mal endete die Saisonpremiere unentschieden.

Im eigenen Stadion lautet die Bilanz: 11 Siege, 6 Unentschieden, 4 Niederlagen, auf fremden Platz: 11 Siege, 7 Unentschieden, 6 Niederlagen. Seit dem Aufstieg 2013 hat Hertha fast schon ein Faible für den Saisonstart entwickelt. Von den neun Begegnungen gewannen die Berliner sechs, davon allein zwischen 2015 und 2018 vier am Stück (längste Siegesserie). Nur ein Spiel ging verloren. Das war vor einem Jahr beim 1:3 gegen den 1. FC Köln.

Die Premiere. Das erste erste Spiel überhaupt bestritt Hertha am 24. August 1963 vor 47.911 Zuschauern im Olympiastadion gegen den 1. FC Nürnberg. „Diese Mannschaft ist kein Abstiegskandidat in der Bundesliga, sie wird, wenn sie sich noch besser im Angriff zusammenfindet, durchaus in der Lage sein, ein ernstes und gewichtiges Wort mitzureden“, schrieb der Tagesspiegel über den Start der Berliner in die neu gegründete Bundesliga. „Hertha ist kein Schlachtopfer; den olympischen Rasen verlassen gewiß noch mehr Mannschaften aus dem Bundesgebiet ohne Sieg.“

Es begann mit einem Elfmeter

Hans-Günter Schimmöller erzielte an jenem Samstag im August 1963 das Premierentor für Hertha. In der 59. Minute traf er mit einem von Weltmeister Max Morlock verschuldeten Handelfmeter zum 1:1-Endstand. Morlock hatte die Gäste zuvor in Führung gebracht.

„Als sich Schimmöller den Ball zurechtlegte, war eisiges Schweigen im Rund“, hieß es im Tagesspiegel. „Der Verteidiger trat an und schoß placiert unhaltbar für den in die falsche Ecke startenden Wabra den Ball zum 1:1 ins Netz. Großer Jubel der Berliner und vor allem auch der Zuschauer, die ihr ,Ha-Ho-He! Hertha BSC!‘ lautstark aufklingen ließen.“

Es war der erste von bisher sechs Elfmetern, die Hertha am ersten Spieltag verwandelte. Außer Schimmöller trafen Lorenz Horr (1970), Luggi Müller (1974), Erich Beer (1975), Marcelinho (2005) und Salomon Kalou (2015).

Der zweite vor dem ersten Schritt. Eine besondere Konstellation gab es zu Beginn der Saison 1982/83. Drei Tage, bevor Hertha mit einem 2:2 beim 1. FC Kaiserslautern in die neue Spielzeit startete, gab es im Olympiastadion bereits das Duell mit Borussia Dortmund, das eigentlich am zweiten Spieltag hätte stattfinden sollen. Da der BVB an einem Turnier in Spanien teilnehmen wollte, hatte er die Berliner um Vorverlegung des Spiels gebeten. Hertha willigte ein, verlor 1:3 und stieg am Ende der Saison ab.

Auch 1990, ebenfalls im ersten Spiel nach dem Aufstieg, waren die Berliner erneut früher dran als der große Rest. Gegen den FC St. Pauli spielte Hertha bereits am Donnerstag, da das Olympiastadion am Wochenende anderweitig belegt war. Die Partie ging 1:2 verloren, am Ende der Saison stieg Hertha ab.

Faire Sache. Nur einmal ist ein Spieler von Hertha BSC am ersten Spieltag des Feldes verwiesen worden. Roy Beerens sah 2015, im Auswärtsspiel beim FC Augsburg, nach etwas mehr als einer Stunde für eine regelwidrige Grätsche Gelb-Rot. Glück im Unglück. Kurz vor der Pause war auf Augsburger Seiten Raul Bobadilla ebenfalls vom Platz geflogen. Und kurz nach der Pause hatte Salomon Kalou das Tor erzielt, das Hertha einen 1:0-Sieg bescherte.

Schnelle Nummer. Bart Goor (r.) trifft 2002 schon nach 54 Sekunden für Hertha BSC gegen den Meister Dortmund. Foto: Imago/Team 2 Vergrößern
Schnelle Nummer. Bart Goor (r.) trifft 2002 schon nach 54 Sekunden für Hertha BSC gegen den Meister Dortmund. © Imago/Team 2

Meisterlich. Seit 2002 genießt der Meister der Vorsaison das Privileg, die neue Spielzeit mit einem Spiel am Freitagabend zu eröffnen. Seitdem ist noch kein Titelträger mit einer Niederlage in die Saison gestartet. Angesichts dessen kann sich Herthas Bilanz durchaus sehen lassen. 2002, beim ersten Eröffnungsspiel überhaupt, trotzten die Berliner dem Meister Borussia Dortmund ein 2:2 ab, 2019 mussten sie bei Bayern München ran – und spielten erneut 2:2.

In den Jahren zuvor gab es noch zwei weitere Spielzeiten, in denen Hertha am ersten Spieltag auf den Deutschen Meister traf. Während die Berliner 2000 recht deutlich mit 1:4 dem FC Bayern unterlagen, gelang ihnen 1964 ein echter Coup. Beim 1. FC Köln, dem ersten Bundesligameister überhaupt, lag Hertha bis zur 70. Minute mit 0:2 hinten und gewann am Ende noch 3:2.

Und zweimal hilft der Gegner

Schnell wie nie. Das Spiel beim Meister Dortmund im August 2002 war auch aus einem anderen Grund ein besonders für Hertha BSC. Bart Goor brachte die Gäste aus Berlin bereits nach 54 Sekunden in Führung.

Es war nicht nur das einzige Mal, dass ein Herthaner das erste Tor einer neuen Saison erzielte, es war auch das früheste überhaupt eines Berliners. Das späteste gelang Julian Schieber 2016. Nachdem der SC Freiburg in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 1:1 ausgeglichen hatte, traf Herthas Stürmer in der fünften Minute der Nachspielzeit, kurz nach seiner Einwechslung, zum 2:1-Endstand.

Schieber, nicht unbedingt eine Vereinsikone, ist auch der Spieler, der mit drei Toren Herthas Torschützenliste am ersten Spieltag anführt. Je zweimal trafen Jürgen Weber, Lorenz Horr, Erwin Hermandung, Erich Beer, Wolfgang Sidka, Ali Daei, Marcelinho, Adrian Ramos, Sami Allagui, Mathew Leckie und Dodi Lukebakio.

Rekordtorjäger. Keiner traf häufiger, keiner später am ersten Spieltag für Hertha BSC als Julian Schieber. Foto: imago/Bernd König Vergrößern
Rekordtorjäger. Keiner traf häufiger, keiner später am ersten Spieltag für Hertha BSC als Julian Schieber. © imago/Bernd König

Sidka war 1977 (3:1 gegen Borussia Dortmund) der erste Hertha-Spieler, der am ersten Spieltag zwei Tore erzielte. Später gelang das auch Ramos und Allagui (beide 2013), Schieber (2014) und als bisher letztem Mathew Leckie (2017). Bei seinem Debüt für Hertha gegen den VfB Stuttgart gab der Australier zwei Torschüsse ab und zwei Tore, nachdem er in der Saison zuvor kein einziges Mal für den FC Ingolstadt getroffen hatte.

Insgesamt gab es am ersten Spieltag 51 verschiedene Hertha-Torschützen. Hinzu kommen Dietmar Schwager (1. FC Kaiserslautern, 1970) und Uwe Ehlers (Hansa Rostock, 1999), die beide ins eigene Netz getroffen haben.

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Guter Tipp. 1:1 oder 2:1? Die Experten streiten noch, welches Ergebnis in der Bundesliga am häufigsten vorkommt. Für Herthas Saisonstarts lässt sich das deutlich sagen: keins von beiden. Gleich sechsmal endete das erste Spiel der Berliner 2:2. Kein anderes Resultat gab es so oft. Es folgen: 1:0 (fünfmal, sowohl auswärts als zu Hause) und 0:0 (viermal).

Zu früh gefreut. Im ersten Spiel der Saison 2004/05 führte Hertha im Olympiastadion schon 2:0 gegen den VfL Bochum. Trotzdem reichte es am Ende nur zu einem 2:2. Ärgerlich. Und doppelt ärgerlich, dass den Berlinern das gleiche Missgeschick in der kommenden Saison erneut unterlief. Bei Hannover 96 lagen sie 2:0 vorne und mussten sich am Ende mit einem 2:2 begnügen. Und dreifach ärgerlich, dass dies 2014 ein drittes Mal passierte, diesmal wieder zu Hause und gegen Werder Bremen.

Immer wieder auswärts. Hertha eröffnet die neue Spielzeit zwar an diesem Samstag mit einem Spiel in der eigenen Stadt, jedoch nicht im eigenen Stadion. Mit dem Derby gegen den 1. FC Union in der Alten Försterei beginnt die Saison für Hertha bereits zum vierten Mal hintereinander mit einem Auswärtsspiel. So war es auch schon einmal zwischen 2005 und 2008.

Vier Heimspiele am Stück gab es für Hertha ebenfalls je zweimal, allerdings mit Unterbrechungen, weil die Berliner nicht durchgängig erstklassig waren: von 1990 bis 1999 und von 2009 bis 2014.

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