Hart am Mann. Rekik bringt alles mit, was ein guter Innenverteidiger braucht. Foto: REUTERS
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Hertha BSC: Schwere Entscheidung für Pal Dardai Kehrt Karim Rekik schon gegen Schalke 04 ins Team zurück?

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Jordan Torunarigha hat gegen Bayern überzeugt - trotzdem wird er seinen Platz in der Innenverteidigung wohl über kurz oder lang an Karim Rekik verlieren.

Auf dem Trainingsplatz von Hertha BSC ist es in den vergangenen Tagen deutlich lauter geworden. „Bien joué“, hallt es über den Platz, gut gespielt; „very good, Maxi“, bekommt Maximilian Mittelstädt zu hören. Es ist ein Gemisch aus Englisch und Französisch, aber es ist immer dieselbe sonore Stimme. Sie gehört Karim Rekik, Holländer aus Rotterdam, ausgebildet in England, zuletzt in Marseille unter Vertrag. Zehn Wochen hat er mit einer Sprunggelenksverletzung pausieren müssen, seit zehn Tagen trainiert er jetzt wieder mit Herthas Mannschaft. Selbst mit verbundenen Augen würde einem das nicht entgehen.

Genau dafür – für seine Präsenz auf dem Platz – schätzen sie Rekik bei Hertha BSC. Für seine ordnende Hand, mit der er aus der Innenverteidigung heraus die ganze Mannschaft führt. Aber auch für seine Zweikampfhärte. Seine Spieleröffnung. Seine Übersicht. Und seine Kopfballstärke. Viel mehr kann man von einem Innenverteidiger eigentlich nicht verlangen. „Er ist ein ganz erfahrener Spieler für uns“, sagt Rainer Widmayer, der Assistent von Herthas Cheftrainer Pal Dardai. Karim Rekik ist im Dezember 23 geworden.

Erst im Sommer ist er von Olympique Marseille nach Berlin gewechselt, aber Rekik hat nicht lange gebraucht, um seine neuen Vorgesetzten für sich einzunehmen. Schon nach den ersten Trainingstagen hatte Dardai festgestellt: „Er ist ein sehr intelligenter Fußballer. Ich suche noch den Haken: Warum hat er nicht gespielt?“ In Marseille hatte der Holländer monatelang nur auf der Bank gesessen, weshalb Hertha ihn für vergleichsweise schlanke 2,5 Millionen Euro verpflichten konnte. Den Haken haben sie in Berlin bis heute nicht gefunden.

Vielleicht gibt es auch keinen.

Rekik hat sich auf Anhieb einen Stammplatz erobert. In der Hinrunde stand er bis zum vorletzten Spieltag der Bundesliga in jeder Sekunde auf dem Feld – bis ihn Hannovers Noah Joel Sarenren Bazee mit gestrecktem Bein am Knöchel erwischte. Aus den zunächst prognostizierten zwei Wochen Pause wurden am Ende zweieinhalb Monate. „Das passiert im Fußball, das ist Teil des Jobs“, sagt Rekik. „Manchmal dauert es einfach.“ Jetzt aber könnte es für ihn ganz schnell gehen. „Bei Karim sieht es gut aus“, sagt Dardai. Am Wochenende hat der Innenverteidiger in einem Testspiel der U 23 eine Stunde auf dem Platz gestanden. Trotzdem findet Dardai, dass man über einen Startelfeinsatz noch nicht reden müsse – aber das liegt allein daran, dass es noch ein paar Tage sind, bis Hertha beim FC Schalke spielt (Samstag, 15.30 Uhr). „Kann sein, dass Karim spielt“, sagt der Ungar, „das muss ich mir noch überlegen.“

Torunarigha genießt noch einen Bonus

Im Training ist Rekik diese Woche noch in der vermeintlichen B-Elf aufgelaufen, bei den Herausforderern, während sein Platz in der A-Elf von seinem jungen Vertreter Jordan Torunarigha, 20, eingenommen wurde. Ob er sich jetzt erst einmal als Herausforderer sehe, der Torunarigha aus der Stammelf verdrängen müsse, ist Rekik daraufhin gefragt worden. „Ich rede nicht über andere Spieler“, antwortete er. „Ich schaue nur auf mich.“

Stammspieler oder Platzhalter? Jordan Torunarigha (l.) hat gegen Bayern einen exzellenten Job gemacht. Foto: REUTERS
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Was er dabei sieht, ist vielversprechend. Rekik macht nicht den Eindruck, noch allzu viel aufarbeiten zu müssen. „Ich fühle mich sehr gut“, sagt er. „Und ich vertraue meinen Fähigkeiten.“ So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis er wieder auf dem Platz stehen wird; aber es ist eher fraglich, ob diese Zeit schon am Samstag gegen Schalke gekommen sein wird. „Ich finde, Karim ist von den drei Innenverteidigern der beste“, sagt Dardai. Trotzdem sei es eine sehr schwierige Entscheidung. Aus psychologischer Sicht kann Dardai Torunarigha eigentlich nicht aus der Mannschaft nehmen. Nicht nach seinem Auftritt in München, als sich die Berliner mit einer überzeugenden Defensivleistung ein 0:0 erkämpften. „Es gab ein paar Stellungsfehler und und ein bisschen Naivität“, sagt Dardai über seine beiden jungen Innenverteidiger Torunarigha und Niklas Stark, 22. „Aber sie haben zu null gespielt bei den Bayern. Das ist ein Bonus.“

Auch am Mittwoch standen sich Rekik und Torunarigha im Training wieder als Gegner gegenüber. Einmal hob Torunarigha den Ball in die Luft und setzte ihn dann per Fallrückzieher ins Tor. Es war, als wollte er allen zeigen: Hallo, ich bin auch noch da. So wie er das am Wochenende gegen die Bayern und Robert Lewandowski getan hat. „Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass er ein großes Talent ist“, sagte tags darauf Dardais Assistent Widmayer. „Aber er ist immer noch ein Talent. Um den nächsten Schritt zu machen, muss er einfach Konstanz in sein Spiel kriegen. Das traue ich ihm zu.“

Das Problem ist: Jordan Torunarigha könnte schon bald deutlich weniger Gelegenheiten bekommen, Konstanz in sein Spiel zu kriegen.

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