Ein Kinderwunsch der anderen Art. Die aktive Fanszene von Hannover 96 bleibt hartnäckig. Foto: Swen Pförtner/dpa
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Hannover 96 Martin Kind kämpft mit allen Mitteln

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Martin Kind streitet um die Macht bei Hannover 96 – und will deshalb keine Außerordentliche Mitgliederversammlung zulassen. Nun drohen Klagen.

Martin Kind und Uli Hoeneß müssen derzeit leiden. Der eine, Kind, weil ihm die Mitglieder von Hannover 96 die Macht entreißen wollen. Der andere, Hoeneß, weil sie ihm zu schwinden droht. Beide Fälle weisen Parallelen auf – und sind doch grundverschieden. Aber um besser verstehen zu können, warum die Lage in Hannover zu einem juristischen Scharmützel verkommen ist, lohnt der Blick nach München. Auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern geigten Teile der Mitgliederschaft Hoeneß derart aufmüpfig die Meinung, dass dieser hernach mitteilte: „Ich hoffe, dass es sich wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern.“ Mein FC Bayern?

Der Eindruck, dass ein Verein einer Person gehören kann, drängt sich im Fall Uli H. schon länger auf. Es war deshalb gar nicht so verkehrt, dass das Bayern-Mitglied Johannes Bachmayr feststellte: „Es ist nicht Ihr Stadion, der Verein ist nicht Ihr Eigentum.“ Laut der Satzung des FC Bayern darf Uli Hoeneß tatsächlich nicht bestimmen, wie lange Uli Hoeneß dem FC Bayern als Präsident vorstehen soll. Es sind die Mitglieder, die das tun. Im November 2019, bei der nächsten Jahreshauptversammlung, entscheiden sie, wer den Verein ins nächste Jahrzehnt führen soll. Der angezählte Hoeneß oder doch lieber ein anderer.

Bei Hannover 96 will Martin Kind eine derartige Entscheidung gar nicht erst zulassen. Für ihn steht schon fest, dass der Klub sein Eigentum ist, er hat ja schließlich dafür bezahlt. Die ihm lästige Basis will er deshalb abstreifen, in dem er den Profifußball zu einem exklusiven Gut der Vermögenden umwandelt. Eine Außerordentliche Mitgliederversammlung, durch die er wohl die Zuneigung des Aufsichtsrates verlieren würde, ließ er kurzerhand für nicht statthaft erklären. Der Vorstand stütze sich auf ein unabhängiges Rechtsgutachten. In der 96-Satzung steht dagegen nur: „Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist vom Vorstand auf schriftlichen Antrag von mindestens fünf Prozent der Mitglieder innerhalb von fünf Wochen nach Eingang des Antrages einzuberufen.“ Weil dieser Passus erfüllt ist, drohen 96 nun Klagen.

Es geht auch in Hannover um die übergeordnete Frage, wem der Verein gehört und wie er geführt werden soll. Der Konflikt ist ein fortwährend eskalierender.

1310 Unterschriften reichte Kinds Opposition ein

Auf der einen Seite Martin Kind, der Vereinspräsident, auf der anderen seine internen Kritiker, die sich vor allem unter dem Dach der „Interessengemeinschaft Pro Verein 1896“ (IG) zusammengeschlossen haben. Die IG hat ein übergeordnetes Ziel: An der ausgegliederten Profifußball-Sparte (der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA), die die Bundesliga-Lizenz inne hält, soll der Stammverein (Hannoverscher Sport-Verein von 1896 e.V.) weiterhin die Stimmenmehrheit halten. Kurz gesagt: Der e.V. bestimmt, wer die Geschäfte des Profifußballs leiten darf. Martin Kind argumentiert dagegen: Den Geschäftsführer müssen die Investoren bestimmen. Womit er sich meint, weil Kind die meisten Kapital-Anteile an der KGaA hält. Im März will er als Präsident des e.V. ausscheiden, als Investor aber weiterregieren.

Kinds Auffassung widerspricht der 50+1-Regel, für die ihm die Deutsche Fußball-Liga (DFL) auch keine Ausnahme genehmigen wollte. Weil Kind eigenmächtig dennoch erwirkt hat, der Investorenseite mehr Einfluss auf die KGaA zu verschaffen als ihr zusteht, drohen Sanktionen seitens der DFL. Selbst die Bundesliga-Lizenz sei gefährdet, berichtete die „Sport Bild“. Kind tut das ab. Im Zweifel, so ist zu vernehmen, würde er die Satzungsänderungen wohl wieder rückgängig machen. Sein Plan ist allerdings ein anderer. Kind hat gegen den DFL-Entscheid vor dem Schiedsgericht des DFB geklagt. Er hofft darauf, dass er auf diesem Weg doch noch eine Ausnahmegenehmigung für die 50+1-Regel bekommt. Falls nicht, will er eine zivilrechtliche Klage anstrengen. 50+1 könnte dann komplett gekippt werden – genau vorhersagen kann das aber niemand.

Bei 96 wollen die Kind gegenüber kritisch eingestellten Mitglieder nicht von Gerichtsurteilen abhängig sein. 1310 Unterschriften haben sie beim Verein eingereicht, um eine Außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Einziger Tagesordnungspunkt sollte die Abwahl des Aufsichtsrates sein, über den Kritiker sagen, er kontrolliere Kinds Arbeit als e.V.-Präsident nicht ausreichend.

Ein neuer Aufsichtsrat könnte den von Kind zugunsten der Kapitalseite eingeschlagenen Kurs stoppen, hoffen sie bei der IG. Kind, der genau dies fürchtet, kämpft deshalb auch an dieser Front mit allen Mitteln. Der Profifußball soll sein Eigentum bleiben.

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