Es ist nicht zu glauben: Deutschlands Torhüter Andreas Wolff hat nach dem Tor zum Spielende sein Trikot über den Kopf gezogen. Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Handball-WM Deutschland kassiert den Ausgleich in letzter Sekunde

Das deutsche Team steht in der Hauptrunde. Doch wie schon gegen Russland verhindert auch Frankreich Deutschlands Sieg mit dem letzten verzweifelten Wurf.

Die Situation war identisch mit der des Vorabends. Der Videowürfel in der Arena am Berliner Ostbahnhof zeigte noch wenige Sekunden an. Im Vorrundenspiel der Handball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Titelverteidiger Frankreich gehörte der Gastmannschaft wie schon tags zuvor gegen Russland erneut der letzte verzweifelte Wurf – und wieder schlug er hinter Andreas Wolff ein. Der deutsche Nationaltorhüter konnte dem Ball von Timothey N’Guessan nur noch machtlos hinterhersehen, wie er zum 25:25 (12:10)-Endstand im Netz landete.

Im Gegensatz zum dritten Vorrundenspiel fühlte sich das Unentschieden diesmal immerhin wie ein Achtungserfolg an – und nicht wie eine Niederlage. Das registrierten auch die 13500 Besucher. Wenige Augenblicke nach der Schlusssirene honorierten sie den leidenschaftlichen Kampf, den das Nationalteam dem Weltmeister Frankreich geliefert hatte, mit lautstarkem Applaus und aufmunternden Gesängen. Warum sollten sie auch nicht feiern? Dank des unverhofften Unentschiedens stehen die Deutschen bereits vor dem letzten Gruppenspiel gegen Serbien (Donnerstag) sicher in der Hauptrunde von Köln und wahrten damit ihre Chance auf den Halbfinaleinzug.

Brasilien leistet Schützenhilfe

Überhaupt hatte der Tag für das Team von Bundestrainer Christian Prokop mit guten Nachrichten begonnen: Brasilien leistete Schützenhilfe in Form eines 25:23-Sieges gegen Russland, das den Deutschen am Abend zuvor in letzter Sekunde ein Remis abgerungen hatte. Wenn die Russen den Einzug in die Hauptrunde verpassen sollten, wäre der Ausrutscher irrelevant. Die Qualifikanten nehmen nur die Punkte gegen die Teams mit, die ebenfalls weiterkommen.

Darüber hinaus durften sich die Deutschen glücklich schätzen, dass Frankreichs nachnominierter Superstar Nikola Karabatic am Dienstagabend (noch) nicht mitwirkte. Karabatic erschien in der Arena und auf dem Videowürfel, aber nicht auf dem Feld. Allerdings war auch so jedem klar, dass der Titelverteidiger über eine auf international höchstem Niveau konkurrenzfähige Truppe verfügt.

Auf Anregung des Teams übermittelte der Hallensprecher den Besuchern einen speziellen Wunsch: Bei Unterzahlsituationen waren alle angehalten, sich von ihren Sitzen zu erheben.

"Man of the Match": Fabian Wiede von den Füchsen Berlin brachte die Halle am Ostbahnhof zum Wackeln. Foto: Odd Andersen/AFP Vergrößern
"Man of the Match": Fabian Wiede von den Füchsen Berlin brachte die Halle am Ostbahnhof zum Wackeln. © Odd Andersen/AFP

Die Deutschen erwischten einen guten Start und gingen nach Treffern von Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth schnell mit 2:0 in Führung. Hinten vernagelte Andreas Wolff in Kombination mit seinen Vorderleuten das Tor. Der Keeper musste erst nach sieben Minuten hinter sich greifen. Die Anfangsphase war ein Sinnbild für das, was kommen sollte: eine zünftige Abwehrschlacht. Beide Abordnungen verschleppten das Tempo, spielten ihre Angriffe lange aus und verteidigten mit allen legalen und illegalen Mitteln.

"Wir haben uns wieder nicht belohnt"

So leidenschaftlich wie die Deutschen die Bälle in der Defensive erkämpften, so leichtfertig schenkten sie sie aber phasenweise auf der anderen Seite her. Mit zunehmender Spielzeit gewann das Offensivspiel an Struktur und Erfolg: Fabian Wiede jagte zwei brachiale Distanzwürfe in den Winkel und brachte die Wände der Arena damit zum Wackeln. Zur Pause führte der Gastgeber mit 12:10 - ein Halbzeitresultat wie aus den 80er Jahren.

Nach dem Seitenwechsel zeigten die Franzosen ihre ganze Klasse: Binnen fünf Minuten verwandelten sie einen Zwei-Tore-Rückstand in die erste Führung des Abends, Kentin Mahé traf per Siebenmeter zum 14:15. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: In doppelter Überzahl erzielte Hendrik Pekeler das 18:17. Die Schlussphase war schließlich an Dramatik schwer zu übertreffen – bis Timothey N’Guessan zum schmeichelhaften Ausgleich für den Titelverteidiger traf.

"Es war ein super Spiel von uns, aber wir haben uns nicht belohnt", ärgerte sich Uwe Gensheimer im Interview mit dem ZDF. Trainer Prokop lobte sein Team dennoch: "Die Art und Weise unseres Spiels war heute begeisternd."

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