Kommt auch in starker Bedrängnis noch zum Abschluss: Der Berliner Paul Drux. Foto: AFP
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Handball-WM 2019 Deutschland feiert gegen Serbien eine große Party

Die Handball-Nationalmannschaft besiegt Serbien im letzten WM-Vorrundenspiel klar. Drei Berliner Lokalgrößen haben dabei besonders viel Freude.

Finn Lemke setzte zum Durchbruch an, schraubte seine 2,10 Meter in die Luft und scheiterte aus Nahdistanz an der Spannweite Vladimir Cuparas. Der Abpraller landete direkt in den Händen von Matthias Musche, der ebenfalls überall hätte hinwerfen können – und schließlich doch den serbischen Nationaltorhüter abwarf. Durch die mit 13500 Fans besetzte, ausverkaufte Halle am Berliner Ostbahnhof ging am Donnerstagabend ein langes, lautes Raunen. Ooooooooh!

Normalerweise gehen Handball-Trainer an die Decke, wenn ihre Spieler solch klare Gelegenheiten derart leichtfertig vergeben. Christian Prokop nahm es allerdings mit Humor: selbst nach der vergebenen Doppelchance stand der Bundestrainer an der Seitenlinie, er lachte und klatschte – und gab Lemke, seinem Abwehrspezialisten, einen Spruch mit. Was sollte auch noch anbrennen?

 Genau wie alle anderen Menschen in der Halle wusste Prokop zu diesem Zeitpunkt, nach 53 gespielten Minuten, dass seiner Mannschaft nichts mehr passieren konnte: Im letzten Vorrundenspiel der Handball-Weltmeisterschaft führte Gastgeber Deutschland komfortabel mit 26:19, die Schlussphase geriet zum Schaulaufen. Und am Ende, das Spiel war 31:23 für die Deutschen ausgegangen, taten die Berliner Fans genau das, was sie bereits in den vier vorangegangenen Vorrundenbegegnungen getan hatten: sie feierten das Nationalteam minutenlang mit stehenden Ovationen. „Es waren überragende Tage hier in Berlin, wir hatten eine Riesenzeit. Jetzt haben wir alles in der eigenen Hand“, sagte Prokop. „Wir verabschieden uns mit einem guten Gefühl nach Köln“, ergänzte der Bundestrainer.

Heinevetter sorgt für das Highlight zum Schluss

 Am Freitag reist die deutsche Mannschaft mit 3:1 Punkten und guten Aussichten im Gepäck zur Hauptrunde weiter. Dort darf sie sich mit den Qualifikanten aus der Gruppe B – namentlich Spanien, Kroatien und Island – um den Halbfinaleinzug streiten. „Das war ein wichtiges Spiel für uns, obwohl es um nichts mehr ging“, sagte Torhüter Silvio Heinevetter. Nach dem Sieg über Brasilien und dem Remis gegen Weltmeister Frankreich waren die Deutschen bereits vor dem Anpfiff sicher für die nächste Runde qualifiziert. „Jetzt freuen wir uns riesig auf Köln und hoffen, dass die Euphorie, die hier in Berlin geherrscht hat, mit rüberschwappt“, ergänzte Heinevetter.

13500 Zuschauer sahen von Beginn an ein munteres, unterhaltsames und kurzweiliges Spiel, dem die sportliche Bedeutungslosigkeit allerdings auch anzumerken war. Die Defensivreihen packten längst nicht so aggressiv und entschlossen zu wie im bisherigen Turnierverlauf – obendrein verschaffte Bundestrainer Prokop seinen Stammkräften Verschnaufpausen: Heinevetter begann für Wolff im Tor, Linksaußen Matthias Musche ersetzte bereits nach einer Viertelstunde Kapitän Uwe Gensheimer und der mit 21 Jahren jüngste im Kader, Franz Semper, stand ebenfalls in der ersten Sieben.

 In Halbzeit eins spielten sich vor allem die drei Lokalgrößen von den Füchsen Berlin in den Vordergrund: Heinevetter zeigte ein paar hübsche Paraden, Paul Drux steuerte die Offensive und Fabian Wiede traf nach 26 Minuten zur ersten Drei-Tore-Führung an diesem Abend (14:11). Später sah Drux nach drei Zeitstrafen zwar eine Rote Karte. Diese hat jedoch keine Konsequenzen: In Köln darf der gebürtige Gummersbacher wieder mitwirken.

 Nach dem Seitenwechsel (16:12) schafften es die Deutschen, ihr erklärtes Ziel weiter in die Tat umzusetzen: den Rhythmus zu halten und alle Protagonisten einzubinden. Abgesehen von Patrick Groetzki und Finn Lemke erzielte jeder Feldspieler mindestens einen Treffer, die meisten verbuchte Matthias Musche (5). Zehn Minuten vor dem Ende betrug der Vorsprung komfortable zehn Tore. Dass es die Nationalmannschaft angesichts ihrer Führung in den Schlussminuten ein wenig lockerer angehen ließen, störte hinterher niemanden mehr – die Zuschauer ohnehin nicht. Mit der Schlusssirene sahen sie noch ein Highlight: Torhüter Silvio Heinevetter warf den Ball aus seinem Halbkreis über das ganze Feld zum 31:23-Endstand ins leere serbische Tor.

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