Lokalmatador. Martin Zwicker hat mehr als 200 Länderspiele bestritten – die WM in Berlin ist allerdings das erste große Turnier in der Halle, an dem er teilnimmt. Foto: imago/Matthias Koch
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Hallenhockey-WM in Berlin Martin Zwicker: Ein Mann, vier Jobs

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Martin Zwicker spielt ab Mittwoch mit dem Hockey-Nationalteam bei der Hallen-WM in Berlin – zugleich soll er den BHC in eine bessere Zukunft führen.

Das Schlechte hat manchmal auch seine guten Seiten. Martin Zwicker zum Beispiel konnte am Samstag mal wieder ins Olympiastadion gehen, um sich ein Spiel von Hertha BSC anzuschauen. Zwicker hätte gerne darauf verzichtet, weil er eigentlich mit dem Berliner Hockey-Club beim Final Four in Stuttgart um die deutsche Hallen-Meisterschaft spielen wollte. Doch dafür hätte er mit dem BHC eine Woche zuvor eben das Viertelfinale gegen den Crefelder HTC gewinnen müssen – was ihm trotz einer 3:0-Führung nicht gelang.

So ein freies Wochenende ist ja auch was Schönes. Vor allem, wenn man so eingespannt ist wie Martin Zwicker. Er spielt nicht nur für den BHC in der Bundesliga, er hat auch mehr als 200 Länderspiele bestritten und ist ab Mittwoch bei der Hallen-WM in der Max-Schmeling-Halle im Einsatz. Dazu studiert er Sportwissenschaften an der Humboldt-Universität – und ist seit Oktober Sportlicher Leiter beim Berliner HC. Ziemlich viel für einen einzelnen Menschen. „Ich telefoniere gerade viel im Auto“, erzählt Zwicker.

"Wir sind ein bisschen ins Hintertreffen geraten"

Die Aufgabe als Sportlicher Leiter ist eigentlich schon ein Fulltimejob. Zwicker soll die Nachwuchsarbeit des BHC optimieren, den Talenten helfen, damit sie sich bestmöglich entwickeln – so wie er selbst das getan hat. Laut Klubpräsident Götz Faude verkörpert Zwicker „die Vereinsphilosophie wie kein anderer“. Schon als Schüler ist Zwicker aus seiner Heimatstadt Köthen nach Berlin gependelt, um für den BHC zu spielen. Die Idee, als Sportlicher Leiter anzufangen, fand er „megainteressant“, aber natürlich hatte das Angebot auch den Hintergrund, ihn langfristig an den Klub zu binden. Im Unterschied zu den Klubs aus Hamburg, Köln oder Mannheim kann der BHC seinen Spielern nämlich finanziell wenig bieten. Trotzdem hat er sich lange in der nationalen Spitze gehalten. Inzwischen aber wird das immer schwieriger. „Der BHC steht für Jugendarbeit“, sagt Zwicker. „Aber wir sind ein bisschen ins Hintertreffen geraten.“

Bei der Hallen-WM in Berlin werden zwei Berliner dabei sein: bei den Frauen – wie zuletzt eigentlich immer – niemand, bei den Männern Martin Häner, 29, und Martin Zwicker, 30, die schon seit dreizehn respektive zehn Jahren für die Nationalmannschaft spielen. In dieser Zeit sind mit Pilt Arnold und Jonas Gomoll gerade noch zwei Nationalspieler vom BHC dazugekommen. Jamilon Mülders, der frühere Bundestrainer der Frauen, hat im vergangenen Sommer geklagt: „Der BHC hat keine gute Jugendarbeit gemacht. Er hat sich ausgeruht auf der Vergangenheit. Es gibt große Löcher und wenig Talente.“

Es ist nicht so, dass der Klub das nicht selbst erkannt hätte. Mit dem Engländer Matthew Hetherington hat er vor knapp vier Jahren einen Sportdirektor eingestellt, der sich um die großen Linien kümmern sollte, sich dann aber im Kleinen verzettelt hat. Er musste neben seiner eigentlichen Tätigkeit auch noch als Trainer der Männer und Frauen aushelfen – was vermutlich jeden überfordert hätte. Inzwischen ist Hetherington Geschichte.

Ende des Jahres will Zwicker sein Studium beenden

Auch Martin Zwicker sagt über seine neue Aufgabe: „Es ist erst einmal viel mehr als gedacht.“ Dabei ist die Jobbeschreibung eine andere als damals bei Hetherington. Als Sportlicher Leiter soll er sich ausschließlich um den Nachwuchs kümmern – und er tut das von Grund auf. Aktuell arbeitet Zwicker daran, einen Leitfaden für die Nachwuchsarbeit zu erstellen, eine Klubphilosophie, die für alle Trainer und alle Teams bindend ist, damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Als Mittelfeldspieler auf dem Platz ist Zwicker jemand, der immer versucht, seinen Nebenleuten zu helfen, der viel redet und viele Anweisungen gibt. „Ab und zu gehe ich ihnen wahrscheinlich schon auf den Sack“, sagt er selbst. Aber er sei nun mal sehr detailaffin, ehrgeizig auch – „ich lass wenig mit mir machen“. Das alles hilft ihm auch in seinem neuen Job.

Der Vertrag ist unbefristet. Doch wie lange Zwicker als Sportlicher Leiter für den BHC tätig sein wird, das weiß er nicht. „Jeder fragt mich, wie es nach dem Studium weitergeht“, erzählt er. Aber er will und kann das gar nicht. Bis Ende des Jahres plant er sein Studium zu beenden, danach will er noch in Indien bei der WM auf dem Feld dabei sein. Alles andere ist in der Schwebe, hängt auch davon ab, wie es nach dem Studium beruflich für ihn weitergeht. Nur eines weiß Martin Zwicker ganz sicher: dass er am Sonntag in Berlin mit der Nationalmannschaft Weltmeister in der Halle werden will.

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