Viel los im Wasser zwischen den Wasserfreunden Spandau 04 (schwarze Kappen) und Waspo Hannover. Foto: imago images/Nordphoto
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Große Aufregung um ein Foul Mal wieder Ärger zwischen Spandau 04 und Waspo Hannover

Die Finalserie der ewigen Wasserball-Rivalen nimmt an Schärfe deutlich zu. Hannovers Präsident Seidensticker spricht von „vorsätzlicher Körperverletzung“.

Bernd Seidensticker ist auch mit einigem zeitlichen Abstand noch sauer. Der Präsident von Waspo Hannover spricht von „vorsätzlicher Körperverletzung“. Es geht um eine Szene aus dem zweiten Finalspiel am Samstag, das Hannover 9:6 gewann, die für große Aufregung gesorgt hatte.

Marko Stamm, Kapitän der Wasserfreunde Spandau 04 war hinter Hannovers Fynn Schütze hergeschwommen und hatte sich zu einer unsportlichen Aktion unter Wasser hinreißen lassen, die mit einem dauerhaften Ausschluss geahndet wurde.

„Ich bin davor mehrmals getreten worden und dann sind mir die Sicherungen durchgebrannt“, sagt Stamm nun, „aber so etwas darf mir nicht passieren.“ Seidenstickers Aussage dazu hält er für ziemlich überzogen: „Wenn er das als Motivation braucht, dann ist es eben so.“

Am Sonntag hatten die Wasserfreunde durch den 12:9-Sieg im dritten Spiel in der Best-of-five-Serie um die deutsche Meisterschaft auf 1:2 verkürzt und Spandaus Präsident Hagen Stamm empfiehlt in Richtung Seidensticker: „Vielleicht wäre es gut, wenn sich jeder auf die Analyse des Spiels konzentrieren würde.“

In der ersten Begegnung habe es eine sehr unfaire Szene eines Waspo-Spielers gegeben habe, „das haben wir nicht thematisiert. Wenn man in acht Überzahlsituationen nur ein Tor macht, braucht man sich nicht über andere Dinge beklagen.“

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Rekordmeister Spandau und Herausforderer Hannover, das ist seit Jahrzehnten das große Duell im deutschen Wasserball – im und neben dem Becken. Die Präsidenten Stamm und Seidensticker pflegen schon lange ein Nicht-Verhältnis. Und bereits Anfang der 90er Jahre gab es in Finalspielen Ärger. Es schaukelte sich so hoch, dass drei Spieler von Waspo vor den Olympischen Spielen 1992 aus der Nationalmannschaft zurücktraten. Dagegen nehmen sich die aktuellen Scharmützel vergleichsweise harmlos aus.

Gerade noch rechtzeitig gesteigert

In den Finals hat sich Spandau am Sonntag in einer Partie mit erneut vielen Emotionen zurückgemeldet. Es war nach zwei Niederlagen das erste Spiel, in dem die Wasserfreunde auf einem einer Finalserie würdigen Niveau agierten. Zudem hatten sie mit Dmitri Kholod, der sechs Treffer erzielte, und dem exzellent haltenden Torwart Laszlo Baksa zwei Spieler in ihren Reihen, die die Partie prägten. Für Hagen Stamm war es eine „Wiedergeburt“ des Titelverteidigers.

Wenig überraschend gingen bei den Beteiligten die Meinungen über die Leistung der Schiedsrichter auseinander. „Völlig okay“, befand Stamm. „Bei einem so wichtigen Spiel müssen die besten Leute pfeifen, das war nicht der Fall“, kritisierte Seidensticker, der allerdings einräumte: „Verloren haben wir das Spiel selbst.“

Am Mittwoch um 18 Uhr treffen die ewigen Rivalen im Volksbad Limmer zum vierten Spiel aufeinander. Einen Favoriten – da sind sich beide Seiten mal einig – gibt es nicht mehr. Waspo hat zwar den Vorteil, zu Hause alles entscheiden zu können, während Spandau einen Sieg braucht, um das fünfte Spiel zu erreichen. „Aber Hannover hat jetzt auch Druck“, sagt Hagen Stamm, „sie wollen bestimmt nicht noch einmal nach Berlin kommen.“

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Seidensticker glaubt fest an den Erfolg im eigenen Bad: „Wir sind willensstärker.“ Und: „Siege gegen Spandau sind die schönsten Siege.“ Ersetze Spandau durch Waspo und die Wasserfreunde würden den Satz sicher unterschreiben. Marko Stamm hat bereits gesagt, dass es ihm gut gefallen würde, Hannovers Meisterfeier zu verhindern.

Es war bisher nicht seine Finalserie: Beim Auftakt fehlte er krank, beim zweiten Spiel musste er nach der Aktion gegen Schütze zuschauen, beim dritten lief es besser. Angeschlagen ist der 32-Jährige noch, aber er sagt mit großer Überzeugung: „Spätestens zum fünften Spiel bin ich ganz fit.“ Am Sonntagnachmittag, nach dem dritten Finale, gab es vor der Halle ein kurzes Zusammentreffen zwischen ihm und Fynn Schütze.

Stamm nutzte die Gelegenheit, entschuldigte sich für die Aktion tags zuvor und „ich habe ihm noch gesagt, falls er mir mal im Spiel auf die Glocke haut, weiß ich warum.“ Schütze habe die Entschuldigung angenommen.

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