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Grischa Prömel traf zuletzt in Freiburg zum 1:0 für Union. Foto: Huebner/Imago
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Grischa Prömel verlässt den 1. FC Union Abschied mit Wehmut

Grischa Prömel steht vor seinem letzten Einsatz für den 1. FC Union. Der Abgang schmerzt den Klub – und auch den Spieler selbst.

Eigentlich kann das Leben doch so schön sein in Köpenick. Am Dienstag etwa, als die Bäume um das Stadion an der Alten Försterei wieder prächtig grün strahlten, und auch die Vögel vom zweiten Jahr im europäischen Wettbewerb zu singen schienen. „Ich habe hier eine Wohlfühloase“, sagte Grischa Prömel mit mehr als ein bisschen Wehmut, als er sich im sonnigen Biergarten zum letzten Mal als Berliner vor die Presse stellte. „Es fällt mir natürlich gar nicht leicht, Union Berlin zu verlassen“, fügte er hinzu.

Dass er das tut, steht eigentlich seit Monaten fest. Schon im Februar hat Prömel mitgeteilt, dass er im Sommer nach fünf Jahren bei Union zu seinem früheren Arbeitgeber TSG Hoffenheim zurückkehrt. Er habe sich vor allem wegen der „sportlichen Perspektive“ dafür entschieden, sagte er am Dienstag. Auf Verständnis trifft diese Begründung in der Hauptstadt aber nur bedingt.

Denn zumindest kurzfristig ist diese Perspektive vielleicht nicht so rosig, wie es noch vor einigen Monate schien. Als Prömel seinen Abgang im Februar verkündete, war Hoffenheim noch vor Union auf Platz fünf. Mittlerweile ist die TSG aber wieder ins Mittelmaß abgerutscht, während Union im letzten Saisonspiel daheim gegen den VfL Bochum am Samstag einen Europa-League-Platz sichern kann.

Er stehe aber nach wie vor zu seiner Entscheidung, sagte der Mittelfeldspieler am Dienstag. Schließlich spielen auch andere Faktoren mit, wie die Nähe zu seiner Familie in Stuttgart und das vermutlich etwas üppigere Gehalt. Und die Entscheidung bis zum Saisonende zu vertagen, sei für ihn auch keine wirklich Option gewesen: „Ich wollte nicht Ewigkeiten warten, denn ich wollte dem Verein gegenüber fair sein“, sagte er.

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Die damit geschaffene Klarheit hat der Klub auch gut genutzt. Wie die Köpenicker am Montag mitteilten, wechselt Janik Haberer zum Saisonende ablösefrei vom SC Freiburg in die Hauptstadt. Als flexibler offensiver Mittelfeldspieler scheint er zumindest auf den ersten Blick perfekt dafür geeignet, die Prömel-Lücke im Team zu schließen. Erneut scheint Union-Manager Oliver Ruhnert in der Lage zu sein, einen schwerwiegenden Verlust schnell und schmerzlos zu kompensieren.

Dennoch wiegt dieser Abgang irgendwie besonders schwer. Zum einen hat Prömel in dieser Saison eine große Entwicklung genommen, hat seinen im Winter zu Borussia Mönchengladbach abgewanderten Kumpel Marvin Friedrich als Vizekapitän ersetzt, und seinen Beitrag dazu geleistet, dass die Mannschaft auch nach dem Wechsel von Max Kruse nach wie vor offensiv gefährlich geblieben ist.

Zudem war er in den vielen Umbrüchen der vergangenen Jahre immer eine wichtige Identifikationsfigur. Beim ersten Bundesliga-Spiel gegen Bayern München stand der damals noch verletzte Mittelfeldspieler neben den Ultras im Auswärtsblock, auch seine Brüder waren regelmäßig auf den Rängen des Stadions An der Alten Försterei zu finden. Und in den jüngsten Wochen schwärmte er immer wieder geradezu emotional vom Verein.

Prömel informierte zuerst die Fans über seinen Wechsel nach Hoffenheim

„So eine Situation wie nach dem Fürth-Spiel, wo die Fans nach Abpfiff nicht aus dem Stadion gehen, wo die komplette Waldseite noch voll ist und deinen Namen ruft, das hätte ich nie für möglich gehalten“, sagte er und ergänzte. „Ich kam hier in der Hauptstadt an als junger, unerfahrener Zweitligaprofi und gehe jetzt als gestandener Vizekapitän eines Bundesligavereins, der sich zum zweiten Mal in Folge für Europa qualifiziert hat. Das macht natürlich schon etwas mit einem.“

Die Fans habe er übrigens bei seiner Entscheidung „mitgenommen“, wie Prömel es ausdrückte. Neben dem Verein selbst haben auch die Ultras noch vor der Öffentlichkeit von seinem Abgang erfahren. Das war ihm wichtig, gerade weil er weiß, dass Hoffenheim „nicht der Verein, ist, den die meisten Unioner sich gewünscht hätten.“

Doch er habe seine Entscheidung getroffen, und wird damit anders als seine aktuellen Teamkollegen in der kommenden Saison nun nicht im europäischen Wettbewerb spielen dürfen. Trotzdem werden für ihn die europäische Nächte im Herbst und Winter ein Höhepunkt, wie er am Dienstag mit einem Augenzwinkern erklärte. Denn: „Alle können sich sicher sein, dass ich donnerstags im Union-Trikot vor dem Fernseher sitzen und meinen Jungs die Daum drücken werde.“

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