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Benjamin Wingerter verlor mit dem 1. FC Union in der Saisonvorbereitung 2004 mit 1:5 gegen den FC Bayern. Foto:

Gastspiel beim FC Bayern München Die Sieglosigkeit gegen den Rekordmeister hat Tradition beim 1. FC Union

Früher traten die Bayern als Retter gegen Union an. Inzwischen haben sich die Köpenicker etabliert, konnten aber noch nie gegen diesen Gegner gewinnen.

Nur eines hat Urs Fischer vor der Reise nach München von seiner Mannschaft gefordert: Mut. Im Spiel gegen den FC Bayern an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) waren die Chancen auf einen Erfolg für den 1. FC Union ohnehin gering, mit den Ausfällen von Schlüsselspielern wie dem gesperrten Grischa Prömel dürfte es nur noch schwieriger werden. „Da kommt einiges auf uns zu. Wir müssen mutig auftreten“, sagte Unions Trainer Fischer am Donnerstag.

Es wäre übertrieben, Union als David und Bayern als Goliath zu bezeichnen. Der Köpenicker Klub ist mittlerweile ein etablierter Bundesligist, der am Donnerstag einen Millionenvertrag mit einem neuen Hauptsponsor aus der Versicherungsbranche verkündete. Doch vor ihrem bislang neunten Duell mit dem Rekordmeister aus München bleiben die Berliner wie immer krasser Außenseiter und warten weiterhin auf den ersten Sieg.

Dabei ging es jahrelang nie wirklich um das Ergebnis, wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertrafen. Denn lange vor dem ersten Punktspiel war dies ein Duell mit einer gewissen Tradition. Zwischen 1993 und 2009 waren die Bayern viermal zum Freundschaftsspiel im Stadion an der Alten Försterei zu Gast: zweimal sogar als finanzieller Retter beim Benefizspiel.

Als die Unioner Uli Hoeneß hochleben ließen

Das berühmteste Spiel fand im Sommer 2004 statt, als man in Köpenick mit der Kampagne „Bluten für Union“ in einem Existenzkampf um die Regionalligalizenz steckte. „Das Spiel war das beste Spiel, das wir in der Saison gesehen haben. Aber wir waren so um unser Herzblut und unseren Verein bemüht, dass uns das Spiel eigentlich wenig interessiert hat“, sagt Union-Fan und Weihnachtssingen-Initiator Torsten Eisenbeiser dem Tagesspiegel.

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Als das schon im Mai terminierte Benefizspiel im Juli endlich stattfand, war die Lizenz längst gesichert, und der 5:1-Solidaritätssieg der Bayern eher von symbolischer Bedeutung. Trotzdem war die Dankbarkeit unter den 15 000 Anwesenden groß und die Stimmung prächtig. „Wir haben Uli Hoeneß hochleben lassen“, sagt Eisenbeiser.

Neben Hoeneß stand damals auch ein gewisser Felix Magath an der Seitenlinie. Als der Trainer nach dem Spiel vor die RBB-Kameras trat, schwärmte der heutige Hertha-Trainer vom Stadion an der Alten Försterei: „Das habe ich lange nicht mehr gesehen, so ein altes Stadion wo fast nur Stehränge sind. Es war eine fantastische Atmosphäre, und es hat mir viel Spaß gemacht.“

Magaths optimistische Prognose

Zudem lieferte Magath eine durchaus optimistische Prognose. „Die Mannschaft hat sicher Potenzial und vor allem Perspektive. Union kommt mit Sicherheit wieder nach oben“, sagte er. Dabei hatte er höflicherweise überschaut, dass die Köpenicker nach den finanziellen Schwierigkeiten der vergangenen Monate mitten in einem tiefgründigen Kader-Umbruch steckten, in dem sie insgesamt 20 Abgänge verkraften mussten.

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„Damals war es noch nicht klar, ob wir überhaupt eine Mannschaft für die Regionalliga-Saison zusammenkriegen“, erinnert sich Eisenbeiser. Die neu zusammengewürfelte Mannschaft stieg schließlich 2005 in die Viertklassigkeit ab.
Doch in den Jahren danach behielt Magath Recht. Union kletterte langsam aber sicher wieder hoch, und verdiente sich nach dem Bundesliga-Aufstieg 2019 endlich ein erstes Punktspiel gegen die Bayern. Seitdem sind die Kräftverhältnisse etwas anders: in der vergangenen Saison blieb Union als einziger Bundesligist gegen die Bayern ungeschlagen. Nur der erste Sieg bleibt noch aus.

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