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Einer ist nicht zu bremsen. Robert Lewandowski gelang in Freiburg bereits sein 19. Saisontreffer. Foto: dpa
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Fußball-Bundesliga am Mittwoch Bayern siegt in Freiburg, Gladbach zieht nach - und Köln dreht ein irres Spiel

Am Mittwochabend gab es zum Abschluss des 16. Bundesliga-Spieltags vier Begegnungen - und eine Überraschung. Die Spielberichte.

An der Spitze der Fußball-Bundesliga bleibt es nach 16 Spieltagen eng - und auch im Tabellenkeller spitzt sich die Gemengelage zu. Die Berichte zu den Partien vom Mittwochabend:

SC Freiburg - Bayern München 1:3 (0:1)

Top-Talent Joshua Zirkzee und Nationalstürmer Serge Gnabry haben den FC Bayern München gerade so vor einem vorweihnachtlichen Stimmungsdämpfer beim SC Freiburg bewahrt. Der 18-jährige Niederländer und Gnabry sorgten mit ihren Treffern in der Nachspielzeit für den 3:1 (1:0)-Sieg beim in dieser Saison bisher starken SC Freiburg. Der Rekordmeister rückte durch den glücklichen Sieg am Mittwochabend auf den dritten Platz vor. Mit seinem 221. Bundesliga-Treffer hatte Robert Lewandowski (16. Minute) die Bayern in Führung und sich selbst auf den dritten Platz der ewigen Torschützenliste geschossen. Dann aber bauten die Gäste zwischenzeitlich stark ab, was Vincenzo Grifo (59.) mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich bestrafte.

Herzlich war kurz vor dem Anpfiff die Umarmung von Bayern-Trainer Hansi Flick und Freiburgs Christian Streich, die sich schon lange kennen und schätzen. Beinahe hätten die Münchner, ohne Javi Martinez und Jerome Boateng in der Startformation, den berühmten Auftakt nach Maß erwischt. Nach gut 60 Sekunden lupfte der zuletzt überragende Philippe Coutinho den Ball über SC-Keeper Mark Flekken, doch Manuel Gulde rettete. Sehr wach, sehr konzentriert präsentierten sich die Gäste, attackieren früh. Müller (7.) scheiterte am Außenpfosten - in dieser Saison war das der früheste Aluminiumtreffer des Rekordmeisters.

Streich baute in seinem 300. Pflichtspiel als Trainer auf seine älteste Startelf (Durchschnitt: 27 Jahren und 224 Tage). Doch Erfahrung nutzte nichts gegen furiose Münchner, die durch Lewandowski früh in Führung gingen. Mit tollem Antritt bereitete Alphonso Davies den Treffer des Polen vor. Nur Gerd Müller (365) und Klaus Fischer (268) liegen in der ewigen Torschützenlisten nun noch vor Lewandowski. Seit Flicks Amtsübernahme war es übrigens das 28. Tor der Bayern - in dieser Zeit erzielte keine Mannschaft aus den fünf europäischen Topligen so viele Tore. Aber die Konstanz fehlt.

Mitte der ersten Hälfte stellten die Freiburger auf eine Dreierkette um. Der Hochgeschwindigkeitsfußball der Münchner kam ins Stocken, die Passgenauigkeit ließ zu wünschen übrig. Kapitän Manuel Neuer rettete gegen Lucas Höler (31.), der schon in der letzten Saison bei den beiden 1:1-Unentschieden die Treffer erzielt hatte. Der Sportclub war die einzige Mannschaft gewesen, gegen die die Münchner nicht gewinnen konnten. Coutinho (40.) vergab, im Gegenzug war wieder dann Neuer gefordert, der erneut rettete.

70 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüsse vor der Pause - die Bayern hatten es versäumt ein weiteres Tor zu machen. Unverändert kamen beide Teams nach dem Wechsel aus der Kabine, doch die Hausherren agierten viel mutiger als zu Beginn. Kapitän Mike Frantz (54.) verletzte sich, Kwon Chang-Hoon kam - fünf Minuten später erzielte Vincenzo Grifo nach Vorlage von Janik Haberer den Ausgleich.

Beim Rekordmeister häuften sich Fehler auf Fehler, Flick stärkte wohl auch deshalb die Defensive. Der Trainer brachte Martinez für Müller (63.), der kurz zuvor Gelb gesehen hatte. Trotzdem setzten sich die Freiburger immer besser in Szene, doch dann schlugen die Bayern eiskalt zu.

Borussia Mönchengladbach - SC Paderborn 2:0 (0:0)

Borussia Mönchengladbach hat sich mit einem Arbeitssieg gegen den SC Paderborn die Chance auf die erste Herbstmeisterschaft seit 43 Jahren erhalten. Mit dem 2:0 (0:0) gegen den Tabellenletzten SC Paderborn schloss das Team von Trainer Marco Rose am 16. Spieltag nach Punkten wieder zu Spitzenreiter RB Leipzig auf. Alassane Plea (46. Minute) und Kapitän Lars Stindl per Foulelfmeter (67.) schossen vor 44 494 Zuschauern das Bundesliga-Überraschungsteam am Mittwoch aus der kleinen Sinnkrise nach zuletzt zwei unglücklichen Last-Minute-Niederlagen.

In der Europa League gegen Basaksehir Istanbul hatte die Borussia ebenso mit 1:2 verloren wie am Sonntag beim VfL Wolfsburg in der Liga und war damit nach über zwei Monaten von der Tabellenspitze gerutscht.

Zuletzt hatte die Borussia ausgepowert gewirkt und auch gegen Paderborn tat sich die Rose-Elf lange schwer. Roses großer Rotationsplan nach den zwei Niederlagen zuletzt ging allerdings erstmal nicht auf. Sechs Veränderungen - so viele wie noch nie unter dem 43 Jahre alten Coach - hatte Rose im Vergleich zur Niederlage beim VfL Wolfsburg vorgenommen. Im Sturm traf es neben Breel Embolo auch noch Marcus Thuram. Ohne das Zwölf-Tore Duo, dazu auch noch ohne Zuverlässigkeitsgarant Stefan Lainer auf der rechten Abwehrseite stockte das Spiel der Gastgeber eine Halbzeit lang.

Zumal die Paderborner das machten, was keinem Gegner gefällt: Hinten dich stehen und mutig auch mal nach vorn agieren. Die vier Punkte aus den vorangegangenen Auswärtsspielen gegen Borussia Dortmund und Werder Bremen hatten das Selbstvertrauen merklich gestärkt. Dazu immer ein bisschen nickelig, nervig für den Gegner und permanent angetrieben von Coach Steffen Baumgart an der Seitenlinie.

Torchancen ließen die Paderborner den Gladbachern so erstmal kaum zu. Zwei Kopfbälle - einer von Stindl (11.) ging klar vorbei und einer von Plea (20.) sprang gegen den Pfosten, er stand aber eh im Abseits. Sekunden vor dem Pausenpfiff wurde es erst brenzlig. Im Sekundentakt parierte aber Paderborns Leopold Zingerle zuerst gegen Stindl, dann gegen Matthias Ginter.

Gegenüber Yann Sommer hatte sich schon deutlich früher auszeichnen müssen, als er bei einem Flachschuss von Kai Pröger hatte abtauchen müssen (23.). „Wir machen uns das Leben selber schwer“, monierte Borussias Vizepräsident Rainer Bonhof in der Pause bei Sky.

Womöglich hatte Rose in der Kabine ähnliche Worte gefunden. Denn nach dem Wiederanpfiff sorgte seine Mannschaft binnen 13 Sekunden für die Führung - und das bei Anstoß Paderborn. Auf der rechten Angriffsseite eroberte Patrick Herrmann in der Gäste-Hälfte den Ball, passte auf Stindl, der wiederum schnell zu Plea weiterleitete. Sein erstes Tor nach zwei Monaten.

Vor dem zweiten Borussen-Treffer musste der Videobeweis her. Paderborns Sebastian Schonlau traf Herrmann mit der linken Hand im Gesicht, Schiedsrichter Robert Kampka entschied nach dem Videostudium auf Elfmeter. Stindl traf, Gladbach jubelte, auch am Ende noch.

VfL Wolfsburg - Schalke 04 1:1 (0:0)

Der VfL Wolfsburg hat erneut Comeback-Qualitäten bewiesen und nach einem Rückstand gegen den FC Schalke 04 noch einen Punkt geholt. Kevin Mbabu sicherte den Niedersachsen am Mittwochabend mit seinem Tor in der 82. Minute das 1:1 (0:0) in einem packenden Bundesliga-Duell auf Augenhöhe. Drei Tage nach dem kraftraubenden Schalker Sieg in Unterzahl gegen Eintracht Frankfurt und dem nicht minder anstrengenden Last-Minute-Erfolg des VfL gegen Borussia Mönchengladbach merkte man beiden Teams keine Müdigkeit an.

Vor 24 651 Zuschauern nutzten vor allem die Wolfsburger, die durch Ozan Kabak in der 51. Minute in Rückstand geraten waren, zahlreiche Chancen zunächst nicht. Schalkes Ersatztorwart Markus Schubert, der den nach dessen Kung-Fu-Foul rotgesperrten Stammkeeper Alexander Nübel vertrat, brachte die Gastgeber in seinem erst zweiten Spiel in der Fußball-Bundesliga mit starken Paraden erst zur Verzweiflung und patzte dann beim Ausgleich.

Überschattet wurde die Partie von einem Todesfall. Ein Schalker Anhänger starb auf dem Weg zum Stadion. Aus Respekt und Anteilnahme verzichteten beide Fanlager daher in der zweiten Hälfte auf die Unterstützung ihrer Mannschaften.

Auf dem Platz zeigten beide Teams von Beginn an viel Willen und Drang nach vorne. Schon nach 48 Sekunden hatte Wolfsburgs Top-Torjäger Wout Weghorst die Chance zur Führung, brachte jedoch aus kurzer Distanz nicht genug Wucht hinter seinen Kopfball.

Maximilian Arnold (3./33.), John Anthony Brooks (13./20.) und Marcel Tisserand (34.) hatten weitere Gelegenheiten für den VfL, der in Sachen Einsatzbereitschaft und Offensivdrang nahtlos an den 2:1-Sieg gegen Gladbach anknüpfte. Einzig die Präzision im Abschluss fehlte, oder Schubert war mit starken Reflexen zur Stelle.

Trotz der Power der Wolfsburger, die sich ein Übergewicht erspielten, versteckten sich die Gäste nicht. Bei Ballgewinnen suchte das Team von Coach David Wagner stets den schnellen Weg nach vorne und kam seinerseits zu Tormöglichkeiten. Zweimal Guido Burgstaller (6./19.) und Fabian Reese (16.) im runderneuerten Schalke-Sturm ließen teils beste Chancen jedoch ungenutzt. Das 0:0 zur Halbzeit gab den Spielverlauf keinesfalls wieder - zumal Wolfsburgs Joao Victor kurz vor der Pause Pech mit einem Pfostenschuss hatte und kurz darauf frei vor Schubert verzog.

Das rächte sich kurz nach Wiederanpfiff. Nach einer Ecke und Gewühl kurz vor dem Wolfsburger Tor stocherte Kabak den Ball über die Linie. Burgstaller hätte die Führung ausbauen können, schoss vom Fünfmeterraum aus aber über das Tor (59.). Wolfsburg kam kaum noch an sein spielerisches Niveau aus dem ersten Durchgang heran. So mussten die Schalker helfen: Schubert leistete sich nach einer Ecke eine Unaufmerksamkeit - und Mbabu nutzte diese zum Ausgleich.

Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln 2:4 (2:1)

Eintracht Frankfurt hat die Negativserie in der Bundesliga fortgesetzt. Beim 2:4 (2:1) gegen den 1. FC Köln blieb der Europa-League-Teilnehmer am Mittwochabend zum sechsten Mal in Folge ohne Sieg. Vor 50 300 Zuschauern sorgten Martin Hinteregger (6. Minute) und Goncalo Paciencia (30.) zwar für eine 2:0-Führung. Doch Jonas Hector (44.), Sebastiaan Bornauw (72.), Dominick Drexler (81.) und Ismael Jakobs (90.) drehten die Partie. Der abstiegsbedrohte FC feierte den zweiten Ligasieg in Folge.

Nachdem die Fußballer der Eintracht zuletzt in den Europapokal- und Bundesligapartien erschöpft und ausgelaugt gewirkt hatten, zeigten sie im 30. Saisonspiel wieder Kampfgeist und Aggressivität. Schon nach 180 Sekunden hatte Hinteregger die Chance zum Führungstreffer, aber sein Kopfball ging knapp über das Tor. Vier Minuten später köpfte er nach einer Flanke von Filip Kostic präziser und zum 1:0 ein. Es war bereits der sechste Treffer für den Verteidiger.

Bis zur 30. Minute dauerte es, bis die überlegenen Platzherren zum zweiten Mal zuschlugen. Diesmal war es Paciencia, der nach Ecke von Kostic den Ball per Kopf zum 2:0 über die Torlinie wuchtete. Für den Angreifer war es das siebte Liga-Tor und das erste nach fünf Spielen ohne Erfolgserlebnis.

Nach dieser verheißungsvollen Start schienen die Hessen, wie von Eintracht-Trainer Adi Hütter gefordert, überlegen. Doch kurz vor dem Pausenpfiff gelang für die bis dato wenig aktiven Kölner aus dem Nichts das 1:2 durch Hector. Der Abwehrspieler traf aus gut 30 Metern. Gegen den noch abgefälschten, wuchtigen Schuss konnte Eintracht-Ersatztorwart Felix Wiedwald, der für den verletzten Frederik Rönnow einspringen musste, nichts machen. Um ein Haar hätte Hector Sekunden später sogar noch den Ausgleich erzielt, doch sein Schlenzer aus 18 Meter ging knapp über die Latte.

Eintracht-Coach Hütter hatte in seinem 50. Ligaspiel seine Startformation verändert. Im Angriff ließ er von Beginn an Bas Dost stürmen, für Danny da Costa bot er Timothy Chandler auf, und im Mittelfeld spielte Dominik Kohr für Djibril Sow. Mihat Gacinovic blieb nach dem Kamikaze-Foul an ihn durch den Schalker Torwart Alexander Nübel zunächst auf der Bank.

Nach dem Wiederanpfiff agierten die Kölner beherzter und zupackender. Der Lohn: Im der 72. Minute erzielte Bornauw nach Vorlage von Florian Kainz den Ausgleich. Im Gegenzug hätten die Frankfurter beinahe zurückgeschlagen, doch Daichi Kamada scheiterte an FC-Keeper Timo Horn. Zehn Minuten vor Schluss schließlich traf Drexler, Sekunden vor dem Abpfiff machte Jakobs alles klar. (dpa)

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