Er trifft und trifft. Hans Lindberg ist der torgefährlichste Berliner – bei den Füchsen hoffen sie auch heute im Halbfinale des EHF-Pokals gegen Porto auf ihn. Foto: imago/Eibner
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Füchse Berlin beim Finalturnier um den EHF-Pokal Hans Lindberg und die konstante Extraklasse

Die Füchse Berlin setzen beim Finalturnier um den EHF-Pokal in Kiel auf ihren Kapitän Hans Lindberg. Der trifft auch mit 37 immer noch wie er will.

Hans Lindberg lächelt erhaben. Womöglich kommt er sich vor wie ein Quizshow-Kandidat bei der 50-Euro-Einstiegsfrage, natürlich kennt er die Antwort; schließlich handelt es sich sogar um einen dänischen Landsmann. „Die meisten Siebenmetertore in der Handball-Bundesliga? Das kann nur Lars Christiansen sein“, sagt Lindberg. „Der war unfassbar sicher, ein echter Künstler.“ 1224 Strafwürfe hat Christiansen, von 1996 bis 2010 eine Institution auf Linksaußen bei der SG Flensburg-Handewitt, in seiner Bundesliga-Karriere verwandelt – mutmaßlich ein Rekord für die Ewigkeit. Auf Rang zwei folgt dann allerdings schon, genau: Hans Lindberg. Seine Bilanz steht seit Sonntag bei 879 verwandelten Siebenmetern. „Eine nette Statistik“, sagt er beim Interview-Termin vor dem Training und grinst, „aber Lars Christiansen werde ich wohl nicht mehr einholen.“

Trotzdem verdeutlichen die Zahlenspiele, wie lange Hans Lindberg, der Kapitän der Füchse Berlin, schon auf höchstem nationalen wie internationalen Niveau unterwegs ist. In der ewigen Torschützenliste der Handball-Bundesliga hat er sich mittlerweile mit mehr als 2000 Treffern unter die besten Zehn vorgearbeitet – und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht: Lindberg besitzt bei den Füchsen einen Vertrag bis Sommer 2021. Mindestens zwei Jahre wird er seine Klasse also noch nachweisen können. Die nächstbeste Gelegenheit dafür bietet sich ihm an diesem Freitag: dann bestreiten die Füchse Berlin in Kiel das Halbfinale des EHF-Pokals gegen Porto (20.45 Uhr/Dazn).

Dabei müsste Lindberg, der am 1. August 38 Jahre alt wird, im Grunde niemandem mehr etwas beweisen. „Auf seiner Position ist er einer der Besten, an die ich mich erinnern kann“, sagt Füchse-Trainer Velimir Petkovic über seinen Rechtsaußen. Auch in dieser Saison darf sich Petkovic wieder auf die Führungsqualitäten seines Kapitäns verlassen. Der Alterspräsident im Berliner Kader zählt zu den Konstantesten in einer von Höhen und Tiefen geprägten Spielzeit, kaum ein Füchse-Bericht kommt ohne explizite Erwähnung Lindbergs aus. Mittlerweile ist es fast selbstverständlich, dass der Linkshänder die interne Torschützenliste auch in seiner vierten Saison in Berlin wieder mit großem Abstand anführt.

Sein ehemaliger Trainer Martin Schwalb, unter dem er zehn Jahre beim HSV Handball spielte, hat die Abschlussqualitäten des dänischen Nationalspielers einmal treffend beschrieben: „Wenn Hans Lindberg von außen frei zum Wurf kommt oder an die Siebenmeterlinie geht, kannst du fast immer abdrehen und jubeln.“ Und selbst wenn Lindberg ausnahmsweise nicht trifft, weiß er damit umzugehen. „Hans hat eine tolle Körpersprache, immer den Kopf oben“, sagt Petkovic.

Gerade bei hoher Belastung sendet Lindbergs Körper hin und wieder Signale

So problemlos wie es für Außenstehende aussieht, ist die Zeit allerdings an Lindberg nicht vorbeigegangen. „Ich gebe es ungern zu, aber ich fühle mich leider nicht mehr wie 25“, sagt er. Davon zeugen auch die dicken Knöchelbandagen unter der Trainingshose. 15 Jahre Profi-Handball haben selbst bei einem vergleichsweise kleinen und leichten Spieler wie Lindberg ihre Spuren hinterlassen. Gerade bei hoher Belastung sendet der Körper hin und wieder Signale, aber was nimmt man nicht alles in Kauf für die Aussicht auf Erfolge? Lindberg war Ende Januar dabei, als Dänemark im eigenen Land den ersten WM-Titel seiner Handball-Geschichte bejubelte. Allein dafür, sagt er, habe sich die Schinderei gelohnt. Die Extra-Laufrunden im Sommer, die Zeit an den Foltergeräten im Kraftraum.

„Er ist ein Spieler, von dem ich mit 62 Jahren noch jeden Tag etwas lernen kann“, sagt Petkovic. Lindberg übe seinen Job mit guter Laune, Lust und wenn nötig auch mit Autorität aus, berichtet der Füchse-Trainer. Nicht zuletzt deshalb entschied sich Petkovic vor der Saison dafür, den Dänen zum Kapitän und Nachfolger von Vereinslegende Petr Stochl zu ernennen. Normalerweise sind Außenspieler in den seltensten Fällen Kapitän ihres Teams – auch das verdeutlicht Lindbergs Stellenwert. Oder wie es Stefan Kretzschmar in seinem jüngsten Buch so schön formuliert hat: „Außen sind die unwichtigsten Positionen im Handball. Denken alle in der Mannschaft und im gesamten Verein – bis auf die beiden Außen.“

Bei den Füchsen ist das anders. Ohne einen herausragenden Hans Lindberg dürften es die Berliner am Wochenende schwer haben, ihren Titel in Kiel zu verteidigen. Aber selbst wenn die Titelverteidigung misslingt, Lindberg wird weitermachen: „Ich spiele Handball, solange es mir Spaß macht“, sagt er, „und bisher hatte ich nach jeder Sommerpause wieder Spaß.“

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