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Ruslan Ponomarjow, 38, war von 2002 bis 2004 Schachweltmeister und lebt in Spanien. Mittlerweile spielt der gebürtige Ukrainer beim SV Hockenheim in der Bundesliga. Bei der Endrunde in Berlin will er am Wochenende die Meisterschaft gewinnen. Foto: promo
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Früherer Weltmeister Ruslan Ponomarjow „Online-Schach ist kein richtiges Schachspiel“

Laurin Snigula

Der ehemalige Schach-Weltmeister Ruslan Ponomarjow über die Bundesliga-Endrunde in Berlin, sein Leben während der Pandemie und den Einfluss von Magnus Carlsen.

Ruslan Ponomarjow, 38, war von 2002 bis 2004 Schachweltmeister und lebt in Spanien. Mittlerweile spielt der gebürtige Ukrainer beim SV Hockenheim in der Bundesliga. Bei der Endrunde im Berliner Hotel Maritim pro Arte will er am Wochenende die Meisterschaft gewinnen.

Herr Ponomarjow, nach der langen pandemiebedingten Pause findet in Berlin aktuell die Endrunde der Schach-Bundesliga statt, an der Sie mit Hockenheim teilnehmen. Was erwarten Sie von diesem Wettbewerb?

Unser Team ist sehr ambitioniert. Unser ältestes Mitglied, unser Kapitän Dieter Auer, hat den Traum, dass Hockenheim einmal die Bundesliga gewinnt. Das bisher beste Ergebnis war der zweite Platz. Wir haben mit Baden-Baden ein Team, die viele Jahre in Folge gewonnen hat. Das Problem ist, dass es wegen der Pandemie eine lange Pause für alle gab. Wir werden sehen, wie die Leute aus der Pause zurückkommen. Aber es ist Sport und da kann alles passieren. Wir werden unser Bestes geben.

Wie haben Sie während der Pandemie Schach gespielt?

Ich würde sagen, ich habe nicht wirklich Schach gespielt. Ich habe ein bisschen online gespielt, aber fand es nicht vergleichbar. Ich habe mich dann für eine kleine Pause entschieden und mehr Zeit mit meiner Familie verbracht. Meine Tochter ist vor elf Monaten geboren, mit ihr habe ich viel gemacht. Im Juni habe ich in Dortmund an einem Turnier teilgenommen. Jetzt geht es endlich wieder richtig weiter mit Schach.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich versuche eine gute Balance zwischen Arbeit und Familie zu finden. Ich habe zwei Kinder, mein Sohn ist fünf Jahre alt und meine Tochter elf Monate. Wie es mit Kindern so ist, wollen sie immer etwas unternehmen und wenn jemand krank ist, bleibt man zu Hause. Wenn sie in der Schule oder im Kindergarten sind, versuche ich so viel zu machen, wie möglich ist. Ich übe Schach, gebe online Unterricht und bereite mich vor. Zudem arbeite ich an meiner körperlichen Fitness, bringe meinen Sohn mit dem Fahrrad zur Schule oder mache Übungen zuhause.

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Spielen Sie in mehreren Vereinen?

Dieses Jahr stand auch zur Debatte, in Spanien zu spielen. Aber ich habe mich entschieden, nur für Hockenheim zu spielen.

Wie fühlt es sich an, als ehemaliger Schachweltmeister für die verhältnismäßig kleine Stadt Hockenheim zu spielen?

Es ist bereits meine dritte Saison beim SV Hockenheim. Ich fühle mich sehr wohl, wir haben eine schöne Atmosphäre nicht nur beim Spielen, sondern auch immer eine gute Zeit an den Wochenenden.

An wie vielen der sieben Spiele bei der Endrunde werden sie teilnehmen?

Das ist eine teamtaktische Entscheidung. Darüber kann ich nichts sagen. Generell werde ich spielen und meinem Team helfen. Der Spielplan ist eine Herausforderung. Ich konnte schon bei einem Turnier in Dortmund wieder spielen und mich an die Wettbewerbsumstände gewöhnen.

Sind Spieler gegen Sie extra motiviert, weil sie gegen einen ehemaligen Weltmeister antreten?

Schach wird immer konkurrenzfähiger. Die Spieler sind generell sehr motiviert. Sie wollen nicht nur gegen mich gewinnen, sondern es geht vor allem um die Punkte für die Rangliste und den Sieg fürs Team.

Am Samstag um 17 Uhr spielt ihr Verein im Spitzenspiel gegen den Titelverteidiger und Serienmeister aus Baden-Baden. Wie sehen Sie dieses Duell?

Wir sind beide oben in der Tabelle. Es ist deshalb ein sehr wichtiges Spiel. Aber wir haben noch andere wichtige Spiele, die wir gewinnen müssen, um weiter oben zu bleiben und den Druck aufrecht zu erhalten. Auch die anderen Teams sind sehr gut, es werden enge Spiele. Wenn wir weiter gut spielen, können wir Baden-Baden vielleicht nervös machen.

Wie bewerten Sie die Qualität der deutschen Schach-Bundesliga?

Ich habe Erfahrung in vielen anderen Ligen sammeln können. Ich habe schon in der russischen, ukrainischen, tschechischen, kroatischen, slowenischen und spanischen Liga gespielt. Ich würde sagen, die deutsche Bundesliga ist eine der stärksten Ligen der Welt. Die russische Liga ist auch sehr gut, aber die deutsche ist noch etwas stärker. Die Teams in der Bundesliga sind oft motivierter, die Meisterschaft in der Liga zu gewinnen, als auf europäischer Ebene erfolgreich zu sein. Das hebt die Intensität und die Qualität.

Was sagen Sie zu den deutschen Spielern? Es gibt ja viele ausländische Akteure, die in der Liga spielen und weniger Deutsche unter den Top-Spielern?

Es gibt auch sehr gute deutsche Spieler. Alexander Donchenko, Matthias Blübaum oder Andreas Heimann. Für die Spieler ist es auch eine gute Erfahrung, wenn Baden-Baden mit zehn Weltstars kommt. Sie können sich auf höchstem Niveau stetig verbessern.

Was sagen Sie zum amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen?

Ich werde das Match im November definitiv verfolgen, aber dieses Mal nicht so aktiv. Als Magnus noch nicht Weltmeister war, haben wir in London bei einem Turnier in einem Team gespielt und hatten ein paar Trainingsspiele. Ich habe bei seinen Weltmeisterschaften in den letzten Jahren oft auch online auf Spanisch kommentiert.

Schachgroßmeister werden immer jünger und jünger, was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Es gibt viele Talente auf der Welt. Mit der Globalisierung hat sich das Talent weltweit noch mehr verteilt. Ich schaue mir besonders die Entwicklung in der Ukraine an, aber auch in Deutschland gibt es viele talentierte Spieler. Das Problem ist, dass viele sich gegen eine Schachkarriere entscheiden. Viele wollen das Risiko nicht eingehen und gehen an die Universität und machen andere Dinge. Magnus Carlsen hat gezeigt, dass es sich lohnt, den Weg als Schachprofi einzuschlagen.

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