Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Engagiert. Kerstin Hoffmann (l.) und Mirja Behrens vom Charity-Team PG Hospiz. Foto: privat
© privat

Frauenlauf am Samstag in Berlin Sichtbarkeit schaffen und Gutes tun

Beim Frauenlauf in Berlin wollen Kerstin Hoffmann und Mirja Behrens Krebserkrankungen entstigmatisieren - 10.000 Läuferinnen werden erwartet

Es ist ein Thema, das bei vielen Unbehagen auslöst und über das wenig gesprochen wird: Hospize – der Ort, wo Menschen beim Sterben begleitet werden. Kerstin Hoffmann und ihre Kollegin Mirja Behrens wollen das ändern, sie wollen Sichtbarkeit schaffen und zu mehr Aufmerksamkeit beitragen. Die beiden arbeiten im Paul Gerhardt Hospiz, Hoffmann als Krankenschwester und Behrens als Physiotherapeutin. „Wir arbeiten vorwiegend mit Krebspatient*innen zusammen“, sagt Hoffmann. „Diese Palliativversorgung ist immer noch ein Tabuthema, genauso wie Krebs.“

Das ist auch ein Grund, weshalb die beiden sich dazu entschieden haben, am „KoRo Frauenlauf Berlin“ teilzunehmen. Sie wollen möglichst viele Spenden für die Berliner Krebsgesellschaft sammeln. „Da wir in einem Hospiz arbeiten, wissen wir, wie wichtig es ist, Spenden zu sammeln“, sagt Hoffmann. „Hospize müssen fünf Prozent der Kosten über Spenden selbst erwirtschaften.“ In den vergangenen zwei Jahren wurde der Frauenlauf aufgrund der Pandemie abgesagt, nun werden am Samstagnachmittag im Tiergarten rund 10.000 Teilnehmerinnen erwartet. Ein Euro des Teilnahmebetrags geht an die Berliner Krebsgesellschaft.

Sportliche Erfahrung können Hoffmann und ihre Kollegin vorweisen: Bereits im vergangenen Jahr nahmen sie am Lauf teil, damals noch virtuell. Ihre Walking-Strecke betrug fünf Kilometer, in diesem Jahr wollen sie diese verdoppeln, denn die Teilnehmerinnen können ihre Distanz selbst wählen. „In der Gruppe zu laufen und damit Gutes zu tun, hat uns dazu bewogen, dieses Jahr wieder mitzumachen“, sagt Hoffmann.

Als Vorbereitung trainierten die beiden gemeinsam im Charlottenburger Schlosspark und im Tiergarten. Das war aufgrund von Hoffmanns beruflicher Tätigkeit nicht immer leicht zu bewerkstelligen. „Im Schichtdienst ist es eine große Herausforderung, gemeinsam zu trainieren.“

Gerade im Kontext von Krebserkrankungen spielt Sport eine wichtige Rolle

Hoffmann selbst schenkte sich im vergangenen Jahr zum 50. Geburtstag ein Paar Rollschuhe, mit denen sie seither trainiert. Walking und Rollschuhfahren sei eine gute Kombination, sagt sie, weil die Bewegungsabläufe so ähnlich seien. Mit ihrer Begeisterung hat sie zwei weitere Kolleginnen angesteckt, die sich nun ebenfalls für den Lauf angemeldet haben. Sie hofft, dass sich im kommenden Jahr noch mehr anschließen.

Das Besondere in diesem Jahr ist, dass zum ersten Mal nicht nur Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, finanziell unterstützt werden. „Wir wollen Frauen mit sämtlichen Krebserkrankungen mit unserem Härtefonds helfen“, sagt Barbara Kempf, Geschäftsführerin der Berliner Krebsgesellschaft. „Denn finanzielle Not macht auch vor seltenen Krebserkrankungen nicht Halt.“

Dazu gehören auch geflüchtete krebskranke Frauen aus der Ukraine in Berlin. Dank des hybriden Formats können theoretisch Läuferinnen aus aller Welt teilnehmen und von überall Spenden sammeln. „Im letzten Jahr hat sich sogar eine Gruppe aus Niederbayern zusammengetan mit Frauen aus sämtlichen Jahrgängen. Das war bemerkenswert.“ Vor Ort sein wird auch die ukrainische Marathonläuferin Tetjana Kuzina, die mit ihren Kindern flüchten musste. Aus Berlin werden unter anderem Rabea Schöneborn, Christina Gerdes und Lisa Hahner erwartet.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Gerade im Kontext von Krebserkrankungen spielt Sport eine wichtige Rolle. „Viele Studien haben gezeigt, dass Bewegung bei Krebserkrankungen in vielerlei Hinsicht wichtig ist“, erklärt Kempf. „Das sieht man ja auch bei gesunden Menschen: Man fühlt sich stärker und wohler, wenn man sich regelmäßig bewegt und das lässt sich auch auf Menschen, die an Krebs erkrankt sind, übertragen.“ Studien hätten gezeigt, dass regelmäßige sportliche Betätigung den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen könne. „Vor allem das Risiko von Infektions-Komplikationen unter der Chemotherapie sinkt.“

Nach einer überstandenen Brustkrebserkrankung könne außerdem das Rückfallrisiko reduziert werden und selbst Klinikaufenthalte könnten zum Beispiel bei Leukämie verkürzt werden, indem man sich unter fachlicher Aufsicht betätige. „Es fällt aber auf, dass Leute, die vor der Erkrankung keinen Sport getrieben haben, sich nur schwer dazu bewegen lassen“, sagt Kempf. Dabei sei Sport ein guter Ausgleich und ein wichtiges Ventil – auch um mental Kraft zu schöpfen.

Zur Startseite