Siegerlächeln? Sebastian Vettel will in Monza näher an WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton herankommen. Foto: dpa
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Formel 1: Grand-Prix in Monza Titelfavorit Vettel? Was zu beweisen wäre

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Ferrari hat vor dem Formel-1-Rennen in Monza das beste Auto. Nur Sebastian Vettels Form ist fraglich - das zeigte sich auch wieder im Qualifying.

Heimspiele, besagt eines von vielen ungeschriebenen Gesetzen, müssen gewonnen werden. Und so steht Ferrari-Pilot Sebastian Vettel vor dem Formel-1-Rennen im Ferrari-Land Italien noch etwas mehr unter Druck als ohnehin. Das wurde schon am Mittwoch offensichtlich. Da sollte Vettel in Mailand ein paar Runden für die jubelnden Massen drehen. Eine schöne Show war geplant, mit lauten Motoren und durchdrehenden Reifen, die ordentlich qualmen würden. Es kam dann auch so – bis zu jener Sekunde, in der Vettel sich versteuerte und in die Streckenabsperrung krachte. „Ooooohhh“, stöhnten die Tifosi ob des Malheurs ungläubig.

Wie sich Vettel da verbremst hatte, in einer langsamen Kurve, ließ wieder ein paar Zweifel aufkommen. Kann der 30-Jährige tatsächlich Weltmeister werden? Schafft er es, in den verbleibenden acht Rennen die 17 Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Lewis Hamilton aufzuholen? Oder unterlaufen ihm immer noch zu viele Fehler?

Trotz seines jüngsten Sieges im belgischen Spa fährt bei Vettel auch immer eine kleine Ungewissheit mit. Umso mehr, seit er sich in Hockenheim ähnlich plump versteuert hatte wie beim Showfahren in Mailand und nun auch im Qualifying von Monza. Über die für Vettel reservierten 25 Punkte freute sich in Hockenheim Lewis Hamilton. In Monza, wo Vettel schon dreimal gewann, aber noch nie im Ferrari, ist ihm am Sonntagnachmittag (15.10 Uhr/live bei RTL) deshalb erst recht an einem erfolgreichen Heimspiel gelegen.

Vettel hat sich zuletzt einige Fehler geleistet

Doch nicht nur sein Fahrfehler kurz vor dem Ziel, als er neben die Strecke geriet, ärgerte Vettel. „Lasst uns nachher drüber reden“, funkte er grollend an den Kommandostand. Mit Bestzeiten im Training hatte Vettel zuvor die Hoffnungen der Tifosi auf den ersten Ferrari-Heimsieg seit acht Jahren genährt. Damals gewann der Spanier Fernando Alonso von der Pole Position. Inzwischen ist der Deutsche ein Liebling der Ferraristi, konnte ihnen den ersehnten Monza-Sieg aber in bislang drei Anläufen noch nicht beschaffen.

Die Chancen, dass es diesmal etwas wird, stehen aber gut. Ferrari hat binnen eines Jahres viel bewegt. 2017 gab es in Monza gegen Mercedes noch eine krachende Niederlage, garniert mit wütenden öffentlichen Kommentaren der damaligen Führungsspitze. In der Folge verbockte das verunsicherte Team den Titelkampf völlig. An diesem Sonntag sind die Roten dagegen klar favorisiert, ihr Auto scheint besser als das von Mercedes. „Unsere Stärke ist, dass wir auf keiner Rennstrecke Schwächen haben“, sagt Sebastian Vettel. „Wir haben generell ein besseres Auto, aber vor allem haben wir einen echten Allrounder. Und den brauchst du eben, wenn du dir Hoffnungen auf den Titel machen willst.“ Beim Motor, über den man bei der Konkurrenz rätselt, sind die Fortschritte am deutlichsten.

Lewis Hamilton moserte zuletzt in Spa: „Jedes Mal, wenn wir mit einem Update einen Sprung machen, bringt Ferrari auch eines und macht einen eher noch größeren.“

Ferrari hat Mercedes ein- und nun überholt

Den Leistungszuwachs bringt möglicherweise der Sprit: Teure, exotische Zusatzstoffe in einer neuen Benzinmischung tragen laut Hersteller Shell etwa 20 Prozent zur Leistungssteigerung der neuesten Ferrari-Motoren bei. Aber auch bei der Aerodynamik haben die Roten einen Weg gefunden, der vor allem für bessere Traktion in langsamen Kurven sorgt. Hinkte Ferrari zu Beginn der Saison noch hinterher, so hat man gegenüber Mercedes viel aufgeholt. Ferrari- Technikchef Mattia Binotto hatte schon nach den Wintertests angekündigt: „Unser Auto hat enormes Entwicklungspotenzial. Dafür mussten wir am Anfang größere Risiken eingehen.“

Und der ehemalige Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer glaubt, dass Ferrari auch noch einen anderen Trick wiederbelebt hat. „Meiner Meinung nach haben sie einen Weg gefunden, den Heckflügel wieder ein bisschen mit den Auspuffgasen anzublasen.“ Aus all den kleinen und größeren positiven Veränderungen am Ferrari schlussfolgert Surer: „Wenn ab jetzt alles normal läuft, sollte Vettel den Titel gewinnen.“ Dass alles normal läuft, ist wiederum die Aufgabe von Sebastian Vettel. Ob er ihr gewachsen ist, kann er jetzt in Monza beweisen. Am besten fehlerfrei.

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