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Nach dem Finalsieg feierten die Eisbären Berlin ausgiebig den Meistertitel. Foto: IMAGO/Eibner
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Feiermarathon nach Titel Nummer neun Das Rote Rathaus wartet schon

Nach der Titelverteidigung sind die Berliner Eishockeymeister beim Feiern gefordert. Doch auch einige Kaderveränderungen stehen im Raum.

Als die Mitternachtsstunde längst überschritten war in München und die Reinigungskräfte im Olympia-Eissportzentrum auch die letzten Stücke Goldkonfetti beseitigt hatten, fuhren die Eisbären-Profis in Richtung Hotel, um ihre Titelverteidigung entsprechend zu begießen.

Im Vip-Raum der Eisarena, in dem die unterlegenen Gastgeber mit geladenen Gästen die Saison ausklingen ließen, hielt sich der Frust in Grenzen. Zu dominant waren die Berliner beim 5:0 aufgetreten. „Die Berliner sind völlig verdient Meister geworden“, hieß es seitens der Experten, DEL-Offiziellen, Eishockeyliebhaber, die zuvor Augenzeugen einer seltenen Machtdemonstration in einem Finalspiel gewesen waren.

In den ersten Stunden nach der Gewissheit, dass die DEL-Trophäe erneut nach Berlin wandert, taten sich die Berliner sichtlich schwer, diese eindrucksvolle Saison mit dem Hauptrundensieg, einem umkämpften Halbfinale gegen München und einem Mentalitäts-Nachweis erster Güte gegen München die Emotionen in passende Wort zu gießen.

„All zu viel geht mir gerade nicht durch den Kopf. Ich bin einfach nur froh und feiere meine Mannschaft“, hauchte Jonas Müller in die kalte Hallenluft und versprühte dabei die meisterliche Geruchskomposition aus Schweiß, Schampus und Bier.

„Seit drei Jahren hatten wir eine geile Mannschaft zusammen. Auch im ersten Coronajahr, als die Play-offs ausgefallen sind, hätten wir schon viel erreichen können.“

Besonders umringt war Torwart Mathias Niederberger

Trainer Serge Aubin wahrte auch im Moment dieses Triumphs seine Gentleman-Haltung – mit dem feinen Unterschied zu sonst, dass ihm die Reste der Champagnerdusche aus dem gepflegten Play-off-Bart tropften.

Noch ehe er richtig ausführen konnte, welche Emotionen ihn begleiten, geleiteten ihn die Profis in die Kurve zu den Berliner Fans, die skandierten: „Wir wollen den Trainer sehen.“ Als hätte er heimlich geübt, wirbelte der Kanadier den silbernen Pokal durch die Luft.

Besonders umringt an diesem Abend war Torwart Mathias Niederberger. Unmittelbar nach der Schlusssirene waren die Berliner Profis auf ihren Schlussmann zugestürzt, der „eine der besten Torhüterleistungen gezeigt hatte, die ich seit langem gesehen haben“, wie Sportdirektor Stéphane Richer sagte.

Auch Trainer Serge Aubin wirbelte den silbernen Pokal durch die Luft. Foto: IMAGO/Passion2Press Vergrößern
Auch Trainer Serge Aubin wirbelte den silbernen Pokal durch die Luft. © IMAGO/Passion2Press

Aber natürlich stellte sich an diesem Abend irgendwann dann auch die Frage, wie es sich anfühlt, den letzten Auftritt im Berliner Trikot absolviert zu haben. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass der überragende Keeper dieser Saison die Seiten wechselt und in der kommenden Saison für die Münchner aufläuft. „Das ist kein Thema für diesen Abend“, ließ er dazu nur wissen. Ähnlich hielt es Richer: „Noch ist das nicht offiziell. Heute feiern wir und dann schauen wir weiter.“

Niederberger ist nicht der einzige Champion, den die Eisbären ersetzen müssen. Frans Nielsen wird seine Karriere beenden, die Verträge einiger ausländischer Spieler (Simon Després, Blaine Byron, Giovanni Fiore) laufen aus. Mark Zengerle und Marco Baßler, der in den Play-offs keine Rolle spielte, werden keine Zukunft in Berlin haben. Matt White und Yannick Veilleux dürften angesichts ihrer wichtigen Rollen hingegen neue Verträge unterschrieben haben.

Am Samstag steigt die Sause mit den Fans

Doch Richer äußert sich aus Gewohnheit zurückhaltend zu Transferaktivitäten, sondern verwies auf die anstehenden Parties. „Die Reisen, der enge Zeitplan, einige Verletzungen, es waren viele Herausforderungen. Die Jungs und das Trainerteam haben das überragend gemacht. Das sollen sie jetzt genießen.“

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Manuel Wieder, der mit zahlreichen Schrammen und einem blauen Auge schwer gezeichnet war, sagte: „Am Ende hatten wir nicht mehr viele gesunde Spieler.“ Doch das Durchhaltevermögen nach fünf Spielen in sieben Tagen war enorm.

Am Samstag wird die Sause mit den Fans steigen, am Tag zuvor sind die Eisbären im Roten Rathaus geladen, am Montag steht der Empfang beim Hauptsponsor Gasag an.

Zach Boychuk, der wie Teamkollege und Aushilfs-Assistenzcoach Veilleux verletzt zusehen musste, aber für die Feierei auf dem Eis das Trikot übergestreift hatte, jauchzte beseelt: „Mein Herz war gebrochen, als klar war, dass ich heute nicht spielen kann. Aber jetzt kann ich es nicht erwarten, nach Hause zu kommen und endlich mit den Fans zu erleben, was wir im letzten Jahr so sehr vermisst haben.“

Und der Kanadier ist noch längst nicht am Ziel seiner Träume: „Ich bin mit Bern einmal Meister geworden, nun habe ich eine Titelverteidigung erlebt. Jetzt will ich mit der Mannschaft versuchen, drei Titel in Serie zu gewinnen.“

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